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10.07.2014

20:06 Uhr

E-Plus und O2 Fusion

Verdi sieht Arbeitsplätze in Gefahr

Eine Zusammenlegung von Service und Vertrieb, EU-Auflagen die den Spardruck für das Unternehmen verschärfen. Die anstehende Fusion von E-Plus und Telefónica sieht Verdi als ein erhebliches Risiko für Arbeitsplätze.

Verdi fürchtet bei der Übernahme von E-Plus durch den O2-Konzern Telefónica Arbeitsplatzverluste. dpa

Verdi fürchtet bei der Übernahme von E-Plus durch den O2-Konzern Telefónica Arbeitsplatzverluste.

BerlinDie Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sieht durch die bevorstehende Fusion der Mobilfunkunternehmen E-Plus und Telefónica in Deutschland Arbeitsplätze „in deutlichem Ausmaß“ in Gefahr. Die Zusammenlegung von Service und Vertrieb dürfte zu einem „erheblichen Risiko für Arbeitsplätze und Standorte“ werden, warnte Verdi am Donnerstag. Dieses Risiko werde durch die Auflagen der EU-Kommission, Netzkapazitäten abzugeben, noch verschärft, weil dies den Preisdruck am Markt und damit auch den Spardruck der Unternehmen erhöhe. Verdi sprach von einer „verfehlten Wettbewerbspolitik“.

Die EU-Kommission hatte Anfang Juli grünes Licht für die Übernahme von E-Plus durch den O2-Konzern Telefónica gegeben, dafür aber mehrere Auflagen gemacht. So muss Telefónica unter anderem einen Teil der Netzkapazitäten des neuen Unternehmens verkaufen.

Was die Fusion von E-Plus und O2 für den Kunden bedeutet

Worum geht es?

Die niederländische KPN verkauft ihre Tochter E-Plus an Telefónica Deutschland. Das wurde bereits im Juli 2013 angekündigt. Telefónica Deutschland gehört seinerseits zum spanischen Telefónica-Konzern und bietet vor allem die Mobilfunk-Marke O2 an. „Das neue Unternehmen wird erhebliche Größen- und Effizienzvorteile erzielen“, erklärte Telefónica Deutschland am Mittwoch. Abgeschlossen sein soll der Kauf voraussichtlich bis Ende September.

Wie viele Mobilfunkanbieter gibt es jetzt noch?

Von den großen Anbietern, die ein eigenes Mobilfunknetz besitzen, gibt es in Deutschland künftig nur drei statt vier. Neben Telefónica Deutschland sind dies die Deutsche Telekom und Vodafone. Allerdings gibt es noch viele weitere Mobilfunkmarken. Sie gehören entweder auch zu diesen großen Konzernen oder zu anderen Anbietern. Diese Anbieter leihen sich sozusagen das Netz von den Großen und bieten dann den Endkunden eigene Verträge an. Außerdem könnte sich künftig nach Einschätzung der EU-Kommission auch wieder ein weiterer Anbieter mit eigenem Netz etablieren.

Was bedeutet der Wegfall eines so großen Unternehmens?

Die EU-Kommission hatte bei der Fusion zunächst Bedenken. Sie befürchtete, die Konzentration könne dazu führen, dass sich die verbleibenden Firmen nicht mehr so hart bekriegen - was für die Kunden schlecht wäre, die gerade vom Wettbewerb Vorteile haben. Deshalb hat die EU-Behörde eine ganze Reihe Auflagen für die Fusion gemacht. Dazu gehört zum Beispiel, dass Telefónica 30 Prozent der Netzkapazitäten des neuen Unternehmens verkaufen muss.

Reichen die Auflagen aus?

Die EU-Kommission sagt Ja: „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Marktes kommen“, kündigte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia an. Der auf die Branche spezialisierte Professor Torsten J. Gerpott von der Universität Duisburg-Essen hält die Auflagen dagegen für ungenügend. Sie dienten als „Deckmäntelchen“ für eine industriefreundliche und verbraucherfeindliche Politik der Kommission, sagte er AFP. Auch Ilja Braun von der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt: „Eine Konzentration im Markt birgt für Verbraucher immer Gefahren.“

Steigen jetzt die Preise?

Das ist nicht ausgeschlossen. Zwar seien kurzfristig keine Preissteigerungen zu befürchten, glaubt Gerpott. Er verweist aber zugleich auf Österreich, wo es vor 18 Monaten eine vergleichbare Übernahme gab. Dort seien „die Preise nicht mehr so schnell gefallen und zum Teil sogar gestiegen“. Das könnte mittelfristig auch in Deutschland passieren, meint der Wirtschaftsprofessor. Telefónica äußert sich nicht konkret zu Preisen. In einer Erklärung versichert das Unternehmen aber, „den Markt mit innovativen Produkten und Services (...) noch stärker herauszufordern.“

Ändern sich die bestehenden Mobilfunk-Verträge?

Bei bereits abgeschlossene Verträgen besteht kein Grund zur Sorge. „Bestehende Verträge ändern sich nicht“, sagte ein Sprecher von Telefónica Deutschland.

Verschwindet E-Plus jetzt ganz?

Ob die Marke E-Plus bestehen bleibt oder verschwindet, das lässt sich laut Telefónica Deutschland noch nicht sagen. Dafür müsse erst der Abschluss der Übernahme abgewartet werden.

Was kann noch passieren?

Denkbar sind laut Verbraucherschützer Braun, dass einige Billigmarken wegfallen, die bisher unter dem Dach von E-Plus und Telefónica angeboten werden. Ferner könnten auch Läden geschlossen werden. „Es macht keinen Sinn, dann einen O2-Laden neben einem E-Plus-Laden zu haben“, sagte Braun.

In Deutschland gibt es nach der Fusion dann nur noch drei statt vier große Mobilfunkfirmen, die den Verbrauchern Handyverträge und Ähnliches anbieten. Laut Verdi beschäftigen Telefónica und E-Plus derzeit insgesamt 11.000 Menschen in Deutschland.

Von

afp

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