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27.12.2014

17:43 Uhr

Ebola, Bitcoin und die Ikea-Garantie

Die vergessenen Nachrichten 2014

Erst heiß diskutiert, dann vergessen: Einige Themen sind 2014 aus den Schlagzeilen gefallen. Was ist mit dem Prunkbischof und dem Höhlenforscher? Ebola und der lebenslangen Ikea-Garantie? Und wo steht der Bitcoin-Kurs?

Zurück in den Laden: Ikea bietet eine lebenslange Garantie – zumindest ein bisschen. dpa

Zurück in den Laden: Ikea bietet eine lebenslange Garantie – zumindest ein bisschen.

Das Nachrichtengeschäft ist schnelllebig. Was heute noch für Schlagzeilen sorgt, ist übermorgen schon wieder vergessen. Dabei lohnt ein Blick zurück – er lässt uns innehalten oder Einsichten gewinnen, schaudern oder schmunzeln. Wissen Sie zum Beispiel, was aus der lebenslangen Garantie geworden ist, die Ikea wieder einkassiert hat? Wie sich der Bitcoin nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox entwickelt hat? Mit wie viel Geld der frühere Prunkbischof Tebartz-van Elst auskommen muss? Was mit den Sportanlagen der olympischen Winterspiele in Sotschi passiert? Nein? Dann lesen Sie unseren alternativen Jahresrückblick.

Garantie auf Ikea-Produkte: Wie lang ist lebenslang?

Die beste PR-Aktion zum 40. Geburtstag in Deutschland schenkte sich Ikea selbst – und den perfekten Shitstorm gleich dazu. Vollmundig kündigte das Möbelhaus mit den weißen Einheitsmöbeln an, künftig tausche Ikea jede Ware, auch gebrauchte, nach Vorlage des Kassenzettels um. Lebenslang. Die Kunden jubelten, einige dürften wohl schon in ihren Schuhkartons nach ihren Bons für die 20 Jahre alte Küche gesucht haben.

Doch mit dem Jubel war es schnell vorbei. Denn „lebenslang“ ist bei Ikea offenbar nicht „lebenslang“. Nur zwei Monate nach der Verkündung ließ Deutschlandchef Peter Wetzel wissen, dass das Angebot nicht für alte, abgenutzte Möbel gelte. Wer 15 Jahre lang seine Küche behalten hätte, der könne sie nicht einfach zurückgeben. „Das Geschäftsmodell hält auch Ikea nicht aus.“ Da gehe es auch um gesunden Menschenverstand.

Menschenverstand, schön und gut, das Kundenverständnis jedoch – weg. Im Netz schimpften die Konsumenten in den sozialen Netzwerken über den Rückzieher, Ikea habe die Kunden „sauber angelogen“, das sei ein „Vertrauensbruch“, „mehr als frech“.

Aber Ikea, nun schon erfahren im Thema Rückzug, nahm auch die Worte des Deutschlandchefs wieder zurück – durch die des stellvertretenden Deutschlandchefs. Michael Mette stellte „klar“: Für alles, was seit dem Tag der Verkündung des ursprünglichen Rückgaberechts – also des lebenslangen – gekauft worden sei, gelte eben jenes Rückgaberecht auch. Nur eben für die gebrauchten Möbel von vor zehn Jahren, die in der ursprünglichen Aussage mitinbegriffen gewesen wären, könne man nicht versprechen, den vollen Preis zurückzuzahlen. Man werde sich aber „kulant“ zeigen.

