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06.05.2014

07:21 Uhr

Einkaufen per Kurznachricht

Twitter bändelt mit Amazon an

VonAxel Postinett

Mit einem Tweet lassen sich jetzt Amazon-Produkte in den Einkaufskorb verfrachten. Für Twitter bringt das zunächst keine zusätzlichen Einnahmen. Erinnerungen an ein gescheitertes Werbesystem von Facebook werden wach.

Twitter fliegt auf Amazon: Der Kurznachrichtendienst bändelt mit dem Online-Handelskonzern an. AFP

Twitter fliegt auf Amazon: Der Kurznachrichtendienst bändelt mit dem Online-Handelskonzern an.

New YorkSchafft Twitter doch noch den Sprung in den E-Commerce? Mit nur einem Klick landet in Zukunft ein Amazon-Produkt direkt mit einer Kurznachricht im Amazon-Einkaufskorb. Aber irgendwie geht das von Wachstumsproblemen geplante Twitter wohl schon wieder leer aus.

„Jetzt hinzufügen. Später kaufen“. Mit diesem Slogan wirbt Amazon in einem Youtube-Video für seinen jüngsten Service. Ein Antwort-Tweet mit #AmazonCart auf eine Kurznachricht mit einem Amazon-Link verfrachtet das darin angebotene Produkt direkt in den Einkaufskorb des Online-Handelsriesen. Voraussetzung ist lediglich, dass vorher beide Accounts, Twitter und Amazon, miteinander verbunden werden.

Für Amazon ein neuer Weg, seine Produkte bei mehr Menschen bekannt zu machen, für Twitter offenbar derzeit nicht mehr als ein nettes Gimmick. Eine Amazon-Sprecherin bestätigte gegenüber Cnat.com auf Nachfrage, dass Twitter keinerlei Anteile an einem getätigten Umsatz bekomme. Vielleicht kann das Start-up aus San Francisco jedoch in Zukunft profitieren, wenn es gelingt für Tweets mit Produktplatzierungen eine Gebühr zu nehmen oder mehr Werbung zu höheren Preisen zu akquirieren, wenn sie mit Amazon-Links ausgestattet sind.

Zahlen und Fakten zu Twitter

Nebenprodukt mit Erfolg

Twitter war zunächst nicht mehr als ein Nebenprodukt der Firma Odeo, die eine (allerdings wenig erfolgreiche) Podcasting-Plattform entwickelte. Die Macher suchten 2006 nach Alternativen – und entwickelten den Dienst mit seinen 140 Zeichen kurzen Texthäppchen. In den ersten Monaten gewann er zwar kaum Nutzer, doch nach einem erfolgreichen Auftritt auf der Technologiekonferenz SXSW hob Twitter ab.

Idee von vier Freunden

Anfangs standen vier Freunde hinter Twitter: Evan Williams, der dank des Verkaufs seiner Plattform Blogger.com an Google auch Geldgeber war; außerdem Jack Dorsey, Biz Stone sowie Noah Glass. Letzterer wurde allerdings wegen seiner schwierigen Art schon bald aus der Firma gedrängt.

Intrigen und Machtkämpfe

Die kurze Geschichte der Firma ist geprägt von Machtkämpfen zwischen den einstigen Freunden. Der erste Chef Jack Dorsey musste auf Veranlassung des Mitgründers Evan Williams sowie des Verwaltungsrates seinen Posten verlassen. Williams selbst hielt sich auch nicht dauerhaft an der Spitze – bei seiner Entmachtung im Oktober 2010 hatte Dorsey seine Finger im Spiel. Auf ihn folgte Dick Costolo, zuvor bei Google tätig. Der wiederum verließ das Unternehmen im Juli 2015. Jack Dorsey kehrte als Interimschef zurück.

Durchweg in den Miesen

Bislang hat Twitter die Erwartungen der Börse noch nicht erfüllt. Das Unternehmen hat trotz steigender Umsätze noch nie Gewinn gemacht.

Zaghaft im Werbegeschäft

Die Gründer verzichteten in der Anfangszeit bewusst auf Werbung, um die Nutzer nicht zu verschrecken. Im Frühjahr 2010 starteten erste Versuche mit bezahlten Tweets. Inzwischen ist das Geschäft beträchtlich angewachsen, im zweiten Quartal 2015 auf 452 Millionen Dollar .

304 Millionen Nutzer

Twitter ist für die mobile Ära gerüstet. Ein Großteil der Werbeerlöse wird auf Smartphones und Tablet-Computern erwirtschaftet. Insgesamt hat Twitter im zweiten Quartal 2015 rund 304 Millionen Nutzer pro Monat.

Twitter-Aktionäre sind gleichberechtigt

Twitter versucht nicht, den Einfluss der Gründer durch eine Aktienstruktur mit zwei Klassen zu sichern. Andere Internet-Unternehmen wie Google oder Facebook haben bei ihren Börsengängen den Investoren Papiere angeboten, die weniger Stimmrechte haben als die Aktien von Gründern und Spitzen-Managern. Bei Twitter sind alle Anteilseigner gleich, die Ausgabe von Vorzugsaktien ist nur als Möglichkeit für die Zukunft vorgesehen.

Allerdings wäre schon eine stärkere Nutzung des Dienstes durch den Amazon-Deal ein Erfolg für Twitter-Chef Dick Costolo. Die jüngsten Quartalszahlen wurden von der Börse mit Unbehagen aufgenommen.

Twitter hat ein Wachstumsproblem. Die Zahl der monatlichen aktiven Nutzer ist zwar im ersten Quartal 2014 im Jahresvergleich um 25 Prozent gestiegen, aber gegenüber dem Vorquartal, dem Weihnachtsquartal, nur um 5,9 Prozent. Das ist für ein Unternehmen, das mit Facebook mit über 1,3 Milliarden Mitgliedern um die Werbegelder konkurrieren muss, nicht berauschend.

Brian Blau, Analyst bei Gartner, fasst es so zusammen: „Es hat die Erwartungen getroffen, aber die waren auch nicht gerade hoch. Das Wachstum war ok, aber ok reicht halt nicht mehr.“ Vom Nutzerzuwachs zum Vorquartal von 14 Millionen auf 255 Millionen waren zudem elf Millionen international. In den USA, dem wichtigsten Werbemarkt, waren es nur drei Millionen.

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