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07.10.2011

10:32 Uhr

Energiemarkt

Die Erben von Teldafax

VonJürgen Flauger

Noch immer drücken Discount-Anbieter am Strommarkt auf die Preise. Eine neue Studie belegt, dass sie ihre Kosten kaum reinholen. Teldafax musste deswegen im Sommer Insolvenz anmelden. Droht jetzt die nächste Pleite?

Teldafax ist Pleite, doch seine Geschäftsideen leben weiter. dpa

Teldafax ist Pleite, doch seine Geschäftsideen leben weiter.

DüsseldorfAuch nach der Pleite von Teldafax tobt auf dem deutschen Strommarkt ein ruinöser Preiskampf. Viele Energiediscounter versuchen, mit nicht kostendeckenden Tarifen möglichst schnell zu wachsen. Mittelfristig drohen deshalb weitere Firmenzusammenbrüche. Zu diesem Fazit kommt die Unternehmensberatung A.T. Kearney in einer aktuellen Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. „Die Billigstromanbieter haben keine Lehren aus der Pleite von Teldafax gezogen“, sagt A.T.-Kearney-Partner Hanjo Arms.

Teldafax musste im Sommer Insolvenz anmelden. Das Unternehmen war bis dahin der größte, von den etablierten Stromkonzernen unabhängige Anbieter auf dem deutschen Markt. Obwohl die Firma erst im Jahr 2007 in den Energiemarkt eingestiegen war, lockte sie in ihrer besten Phase knapp 800000 Kunden an. Allerdings agierte das Management nicht wie vorsichtige Kaufleute.

Denn Teldafax bot Strom- und Gastarife an, die zumeist unter den eigenen Einkaufspreisen lagen. Das konnte lange Zeit nur funktionieren, weil das Unternehmen rasant wuchs und mit hohen Vorauszahlungen der Kunden die Liquidität sicherte. Letztlich aber brach das Modell zusammen, und Teldafax konnte die Außenstände bei seinen Lieferanten nicht mehr begleichen.

Wie man den Stromanbieter wechselt

Anfang

Wer seinen Stromanbieter wechseln will, sollte zunächst seinen Verbrauch ermitteln: Einfach auf der letzten Rechnung den jährlichen Verbrauch in Kilowattstunden (kWh) ablesen.

Die Suche

Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) haben die deutschen Verbraucher derzeit durchschnittlich die Wahl zwischen 85 verschiedenen Stromanbietern.

Die Ökostromanbieter

Eine Alternative sind sogenannte Ökostromanbieter. Der Begriff führt jedoch in die Irre, denn diese Unternehmen versorgen ihre Kunden mitnichten mit Energie, die ausschließlich aus regenerativen Quellen stammt. Der Strom besteht aus dem gleichen Mix wie der von den Kunden herkömmlicher Anbieter. Allerdings verpflichtet sich der Ökostromanbieter, mindestens die gleiche Menge Ökostrom ins Netz einzuspeisen, wie vom Kunden wieder entnommen wird.

Der Strommix

Der gesamte Strom in Deutschland - also auch der sogenannte Ökostrom - bestand im ersten Halbjahr 2011 zu 20,8 Prozent aus regenerativen Quellen wie Windkraft, Solaranlagen und Co. Im ersten Halbjahr 2010 waren es noch 18,3 Prozent. Wichtigste erneuerbare Stromlieferanten sind mit 7,5 Prozent Windkraftanlagen, Biomasse ist auf Platz zwei, Photovoltaik auf dem dritten Platz.

Die Auswahl

Bei der Entscheidung für den richtigen Stromanbieter helfen Vergleichsportale wie tarifvergleich.de und wer-ist-billiger.de. Dort gibt man einfach seinen Jahresvertrag ein und die Suchmaschine zeigt die günstigsten Angebote mit den jeweiligen Konditionen.

Die Fallen

Verbraucherzentralen raten davon ab, einen Vertrag abzuschließen, der den Kunden länger als ein Jahr an den Stromanbieter bindet. Danach solle man auf eine kurze Kündigungsfrist von möglichst einem Monat achten. Die Verbraucherschützer warnen zudem davor, Vorauszahlungen zu leisten oder Strompakete, also den Einkauf einer vorab vereinbarten Strommenge, abzuschließen.

Stromausfall

Einen Stromausfall muss jedoch niemand fürchten - selbst, wenn der neue Anbieter pleite geht, sein Geschäft aufgibt, oder den neuen Vertrag kündigt. Das Gesetz garantiert eine Grundversorgung. Wenn sein vertraglich vereinbarter Anbieter ausfällt, wird der Verbraucher unverzüglich zu dem Grundpreis vom örtlichen Anbieter versorgt.

Die Kündigung

Die Kündigung erledigt der neue Stromanbieter, der dazu die Bevollmächtigung von seinem neuen Kunden braucht. Der alte Stromversorger bestätigt daraufhin die Vertragsauflösung und schickt eine Abschlussrechnung. Ein Wechsel dauert bis zum Ende des nächsten Vertragsmonats.

Die Abschlussrechnung

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich von seinem neuen oder alten Anbieter schriftlich mitteilen lassen, ab wann der Wechsel wirkt. An dem Tag sollte man sich den Zählerstand notieren, damit man die Rechnung nachher auch überprüfen kann.

Auch nach der Pleite von Teldafax werden die Listen der Vergleichsportale im Internet von unabhängigen Discountanbietern angeführt, deren Tarife zum Teil mehrere Hundert Euro günstiger sind als die des örtlichen Stadtwerks.

Die Berater von A.T. Kearney haben bei ihrer Analyse festgestellt, dass die Tarife in der Regel bei weitem nicht kostendeckend sind und die Unternehmen eine deutlich negative Rohmarge erwirtschaften. Bei einem typischen Discountpreis von 780 Euro für eine Durchschnittsfamilie mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden lag das Minus bei 40 Euro.

Dabei haben die Berater nur die gut abzuschätzenden Kostenblöcke – Steuern und Abgaben, Netzentgelte und Beschaffungskosten im Großhandel – berücksichtigt. Die internen Vertriebs- und Marketingkosten, die stark schwanken, haben sie noch gar nicht abgezogen.

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