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16.03.2004

20:57 Uhr

Einigung mit Verdi über neuen Tarifabschluss

Keine neuen Kündigungen bei der Telekom

Die Deutsche Telekom hat sich mit der Gewerkschaft Verdi auf einen neuen Tarifabschluss für rund 120 000 Beschäftigte und einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2008 geeinigt.

HB BONN. Da die Telekom im Lauf der mehrwöchigen Verhandlungen Zugeständnisse machte, dürfte der Bonner Konzern sein ursprünglich in der Tarifrunde angestrebtes Einsparziel bei den Personalausgaben wohl nicht ganz erreichen.

Die Gewerkschaft Verdi teilte nach fünf Verhandlungsrunden mit der Telekom am Dienstag in Berlin mit, der Vertragsabschluss sehe eine Reduzierung der Arbeitszeit bei nur teilweisem Gehaltsausgleich auf 34 von bisher 38 Wochenstunden vor. Bezahlt würden die Mitarbeiter für 35,5 Wochenstunden. Zum 1. Januar 2005 würden die Einkommen der Mitarbeiter um 2,7 Prozent erhöht. Mit dem Tarifabschluss sei der gegenwärtig geltende Kündigungsschutz bis Ende 2008 verlängert und die Schaffung von 10 000 neuen Stellen zugesichert worden.

Das erzielte Ergebnis gilt für rund die Hälfte der weltweit 250 000 Telekom-Beschäftigten. Außer für rund 70 000 Angestellte in Deutschland soll der Tarifabschluss für rund 50 000 Beamte übernommen werden. Im Gegensatz zu den Angestellten sollen die Beamten keine Einbußen der laufenden Monatsbezüge verzeichnen und stattdessen nach Telekom-Angaben auf ihr Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten.

Endgültige Zustimmung der Gewerkschaft steht noch aus

Von der Verhandlungskommission der Gewerkschaft wurde dieses Ergebnis mehrheitlich gebilligt und muss nun noch die Zustimmung der Tarifkommission der Gewerkschaft finden. Ausgeklammert wurden die zwischen Unternehmen und Gewerkschaft umstrittene Zahl der Auszubildenden und die Beschäftigungsbedingungen für Nachwuchskräfte. Eine Einigung in diesen Punkten steht nach Angaben von Verdi noch aus. Die Gewerkschaft zeigte sich mit dem Abschluss zufrieden. „Obwohl das Angebot der Telekom auch schwierige Elemente enthalte, erscheine der Gesamtkompromiss darstellbar, weil ver.di wesentliche Ziele erreicht habe“, erklärte die Gewerkschaft. Der Abschluss zeige, dass durch Verkürzungen der Wochenarbeitszeit Beschäftigung gesichert und ein Entgeltausgleich erstritten werden könne.

Die Telekom macht Zugeständnisse

Der nun erzielte Tarifabschluss basiert nach Angaben der Telekom auf dem jüngsten Kompromissvorschlag des Unternehmens. „Wir haben ein Angebot abgegeben und Verdi hat es angenommen“, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen hatte sich von der Tarifrunde Einsparungen bei den Personalausgaben in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrages versprochen. In den Verhandlungen machte der größte europäische Telekom-Konzern jedoch Abstriche von seinen ursprünglichen Forderungen, so dass die tatsächlichen Einsparungen geringer als geplant ausfallen dürften.

Der Telekom-Sprecher wollte die voraussichtliche Höhe der Einsparungen durch den Tarifabschlusses nicht beziffern. Ein Analyst schätzte die möglichen Einsparungen auf 250 bis 300 Millionen Euro jährlich. Ursprünglich wollte die Telekom die Wochenarbeitszeit auf 34 Stunden ohne jeglichen Lohnausgleich verkürzen, um ihre Personalkosten von zuletzt 13,5 Milliarden Euro zu senken.

Auch die Ausbildungsquote soll nach den Plänen der Konzernleitung künftig sinken. Auf den geplanten und mit der Gewerkschaft verabredeten Abbau von jährlich rund 10.000 Stellen in den Jahren bis 2005 hat der Tarifabschluss keinen Einfluss. Mit diesem Stellenabbau, der vor allem die dominierende Festnetzsparte T-Com trifft, soll der mit rund 24 Prozent hohe Anteil der Personalkosten am Umsatz gesenkt werden.

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