Was aus dem Thema geworden ist? Um es kurz zu machen: Wenig. Den Kunden scheint Ikeas Rückzug vom Rückzug inzwischen herzlich egal zu sein. Zumindest den Reaktionen der Facebook-Seite zufolge. Der Shitstorm dort hat sich auf das Normalmaß zurückgebildet – Beschwerden über vier Monate Wartezeit auf eine Küche; die Zitronenlimonade, die wie Mineralwasser schmeckt; Möbel für 400 Euro, die direkt reklamiert werden mussten. Der Ärger über das lebenslange, nicht lebenslange, teils lebenslange Rückgaberecht ist längst verflogen. (Lisa Hegemann)

Kein Support mehr für Windows XP: Ewig langer Abschied

Es lief und lief und lief. Windows XP gehörte wohl zu den langlebigsten Betriebssystemen der Technologiegeschichte. Als Microsoft 2001 das System einführte, tippten erste Manager und Banker auf Blackberrys herum, während Apple letzte Hand an den iPod legte. Im April 2014, und damit eine gefühlte Ewigkeit später, sagte der Software-Hersteller „Bye bye“ – und stellte die Produktpflege für XP ein. Nutzer bekommen seitdem keine Updates mehr. Auch Sicherheitslücken bleiben damit offen.

Nach dem in der Öffentlichkeit groß diskutierten Abschied ist es ruhig um Windows XP geworden. Viele Nutzer und Unternehmen haben tatsächlich das Upgrade auf ein anderes Betriebssystem vorgenommen, der Marktanteil halbierte sich weltweit auf knapp 14 Prozent, in Deutschland auf gut 6 Prozent. Cyberkriminelle können also noch immer reiche Beute machen, wenn sie Schwachstellen des alten, aber beliebten Systems ausnutzen.

Alles rund um Windows XP

System mit langem Leben

Windows XP ist langlebig: Microsoft brachte es im Herbst 2001 auf den Markt. Den Verkauf stoppte der Hersteller erst 2008, billige Notebooks mit dem System gab es sogar noch länger. Weltweit läuft es noch auf 14 Prozent der Computer, in Deutschland liegt der Marktanteil im einstelligen Bereich.

Stabiler und einfacher

Microsoft gelang mit Windows XP ein großer Schritt nach vorne: Der Software-Riese gestaltete sein wichtigstes Produkt stabiler und benutzerfreundlicher. Im Nachhinein führte er außerdem mit Hilfe von Service Packs wichtige neue Funktionen wie eine Firewall ein, die das System verbesserten.

Ende nach fast 13 Jahren

Am 8. April 2014 stellt Microsoft endgültig den Support ein. Das bedeutet, dass der Hersteller keinen Kundendienst mehr bietet, aber auch Sicherheitslücken nicht mehr schließt. Gerade das ist für Anwender gefährlich. Gewerbliche Kunden können gegen Aufpreis einen Zusatzvertrag abschließen, um Schwachstellen noch zu schließen.

Einsatz in Fabriken und Geldautomaten

Windows XP und eine modifizierte Variante des Betriebssystems kommen nicht nur auf Computern zum Einsatz, sondern etwa auch in Fabriken und Geldautomaten. Die Umstellung betrifft also weit mehr Firmen, als man auf den ersten Blick denken mag.

Zeit für die Umstellung

Microsoft rät zur Umstellung von Windows XP auf eine moderne Variante seines Betriebssystems – natürlich nicht ganz uneigennützig. Doch auch unabhängige Experten raten dringend von XP ab, etwa das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Als Alternativen empfiehlt die Behörde entweder ein aktuelles Windows oder Linux; wer auf Apple aufsteigen will, kann auch einen Rechner mit Mac OS kaufen.

„Die Großunternehmen haben alle längst von Windows XP umgestellt, aber neben den Privatleuten bereiten uns die kleineren Firmen weiterhin Sorgen“, sagt Oliver Gürtler, der bei Microsoft das Windows-Geschäft in Deutschland verantwortet. Auch einige Behörden brauchten länger für die Umstellung – der Bundestag muss deswegen knapp 120.000  Euro für zusätzliche Schutzmaßnahmen ausgeben.

Ein paar Schlagzeilen wird das Betriebssystem aber womöglich auch noch 2015 machen. Zum einen, wenn Firmen und Organisationen endlich den Absprung gemacht haben – in der Bundeswehr kommen noch Tausende Rechner mit XP zum Einsatz. Zum anderen, wenn Hacker die Schwachstellen ausnutzen. (Christof Kerkmann)

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