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25.06.2012

06:33 Uhr

Einspeisungsentgelte

ARD lässt Kabelkonzerne auflaufen

VonHans-Peter Siebenhaar

ExklusivBeim Streit um die Einspeisungsentgelte ist die ARD unmittelbar vor den Gesprächen zu keinen Zugeständnissen bereit. Der Senderverband fordert, dass sein Programm kostenlos verbreitet wird.

Monika Piel (r.), Intendantin des Westdeutschen Rundfunks (WDR) und Vorsitzende der ARD, und Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). dapd

Monika Piel (r.), Intendantin des Westdeutschen Rundfunks (WDR) und Vorsitzende der ARD, und Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR).

 Düsseldorf/LeipzigDie ARD zeigt den Kabelkonzernen in dem seit Monaten tobenden Streit um Einspeisungsentgelte die kalte Schulter. Der Senderverbund ist unmittelbar vor weiteren Gesprächen mit Kabel Deutschland (KDG) in Leipzig zu keinen Zugeständnissen bereit. „Ein Kompromiss mit den Kabelkonzernen ist derzeit nicht vorstellbar. Wir wollen kein Geld mehr für die Verbreitung unserer Kanäle zahlen“, sagte Karola Wille, ARD-Kabelbeauftragte und Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). „Nirgendwo sonst in Europa müssen öffentlich-rechtliche Sender für die Verbreitung in den Kabelnetzen Geld zahlen, warum sollten wir das weiter tun?“

Wie an den Verhandlungen Beteiligte berichten, werden ARD und ZDF im Laufe dieser Woche die Verträge zur Weiterverbreitung ihrer Fernsehsender durch KDG und Unitymedia fristgemäß kündigen. Bislang überweisen die Öffentlich-Rechtlichen den Kabelkonzernen KDG und Unitymedia rund 60 Millionen Euro an Einspeiseentgelten. Die Kabelkonzerne wollen den drohenden Zahlungsboykott ab nächstem Jahr nicht kampflos hinnehmen und drohen damit, nicht mehr alle Sender von ARD und ZDF in ihren Kabelnetzen weiter zu vertreiben.

Die Drohung sieht die ARD-Verhandlungsführerin Wille hingegen gelassen. „Die Kabelkonzerne würden sich daher in eine rechtliche fragwürdige Situation manövrieren, wenn sie unsere Kanäle nicht weiter verbreiten würden. Die meisten unsere Programme in der ARD haben einen Must-Carry-Status“, sagte die Medienrechtlerin in Leipzig. Eine Nicht-Einspeisung beispielsweise der Dritten Programme in die Kabelnetze hätte zudem einen Sturm der Entrüstung zur Folge bei den Kabelkunden zur Folge. „Ohne Inhalte verlieren die Angebote der Kabelkonzerne an Attraktivität“, warnt die MDR-Intendantin die Kabelkonzerne.

Den Unmut der Unternehmen kann die ARD-Kabelbeauftragte nicht nachvollziehen. Andere Unternehmen wie beispielsweise die Deutsche Telekom würden kein Geld von ARD und ZDF für die Verbreitung ihrer Kanäle verlangen. Das Einspeiseentgelt sei außerdem ungerecht. Denn es würden nur die drei großen Kabelkonzerne bekommen. „Die kleineren Kabelgesellschaften haben nie Geld von uns erhalten“, sagte die 53-Jährige.

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Kommentare (9)

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Lutz

24.06.2012, 17:53 Uhr

Und nirgendwo sonst in Europa (oder auf der Welt) gibt es so ein aufgeblasenes Feudalsystem.

Der Rundfunk ist ein gieriges Monstrum. Die Politik hat mit dem Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag den öffentlich rechtlichen Sendern eine Finanzierung ermöglicht, die alle Bürger bevormundet. Gleichzeitig hat die Politik es versäumt den Anstalten Auflagen zu machen, die eine Geldverschwendung verhindert. Das Problem ist ähnlich wie bei der Verschwendung von Steuern, denn die Verantwortlichen sehen eine sichere nahezu unerschöpfliche Quelle durch die allgemein verpfichtende Finanzierung gegeben und niemand fühlt sich zum Sparen oder ökonomischen Betrieb verpflichtet.

MIRO

24.06.2012, 21:22 Uhr

Da wegen der ARD, verschiedene ARD Sender über Kabel nicht mehr zu erreichen sind, ist die Antwort ganz einfach.
Ich verzichte freiwillig auf den Empfanf von ARD und ZDF
und bezahle keine Rundfunkgebühren mehr an diese.
Wer nicht liefert, bekommt auch kein Geld.So einfach ist das.Das was die ARD zu bieten hat ist sowieso meistens Müll.

Peter

25.06.2012, 08:01 Uhr

Wenn sich ARD und ZDF da mal nicht ins eigene Fleisch schneiden. Das Programm ist seit Jahren eingestaubt und die Informationen die man dort erhält werden auch durch entsprechende private TV-Sender transportiert. Man kann also getrost auf die öffentlich-rechtlichen verzichten ohne ein Informationsdefizit davonzutragen
Und im Gegenzug dann die GEZ-Gebühren streichen? GERNE! Sind sowieso nicht rechtens!

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