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15.06.2011

16:38 Uhr

Ende einer Ära

Bertelsmann-Buchclub verliert Eigenständigkeit

Das Buchclub-Geschäft war lange der Grundstock für den Aufstieg von Bertelsmann. Doch die Clubs konnten im Konzern nicht mehr mithalten. Jetzt sind sie nicht mehr groß genug, um eine eigene Säule zu sein.

Eine Filiale des Bertelsmann-Buchclubs in Berlin. Quelle: dpa

Eine Filiale des Bertelsmann-Buchclubs in Berlin.

GüterslohBertelsmann löst sein traditionsreiches Buchclubgeschäft als eigenen Konzernbereich auf. Die verbliebenen Aktivitäten der Club-Tochter Direct Group in den deutschsprachigen Ländern, in Spanien und Osteuropa werden von Juli an direkt aus der Zentrale gesteuert. Das teilte Europas größtes Medienunternehmen am Mittwoch in Gütersloh mit. Geschäftsführer Fernando Carro behält aber seinen Posten.

Der Konzern hatte in den vergangenen Jahren nach und nach die meisten Direct Group-Töchter im Ausland verkauft, zuletzt im Mai das wichtige Frankreich-Geschäft. Die Sparte gilt als vergleichsweise wachtumsschwach. Mit dem Frankreich-Deal war der Umsatz letztlich von 1,07 Milliarden Euro auf 500 Millionen Euro im Jahr gesackt. Es bleiben noch vier Bertelsmann- Säulen: Die TV-Tochter RTL Group, die Verlagsgruppe Random House, die Zeitschriftengruppe Gruner + Jahr und der Dienstleister Arvato.

Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender Hartmut Ostrowski sprach von einem „Abschluss des Rückbaus der Direct Group“. Allerdings überlegt der Medienriese offensichtlich auch noch, seine Clubs in Osteuropa abzustoßen - also in Russland, der Ukraine sowie in Tschechien und der Slowakei. Das Unternehmen prüfe dort „strategische Optionen, die einen möglichen Verkauf einschließen“, berichtete ein Sprecher. Dann blieben nur noch Deutschland, Österreich, Schweiz und Spanien
übrig.

Die Buchclubs waren in der Nachkriegszeit ein Wachstumsmotor für Bertelsmann und hatten für den Konzern lange Zeit hohen Symbolwert. Auf dem Höhepunkt der Ausdehnung um das Jahr 2000 waren Buchclub-Töchter in Europa, Nordamerika, Australien, Neuseeland und China aktiv. Die Grundidee ist bis heute gleich. Viele Menschen bestellen regelmäßig ein neues Buch oder andere Medien und bekommen die Ausgaben dafür billiger. Doch in vielen Ländern sinken die Mitgliederzahlen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind heute noch 2,5 Millionen Menschen Mitglied. Der deutsche Club lässt neuerdings auch Nichtmitglieder einkaufen, dann jedoch ohne Rabatt.

Von

dpa

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