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17.09.2015

09:58 Uhr

E-Reader Tolino

Kindle-Konkurrent bleibt auf Wachstumskurs

VonKai-Hinrich Renner

Der deutsche E-Book-Anbieter Tolino holt die Mayersche und die Osiander Buchhandlung als Partner mit an Bord. In Deutschland gilt Tolino als Marktführer vor Amazon. Und die Zeichen stehen auf Expansion.

E-Books

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HamburgAn mangelndem Selbstbewusstsein leidet die Tolino-Allianz nicht. Das Bündnis aus Deutscher Telekom, Bertelsmanns Buchklubs und den Buchhandelsketten Thalia, Hugendubel und Weltbild macht mit seinem gleichnamigen E-Reader Amazons Kindle das Leben schwer. In Deutschland ist der Tolino gemessen an den verkauften E-Books wohl Marktführer. Jedenfalls war er das im dritten Quartal 2014, als Zahlen der GfK-Marktforschung durchsickerten, nach denen die Deutschen auf einen Marktanteil von 44, die Amerikaner aber nur auf einen von 35 Prozent kommen. Seither hält die GfK ihre Daten streng unter Verschluss.

Anlässlich eines Pressegesprächs fiel der Begriff Marktführer dennoch recht häufig. Dabei wollte die Allianz eigentlich vor allem ihr neuen Partner die Mayersche und die Osiander Buchhandlung vorstellen, die nun exklusiv auf den Tolino setzen. Unlängst hatten die Tolino-Gesellschafter – zu denen Bertelsmann auch nach Schließung seiner Buchklubs zum Jahresende zählen wird – verkündet, dass sie auch jenseits der deutschen Grenzen weiter wachsen wollen: Nach Österreich, der Schweiz, Belgien und Italien sind sie seit kurzem auch in den Niederlanden präsent.

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In Deutschland stehen die Zeichen ebenfalls auf Expansion. Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober will die Allianz zwei neue E-Reader vorstellen. Thalia-Chef Michael Busch rechnet damit, dass in Deutschland in den kommenden fünf Jahren die Zahl der E-Book-Leser um 30 Prozent auf 9,1 Millionen wachsen wird. Langfristig glaubt er, dass es zu einem Gleichgewicht von traditionellem Buchhandel und dem Online-Handel mit analogen Büchern und E-Books kommen werde.

Noch allerdings kommen E-Books in Deutschland insgesamt nur auf einen Marktanteil von sechs Prozent. In den USA sind es bereits mehr als 20 Prozent. Die Tolino-Allianz sieht sich angesichts der von ihr selbst erwarteten Markterweiterung gut gerüstet. Wesentlicher Bestandteil ihres Erfolgsrezepts ist die enge Zusammenarbeit mit dem traditionellen Buchhandel. Zu ihrem Netzwerk zählt fast jeder dritte der 6000 deutschen Buchhändler. Exakt bei 1800 von ihnen kann man – ebenso wie im Internet – E-Books für den Tolino bestellen.

Vorteile und Nachteile von E-Readern

Ausdauernder Akku

Die E-Ink-Displays sind sehr energieeffizient, daher muss der E-Reader erst nach mehreren tausend Seiten wieder an die Steckdose – das reicht für Wochen.

Angenehmes Lesen

Dank der E-Ink-Technik ähnelt der Bildschirm von E-Readern einer Buchseite – das ist für die Augen angenehm. Zudem lässt sich damit auch bei direkter Sonneneinstrahlung lesen. Geräte mit Beleuchtung wie Kindle Paperwhite und Tolino Shine ermöglichen es zudem, auch im Dunkeln zu lesen.

Geringes Gewicht

Die meisten E-Reader sind Leichtgewichte, die um die 200 Gramm wiegen. Tablet-Computer im Sieben-Zoll-Format bringen oft das Doppelte auf die Waage, Zehn-Zöller sogar das Dreifache. Zudem sind die meisten Lesegeräte so kompakt, dass sie auch in die Jackentasche passen.

Große Kapazität

Aktuelle E-Reader haben mehrere Gigabyte Speicher und erlauben teils noch eine Erweiterung per Micro-SD-Karte. Selbst wenn man Bildbände oder Comics aufspielt, reicht das für Hunderte Bücher – das spart beispielsweise im Urlaub Gepäck.

Strenger Kopierschutz

Viele E-Books haben einen Kopierschutz. Damit können Käufer ihre digitalen Bücher nicht einfach an Freunde verleihen. Zwar ist es möglich, ein E-Book auf mehreren Geräten gleichzeitig zu öffnen, allerdings ist das an das eigene Benutzerkonto geknüpft.

Formate-Wirrwarr

Nicht jeder E-Reader kann jedes E-Book öffnen. Marktführer Amazon nutzt das AZW-Format, das sich nur mit dem Kindle öffnen lässt. Die Tolino-Allianz, der die Buchhändler Thalia, Hugendubel, Weltbild und Club Bertelsmann angehören, setzen auf das EPUB-Format, das die meisten Modelle öffnen können, der Kindle jedoch nicht. Bei E-Books ohne Kopierschutz ist aber eine Konvertierung relativ einfach machbar.

Eingeschränkte Möglichkeiten

E-Reader sind Lesegeräte – nicht mehr, nicht weniger. Wer nur gelegentlich ein E-Book liest, ist mit einem Tablet-Computer besser bedient. Mit dem kann man auch im Internet surfen und Filme gucken.

Besonders groß ist das Interesse an digitalen Büchern bei Lesern belletristischer Werke, bei denen E-Books bereits auf einen Marktanteil von zehn Prozent kommen. Bei dieser Zielgruppe ist nach Ansicht der Allianz das Wachstumspotenzial nach wie vor sehr groß. Weniger gut laufen hingegen Kinder- und Jugend- sowie Sachbücher.

Und noch ein weiterer Trend hat das Tolino-Bündnis erreicht. Immer mehr ihrer Kunden lesen ihre E-Books auch auf dem Smartphone oder dem Tablet. Dafür gibt es mittlerweile entsprechende Apps. Dass diese mobilen Geräte auf Dauer ihren E-Reader ersetzen werden, glaubt die Allianz aber nicht.

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