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30.06.2015

08:38 Uhr

Elektronikkonzern

Sony holt sich frisches Geld bei Aktionären

Der japanische Elektronikkonzern Sony braucht frisches Geld und plant deshalb einen milliardenschweren Verkauf von Aktien und Wandelanleihen. Die Sony-Aktie sank nach der Nachricht erst einmal ab.

Der japanische Elektronikkonzern Sony braucht frisches Geld – und holt es sich bei seinen Aktionären. dpa

Sony-Firmenzentrale in Tokio

Der japanische Elektronikkonzern Sony braucht frisches Geld – und holt es sich bei seinen Aktionären.

TokioDer japanische Elektronik-Riese Sony will sich nach hohen Verlusten frisches Geld mit einem milliardenschweren Verkauf von Aktien und Wandelanleihen besorgen. Insgesamt sollen dabei im Juli 440 Milliarden Yen (rund 2,9 Mrd Euro) erlöst werden, wie Sony am Dienstag in Tokio mitteilte.

Das entspricht etwa zehn Prozent des Börsenwerts von rund vier Billionen Yen. Mit dem Geld sollen die Produktion und Entwicklung von Kamera-Sensoren ausgebaut werden, hieß es. Außerdem will Sony damit Schulden zurückzahlen.

Kurz vor der Mitteilung hatte die japanische Zeitung „Nikkei“ über Pläne einer Kapitalerhöhung in dieser Größenordnung berichtet. Dem Bericht zufolge wäre es das erste Mal seit 26 Jahren, dass sich Sony frisches Geld bei den Aktionären holen muss.

Da der Artikel noch während der Handelszeit veröffentlicht wurde, wirkte er sich stark auf den Aktienkurs aus. Das Sony-Papier stürzte kurz nach der Veröffentlichung um bis zu 9 Prozent ab. Die Aktie des mit Verlusten kämpfenden Unternehmens hatte sich in den vergangenen Jahren wegen der Hoffnung auf eine Besserung der Lage deutlich von ihren Tiefständen Ende 2012 erholt.

Sony in der Dauerkrise

„One Sony“

Sony tut sich seit Jahren schwer. Als Kazuo Hirai Anfang 2012 den Chefposten übernahm, gab er die Devise „One Sony, One Management“ aus. Er will den japanischen Konzern in den drei Kernbereichen Smartphones, Digitalkameras und Computerspiele wieder zu einem schlagkräftigen Wettbewerber machen.

Ohne Partner im Smartphone-Geschäft

Große Hoffnung setzt Sony in das Smartphone-Geschäft. Deswegen übernahm der Konzern 2012 vom schwedischen Partner Ericcson dessen Anteile am schwächelnden Handy-Hersteller Sony Ericsson. Mit einem Angebot aus einer Hand will Sony gegen Wettbewerber wie Apple, Samsung und LG Boden gutmachen. Allerdings wird der Wettbewerb immer härter, chinesische Hersteller drängen mit günstigen Preisen in den Markt.

Eintritt ins Wohnzimmer

Mit seiner Playstation ist Sony unter Computerspielern eine feste Größe. Das neue Gerät, die seit Ende 2013 verkaufte Playstation 4, soll den Verkauf von Hardware und Software wieder ankurbeln. Das Geschäft läuft rund, Sony verkauft deutlich mehr Geräte als der Konkurrent Microsoft mit seiner Xbox One.

Probleme im Kamerageschäft

Das Kamerageschäft ist eine der drei großen Sony-Sparten, und auch hier tut sich der Konzern schwer. Der Absatz von Kameras und Camcordern sinkt, gerade kompakte Geräte leiden unter der Konkurrenz durch Smartphones. Allerdings profitiert Sony von der Nachfrage nach seinen Bildsensoren.

Raus aus dem PC-Markt

Der PC-Markt schrumpft – und Sony will nicht mehr mitschrumpfen: Der Konzern hat 2014 den Geschäftsbereich mit der Marke Vaio an einen Investmentfonds verkauft.

Keine Lösung fürs TV-Geschäft

Der Wettbewerb auf dem TV-Markt ist brutal – darunter leidet auch Sony, der Konzern schreibt mit Fernsehern seit Jahren Verluste. Nun gliedert er die Sparte in eine separate Gesellschaft aus. Was das Unternehmen damit plant, ist derzeit unklar.

Filmstudio leidet unter Cyberangriff

In den traditionellen Geschäftszweigen Film und Musik läuft es bei Sony meistens gut. Allerdings erschütterte Ende 2014 ein Hackerangriff das Hollywood-Studio Sony Pictures. Die Angreifer veröffentlichten zahlreiche vertrauliche Daten im Netz, darunter auch unveröffentlichte Filme und Skripte.

Die Kamera-Sensoren, die vor allem in Smartphones eingesetzt werden, haben sich zu einem großen Hoffnungsträger für Sony entwickelt. Sie stecken unter anderem im erfolgreichen iPhone 6 von Apple und auch in Geräten des Apple-Rivalen Samsung. Der als Sanierer angetretene Konzernchef Kazuo Hirai setzt jetzt neben den Sensoren auf Spiele und das Entertainment-Geschäft.

Dagegen hatten Absatzprobleme bei eigenen Smartphones Sony in dem Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr abermals einen Verlust eingebrockt - den sechsten in sieben Jahren. Hirai verspricht nun für das noch bis Ende März 2016 laufende neue Geschäftsjahr einen Gewinn von 140 Milliarden Yen.

Der Sony-Chef steht unter Druck, Ergebnisse seiner Sanierungsbemühungen zu präsentieren. Er wurde das schwächelnde PC-Geschäft los und spaltet die jahrelange verlustreiche Elektronik-Sparte in eine eigenständige Tochter aus.

Von

dpa

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