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18.12.2012

17:37 Uhr

Elektronikkonzern

Es geht aufwärts für LG

VonMartin Kölling

Südkoreas Nummer 2 versucht aus dem Schatten von Samsung auszubrechen. Große Hoffnungen setzt LG dabei auf neue Oled-Fernseher. Das Juwel des Konzerns ist allerdings Weiße Ware.

Lucky Goldstar: Ein Südkoreaner vor dem Logo des Koreanischen Elektronikkonzerns LG vor dessen Hauptsitz in Seoul. Reuters

Lucky Goldstar: Ein Südkoreaner vor dem Logo des Koreanischen Elektronikkonzerns LG vor dessen Hauptsitz in Seoul.

SeoulLG ist in Korea in etwa das, was Panasonic lange in Japan war: Der ewige Zweite hinter dem Riesen. Ein Konzern, der den Ruf hat, preiswerte technische Trends des Pioniers nachzuahmen. Während Rivale Samsung seit Jahren einen Rekordgewinn nach dem anderen einfährt, kehrt LG gerade in die Gewinnzone zurück.

Den Sprung zur Weltmarke hat LG zwar schon lange geschafft. Doch dieses Jahr haben die Koreaner bei Smartphones sogar Nokia überholt und machen auch mit Handys wieder etwas Gewinn. Bei Flachfernsehern rangiert LG nach Samsung auf dem zweiten Rang – und dies im Gegensatz zum Rest der Industrie ebenfalls profitabel.

Die größten Handyhersteller

Markt im Wandel

Der Handy-Markt ist im Umbruch: Smartphones verdrängen einfache Mobiltelefone, Samsung gelingt es am besten, sich auf diesen Trend einzustellen. Dagegen kommt kein anderer an – weder Nokia, die einstige Nummer 1, noch Apple mit seinem iPhone.

Samsung

Samsung ist inzwischen mit deutlichem Abstand die Nummer 1: Der südkoreanische Hersteller verkaufte im dritten Quartal 2012 knapp 98 Millionen Geräte, wie der Marktforscher Gartner berichtet. Das entspricht einem Marktanteil von 22,9 Prozent. Auch im lukrativen Smartphone-Markt ist der Konzern gut aufgestellt, er setzte 55 Millionen Geräte ab.

Nokia

Der einstige Weltmarktführer Nokia lässt Federn. Im dritten Quartal 2012 verkaufte er nur noch 82 Millionen Handys (19,2 Prozent Marktanteil). Im Vorjahreszeitraum waren es noch mehr als 105 Millionen Geräte. Darunter waren laut Gartner aber nur 7,2 Millionen Smartphones, die deutlich mehr abwerfen als die Günstig-Handys.

Apple

Apple verkaufte im dritten Quartal 23,6 Millionen Smartphones, ein deutlicher Zuwachs von mehr als 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Handymarkt hält Apple 5,5 Prozent Marktanteil, im lukrativen Smartphone-Markt sogar 13,9 Prozent.

Research in Motion

Der Blackberry-Hersteller Research in Motion steckt ebenso wie Nokia tief in der Krise. Die Kanadier setzten im dritten Quartal 2012 rund 9 Millionen ihrer E-Mail-Maschinen ab, rund ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Marktanteil bei den Handys ist auf 2,1 Prozent geschrumpft, bei den Smartphones sind es immerhin noch 5,3 Prozent.

Sonstige

Der Handymarkt ist schwer umkämpft, Traditionsunternehmen wie Aufsteiger buhlen um die Gunst der Käufer. Der chinesische Hersteller ZTE verkaufte im dritten Quartal 16,7 Millionen Geräte (3,9 Prozent Marktanteil), Huawei 12 Millionen Handys (2,8 Prozent). LG wurde 14 Millionen Geräte los (3,3 Prozent), die Google-Tochter Motorola 8,6 Millionen (2 Prozent), dicht gefolgt von HTC mit 8,4 Millionen.

Inzwischen fordert LG, dessen Name für "Lucky Goldstar" steht, den globalen Branchenprimus Samsung sogar bei Displays der nächsten Generation aus organischen Leuchtdioden (Oleds) technisch heraus. Noch vor seinem Erzrivalen hat das Unternehmen einen großen Oled-TV auf den Markt gebracht. Betriebswirtschaftlich ist dieser Sieg zwar unbedeutend, weil die superflache Riesenflunder sich bei einem Einführungspreis von rund 5000 Euro nur mäßig verkaufen wird. Aber er tut dem Selbstbewusstsein des Unternehmens gut.

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Dabei wird bei dem Hype um Handys und Fernseher oft vergessen, dass LGs eigentliches Juwel weiße Ware ist: Kühlschränke, Waschmaschinen und vor allem Klimaanlagen. „Bei Klimaanlagen gehört LG absolut zur Weltspitze", sagt Carsten Lienemann, Korea-Chef vom TÜV Rheinland. Wie bei Panasonic ist diese Sparte derzeit der Geldesel des Unternehmens.

Nach einer Schätzung der japanischen Investmentbank Nomura wird sie 2012 mit 30 Prozent des Umsatzes 53 Prozent des Betriebsgewinns erzielen. Die Gewinnmarge der Sparte ist damit Spitzenreiter im Konzern mit 4,5 Prozent. Die Umsatzrendite von Fernsehern und anderer Heimelektronik dürfte dagegen nur bei 3 Prozent liegen, die von Handys sogar nur bei 0,8 Prozent.

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