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06.06.2014

10:36 Uhr

Eigenes Betriebssystem Tizen

Samsungs letzte Chance

VonAxel Postinett

Google wird es nicht gefallen: Samsung hat das erste Gerät mit dem Betriebssystem Tizen vorgestellt. Mit der Android-Alternative setzt sich der Konzern ein Stück vom Partner ab – es geht um das Geschäft der Zukunft.

Außen Samsung, innen aber kein Android: Der Elektronikkonzern hat das erste Smartphone mit dem Betriebssystem Tizen vorgestellt. AFP

Außen Samsung, innen aber kein Android: Der Elektronikkonzern hat das erste Smartphone mit dem Betriebssystem Tizen vorgestellt.

San FranciscoWährend Apple diese Woche ein paar Straßenzüge weiter vor tausenden Entwicklern neue Funktionen für seine Smartphone-Software zeigte, präsentierte Samsung in San Francisco vor ein paar Hundert direkt ein neues Telefon. Das Samsung Z mit brillantem 4,8-Toll AMOLED-Bildschirm läuft mit dem hauseigenen Betriebssystem Tizen. Es wird das erste kommerziell verfügbare Tizen-Smartphone sein und  die letzte Chance für den koreanischen Riesen, langfristig im Smartphone-Bereich noch Geld zu verdienen. Es ist eine Kampfansage an Google.

Das klingt verwunderlich angesichts der Tatsache, dass Samsung mit Abstand größter Anbieter von Smartphones mit der Google-Software ist. Aber Richard Windsor von Edison Investment Research fasst es so zusammen: „Es ist kaum Geld mit Android zu machen.“ Der Wert liege im sogenannten Ökosystem, also dem Drumherum mit Apps, Musik, Filmen, Lesestoff und Internet-Diensten – und das dominiert Google.

Betriebssystem Tizen

Verwandt mit Android

Tizen ist ähnlich wie Android ein freies Betriebssystem, das auf Linux basiert. Ein Vorteil: Es ist relativ einfach, Android-Apps auf Tizen zu übertragen. Über längere Zeit hatte der Chiphersteller Intel die Entwicklung vorangetrieben. Samsung integrierte später sein Betriebssystem Bada in das Projekt.

Plattform für die vernetzte Welt

Die Unternehmen hinter Tizen, allen voran Samsung und Intel, wollen das Betriebssystem ausdrücklich nicht auf Smartphones beschränken – es soll auch auf Fernsehern oder Haushaltsgeräten laufen. Der Elektronikriese hat außerdem bereits Smartwatches mit der Software auf den Markt gebracht.

Unabhängiger von Google?

Samsung hält Android offiziell die Treue. Branchenexperten spekulieren aber schon lange darüber, dass Samsung versuchen könnte, seine Marktmacht für den Aufbau eines eigenen Software-Ökosystems zu nutzen. Tizen wäre ein Mittel zum Zweck.

Es fehlt noch an Apps

Das größte Manko an dem neuen Betriebssystem dürfte die geringe Auswahl an Apps sein. Die Tizen-Unterstützer müssen die Entwickler überzeugen, dass es sich lohnt, für die Plattform zu programmieren. Ein Vorteil: Android-Apps lassen sich relativ leicht übernehmen.

Große Konkurrenz

Die Konkurrenz im Markt für Smartphone-Betriebssysteme ist enorm: Android ist Marktführer, Apple mit seinem iOS dominiert das Premiumsegment, mit großem Abstand folgen Windows Phone, das Blackberry OS und Firefox OS. Samsung hätte aber das Potenzial, ein weiteres System zu etablieren.

„Samsung hat irrtümlich angenommen, dass es seine Gewinnmarge von 18 Prozent alleine über Hardware sichern kann“, sagt Windsor. Deswegen habe der Konzern das Ökosystem Google überlassen. „Daher erwarten wir, dass Google schön über Werbeeinnahmen weiter wachsen wird und Samsung sinkende Gewinne zu verkraften haben wird.“ Windsor empfiehlt Samsung-Aktien zu verkaufen und das Geld in Google zu investieren.

Die Situation hatte zu immer mehr Verstimmung zwischen den beiden Partnern geführt die im Januar einen Burgfrieden schlossen. Samsung verzichtet darauf, Google-Dienste massiv durch eigene Angebote zu ersetzen. Windsor: „Aus purem Glück oder mit geschickter Strategie hat Google damit einen krachenden Sieg über Samsung erzielt.“

Die Koreaner brauchen also eine neue Strategie. Das Samsung Z ist der Versuch, selbst ein Ökosystem zu schaffen. Das erste Gerät damit wird zuerst in Russland im dritten Quartal eingeführt, später in China und Indien, den schnellst wachsenden Smartphone-Märkten.

Handelsblatt Online hatte auf der Tizen-Entwicklerkonferenz die Chance, das neue Modell in einem Schnelltest zu begutachten. Welchen Eindruck es hinterlassen hat, lesen Sie auf der nächsten Seite.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

06.06.2014, 12:11 Uhr

Na warten wir es mal ab.
Man wird sehen, ob die Zeit für Bada damals einfach noch nicht gekommen war, oder ob der Markt tatsächlich kein weiteres Betriebssystem für Mobiltelefone aktzeptiert (Windows hat es ja bis dato auch nur bedingt geschafft).

Account gelöscht!

06.06.2014, 13:29 Uhr

SUPER ! Endlich eine Alternative zu Google mit dessen offenen Hintertür zur NSA. Ein weiterer Hoffnungsschimmer gegen die NSA-Allmacht mit deren Kooperationspartnern Google, Microsoft, Facebook usw.

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