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02.09.2016

18:27 Uhr

Empire-Entwickler

Schwierigkeiten bei Goodgame

VonAlexander Demling

Goodgame Studios soll sich nach Handelsblatt-Informationen von mehreren hundert Mitarbeitern trennen. Dem Entwickler von Hits wie „Empire“ stehen schwere Zeiten bevor.

Hinter der Fassade ging Goodgame rabiat mit missliebigen Mitarbeitern um. Goodgame Studios

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Hinter der Fassade ging Goodgame rabiat mit missliebigen Mitarbeitern um.

HamburgDer Deutschland-Trip von Hugh Simons (Name geändert) dauerte exakt zwei Wochen. Für den Job beim bislang größten deutschen Computerspiele-Hersteller Goodgame Studios hatte er eine Anstellung in seinem Heimatland gekündigt und war nach Hamburg gezogen.

Drei Tage später war klar, dass er seinen neuen Job verlieren würde. Goodgame, bekannt für das Online-Strategiespiel „Empire“, kündigte an, binnen einer Woche zahlreiche Mitarbeiter zu entlassen und eines seiner Entwicklerstudios zu schließen. Angestellte in der Probezeit wie Simons hatten keine Chance.

Nach Handelsblatt-Informationen von mehreren Goodgame-Mitarbeitern sollen mehrere hundert Mitarbeiter das Abfindungsangebot von 1,5 Monatsgehältern pro Tätigkeitsjahr als Goodgamer angenommen haben – unter hohem Zeitdruck. Das Unternehmen will die Zahl auf Anfrage nicht kommentieren. Binnen einer Woche trennt sich die Hamburger Spielefirma damit offenbar von mehreren hundert Mitarbeitern. Im Vergleich zu den Hochzeiten, als knapp 1300 Menschen für arbeiteten, hat Goodgame seine Belegschaft nahezu halbiert.

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Die Trennungswelle beendet eine Erfolgsstory der deutschen Digitalszene jäh. 2009 von den Brüdern Kai und Christian Wawrzinek gegründet, landete die Firma schon zwei Jahre später einen Welthit: „Empire“, ein Strategiespiel, bei dem Millionen Spieler weltweit Burgen und Dörfer bauen und sich ihre Ritterarmeen auf den Hals hetzen.

Obwohl das Spiel kostenlos ist, gelang es Goodgame lange, Spieler zum Kauf von „Rubinen“ für echtes Geld anzuregen, mit denen sie etwa den Bau von Gebäuden beschleunigen konnten. Vor allem dank des Erfolgs von „Empire“ machte Goodgame 2014 mehr als 200 Millionen Euro Umsatz und rund 35 Millionen Euro Gewinn vor Steuern.

Im Bereich des Community-Managements gingen bereits viele Mitarbeiter. Die Folgen dieses Abbaus spüren auch die Nutzer von „Empire“, dem umsatzstärksten Goodgame-Spiel. Das Forum, in dem sie Fragen zum Spiel stellen können, wurde zumindest zwischenzeitlich von Administratoren anderer Spiele mitbetreut. Das Unternehmen betont, man habe bei der Reorganisation „großes Augenmerk darauf gelegt, dass unseren Kunden (…) keinerlei Nachteile entstehen.“

Schneller als der Umsatz wuchsen nur die Ambitionen der Gründer. „Wir wollen bis 2020 eine der Top-Gamingfirmen der Welt werden“, sagte Chef Kai Wawrzinek noch vor einem Jahr. In wenigen Jahren wollten die Hamburger zu Branchenriesen wie Activision Blizzard oder Electronic Arts aufschließen. Statt den Strategiespielen treu zu bleiben, mischte Goodgame plötzlich überall mit: Hunderte neue Designer und Entwickler arbeiteten an Projekten vom Candy-Crush-artigen Gelegenheitsspiel bis zum polierten PC- und Konsolenspiel für überzeugte Gamer.

Die Branche betrachtete die Hamburger mit einer Mischung aus Bewunderung und Unglauben: „Selbst gemessen an ihren großen Ambitionen hatte Goodgame geschätzt doppelt so viele Mitarbeiter wie nötig“, sagt ein Manager eines anderen europäischen Spieleherstellers. Heute ist klar: Goodgame hat sich heillos übernommen.

Dabei zeichnete sich schon länger ab, dass Goodgame schwere Zeiten bevorstünden. Nach mehr als fünf Jahren hat „Empire“ seinen Umsatz-Zenit überschritten, andere Spiele floppten. Einen Jahresabschluss für 2015 hat Goodgame bis heute nicht veröffentlicht. Rocket Internet, das 15 Prozent an der Spielefirma hält, setzte den Wert seines Anteils an der Firma in seinem Jahresabschluss von 100 auf rund 85 Millionen Euro herab.

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