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15.08.2014

12:02 Uhr

Einführung von Bitcoins

Zahlen wir bei Ebay bald mit digitalem Geld?

Der Chef des Handelsriesen Ebay hält große Stücke auf Bitcoins. Er treibt die Einführung der virtuellen Währung voran. Bitcoins könnten schon bald zum etablierten Zahlungsmittel bei Ebay, Airbnb und Uber werden.

Bitcoins werden vor allem bei Geschäften im Internet angewendet. Reuters

Bitcoins werden vor allem bei Geschäften im Internet angewendet.

San JoseDer zum Internet-Handelsriesen Ebay gehörende Zahlungsabwickler Braintree soll Gespräche über eine Einführung der virtuellen Währung führen, wie das „Wall Street Journal“ am Donnerstagabend (Ortszeit) online unter Berufung auf Eingeweihte berichtete.

Das Digitalgeld könnte so einen kräftigen Schub erhalten, denn Braintree wickelt Zahlungen ab für Trendfirmen wie den Bettenvermittler Airbnb, den Fahrdienst Uber oder den Restaurant-Reservierer OpenTable. Ebay hatte Braintree im September 2013 gekauft und führt es als Sparte der Zahlungseinheit PayPal.

Dem Zeitungsartikel zufolge erwägt man bei Ebay, bei Braintree erste Tests mit Bitcoins zu machen. Zu diesem Zweck werde derzeit mit einigen Firmen aus der Branche verhandelt, darunter die Online-Börse Coinbase. Es sei jedoch möglich, dass auch Ebay und Paypal mit der Zeit Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptieren.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Solche Andeutungen hatte Ebay-Chef John Donahoe bereits in der „Financial Times“ gemacht. „Digitalwährungen werden sich zu einer sehr mächtigen Sache entwickeln“, sagte er dem Blatt im November 2013. Sein Unternehmen sei dabei, das Spektrum der akzeptierten Zahlungsmittel zu erweitern, hieß es bereits damals.

Eine Sprecherin von Paypal in Deutschland erklärte am Freitag: „Wir denken, dass Bitcoin künftig eine wichtige Rolle beim Thema Bezahlen spielen wird, haben aber derzeit nichts anzukündigen.“

Bitcoins gibt es seit 2009, sie werden vor allem bei Geschäften im Internet angewendet und sollen Geldwirtschaft unabhängig von Zentral- und Geschäftsbanken möglich machen. Verbraucherschützer warnen wegen mangelnder Einlagensicherung, Hackerattacken und extremen Kursschwankungen vor der digitalen Währung.

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dpa

Kommentare (4)

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Herr Norbert Wolter

15.08.2014, 12:53 Uhr

" Verbraucherschützer warnen wegen mangelnder Einlagensicherung, Hackerattacken und extremen Kursschwankungen vor der digitalen Währung."

Dem kann ich nur beipflichten. Aber vielleicht bilanzieren Ebay & Co. ja künftig auch in BitCoins oder bezahlen ihre Angestellten damit.
Ich werde den Eindruck nicht los, dass die Katze die Maus mit Käse in Form von Bequemlichkeit ködern will und man zugleich in der Buchhaltung und Verwaltung eine Menge Personal einsparen kann.
Das gleiche Spiel findet schon beim Online-Banking statt. Alles so herrlich bequem. Wieviele Strafanzeigen werden nochmal p.a. wegen Betruges in Sachen Online-Banking gestellt?
Ist ja alles so herrlich bequem. Kreditkarte? Abgelehnt!
Ich zahle grundsätzlich in bar, oder überweise mit den entsprechenden Vordrucken nur zu den Geschäftszeiten der Bank.
Ja,ja, die Banken mögen es gar nicht, wenn Bargeld abgehoben wird. Buchgeld ist ihnen viel lieber. Den hier hat der Verbraucher lediglich eine Forderung an die Bank, dem die Bank notfalls gar nicht nachkommen muss.

Herr Oden Tal

15.08.2014, 14:13 Uhr

Einlagesicherung und mangelnde Sicherheit?

Zunächst sind Bitcoins extrem sicher, wenn man nicht gerade sein Passwort für den Zugriff in ein Textdokument auf dem PC liegen lässt.

Das größte Problem ist das generieren der Bitcoin Adressen. Dass es vorkommt, dass die selbe BitcoinAddresse generiert wird ist unwahrscheinlicher als von einem Hai angegriffen zu werden oder vom Blitz getroffen zu werden, dennoch, mit den Jahren und zunehmender Rechnleistung können Addressen weitaus schneller und effizienter erstellt werden.

Als User, der sein Programm für den Zugriff auf seine Bitcoins immer Updated und diese niemals bei einem Internetanbieter liegen lässt, der ein zb. 128 Bit Passwort benutzt, der kann extrem sicher sein, dass seine Bitcoins sicher sind.


Der Euro und der Dollar entwerten sich von Jahr zu Jahr mehr als wir es gesagt bekommen. Auf Banken bestehen nur Forderungen und Verbindlichkeiten.

Ich bezahle lieber mit Bitcoins oder Cash. Zumindest weiß ich dann WO dieses Geld liegt und was genau damit passiert.

All diejenigen die Opfer von Hackerangriffen wurden - Machen sie sich Gedanken und lesen sie sich einmal in das Thema Verschlüsselung ein.

Herr Chris Hettix

15.08.2014, 15:32 Uhr

Ebay & Bitcoin & Co. hätten das gerne so, das das Papiergeld verschwindet. Mit digitalem Geld kann man Menschen über's Ohr hauen und kontrollieren. Ohne mich!

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