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17.06.2014

18:37 Uhr

Ende 2015 ist Schluss

Bertelsmann gibt seinen Buchclub auf

Früher zählte der „Buchclub“ zu den Wachstumstreibern von Bertelsmann. Doch die Digitalisierung hat das Geschäft schrumpfen lassen. Nun ist Schluss: Ende 2015 stellt der Medienkonzern den „Buchclub“ ein.

Der „Buchclub“ gehörte bei Bertelsmann dazu – bis jetzt. dpa

Der „Buchclub“ gehörte bei Bertelsmann dazu – bis jetzt.

MünchenDer Medienkonzern Bertelsmann gibt sein Buchhandelsgeschäft in den deutschsprachigen Ländern auf. Das seit Jahren schrumpfende Club- und Direktvertriebsgeschäft, das den Konzern in der Nachkriegszeit groß gemacht hatte, wird eingestellt, wie Bertelsmann am Dienstag mitteilte. „Aufgrund mangelnder wirtschaftlicher Perspektive werden die Geschäfte der Bertelsmann-Tochter zum Jahresende 2015 geschlossen.“ Betroffen sind Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Was sich lange andeutete, ist jetzt offiziell: Der Medienriese Bertelsmann beendet eine Ära und schließt bis Ende 2015 das gesamte deutschsprachige Buchclub-Geschäft. Damit ziehe man die Konsequenzen aus der seit Jahren rückläufigen wirtschaftlichen Entwicklung des Buchclubs in Deutschland, Österreich und der Schweiz, teilte die Bertelsmann-Tochter DirectGroup am Dienstag mit.

Der Konzern kappt damit eine seiner Wurzeln. Reinhard Mohn (1921-2009) hatte den „Bertelsmann Lesering“ 1950 gegründet. Der Club wurde zum Wachstumsmotor des Konzerns. Das Prinzip: Viele Menschen bestellen regelmäßig ein neues Buch oder andere Medien und bekommen die Ausgaben billiger, im Schnitt um 10 bis 20 Prozent. Das Geschäft lief, es galt Bücherregale zu füllen. Die erste Filiale wurde unter dem Namen „Bücherstube“ am 1. April 1964 in Kiel eröffnet.

Die Geschäftsfelder von Bertelsmann

Bücher

Das Buchgeschäft ist die Keimzelle von Bertelsmann: Gründer Carl Bertelsmann erhielt 1835 die Konzession der preußischen Regierung zur Einrichtung einer Buchdruckerei. Unter dem Dach des Konzerns ist inzwischen die größte Publikumsverlagsgruppe der Welt entstanden: Zunächst unter dem Namen der US-Tochterfirma Random House, seit 2012 in einem Joint Venture mit Pearson, an dem die Gütersloher 53 Prozent halten. Penguin Random House heißt der Gigant mit seinen 11.800 Mitarbeitern.

Fernsehen

Die RTL Group betreibt 53 TV- und 28 Radiosender in neun Ländern Europas sowie Indien. Gerade in Deutschland ist das Unternehmen stark – mit den Stationen RTL, Vox, RTL II, Super RTL, RTL Nitro und n-tv. Bertelsmann hält 92,3 Prozent an der Sendergruppe.

Zeitschriften

Ob „Stern“, „Geo“ oder „Brigitte“: An europäischen Kiosken sind die Zeitschriften von Gruner + Jahr nicht zu übersehen. Bertelsmann hält seit den 70er Jahren die Mehrheit an den Verlag, Ende 2014 will der Medienkonzern die verbliebenen Anteile von der Jahr-Familie kaufen.

Dienstleistungen

Arvato ist die wohl vielseitigste Tochter von Bertelsmann: Die Dienstleistungssparte erstellt digitale Medien, ist im E-Commerce tätig, bietet aber auch zahlreiche Unternehmenslösungen für Kundenpflege, Produktionsplanung und Datenmanagement, außerdem IT-Services. Die Sparte hat mehr als 66.000 Mitarbeiter.

Druck

Bertelsmann gliederte die Druckaktivitäten 2012 in die Sparte Be Printers aus. Diese fertigt Zeitschriften, Kataloge, Prospekte, Bücher und Kalender. Zudem bietet sie Dienstleistungen an. Die Bertelsmann-Tochter betreibt Druckereien in Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien sowie den USA und Kolumbien und hat 6200 Mitarbeiter.

Musik

Musik gehörte lange zum Kerngeschäft von Bertelsmann. Allerdings verkaufte der Konzern 2006 seinen Musikverlag BMG, 2008 gab er auch seinen Anteil am Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG ab und verabschiedete sich so aus dem Tonträgergeschäft. 2013 holten die Gütersloher die Musik vom Finanzinvestor KKR zurück in den Konzern. Das Geschäft gehört zum Bereich Corporate Investments, der alle übrigen operativen Aktivitäten von Bertelsmann umfasst.

Die besten Zeiten hatte der Buchclub nach der Wende Anfang der 1990er Jahre: In Deutschland gab es sieben Millionen Buchclub-Mitglieder und 320 Filialen. Der Umsatz erreichte 700 Millionen Euro.

Heute gibt es nach Angaben der DirectGroup in Deutschland noch 52 Filialen und knapp eine Million Mitglieder. Der Umsatz soll noch bei 100 Millionen Euro liegen. Im Ausland ist das Buchclub-Geschäft nach 2015 nur noch in der Ukraine und Russland und mit einer 50-Prozent-Beteiligung in Spanien vertreten. Für die jetzt noch etwa 520 Beschäftigten soll ein Sozialplan ausgehandelt werden.

„Das Ergebnis der Analyse ist heute auf schmerzliche Weise eindeutig“, sagte der Geschäftsführer der Club- und Direktmarketinggeschäfte, Fernado Carro. „Der Club hat keine wirtschaftliche Perspektive. Es gibt keine Aussicht darauf, aus dem Club ein zukunftsfähiges Unternehmen zu machen.“

Ähnliches wurde seit Jahren hinter vorgehaltener Hand bei Bertelsmann berichtet. Dabei hatte man vieles versucht: Clubmitglieder mussten seltener ein Buch bestellen, auch Nicht-Mitglieder konnten in den „Zeilenreich“-Läden oder Online einkaufen, wenn auch zum normalen Preis. Es gab einen „digitalen Kiosk“ mit Zeitungen und Zeitschriften für Tablets.

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