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06.02.2014

08:13 Uhr

Enttäuschendes Wachstum

Twitter-Aktie stürzt ab

VonAxel Postinett

Der Twitter-Boom ist ausgeblieben: Die ersten Zahlen nach dem Börsengang bringen ein enttäuschendes Ergebnis. Die Nutzerzahlen sind deutlich schwächer, der Nettoverlust dagegen weitaus höher als erwartet.

Twitter ist kein zweites Facebook

Video: Twitter ist kein zweites Facebook

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San FranciscoJeder kennt den Nachrichtendienst aus dem Silicon Valley, aber kaum einer versteht ihn. Das ist nach Ansicht von Vorstandschef Dick Costolo das große Problem von Twitter. Er verspricht alles dafür zu tun, um dieses Problem zu beheben. Denn es behindert das Wachstum, das dringend benötigt wird. Die Zahlen im vierten Quartal enttäuschten die Anleger. Die Aktie stürzte deshalb im nachbörslichen Handel um bis zu 18 Prozent auf 54 Dollar ab.

So hatten sich das die Aktionäre nicht vorgestellt. Die ersten Zahlen nach dem Börsengang im November brachten für den Neuling Twitter ein enttäuschendes Ergebnis. Das Wachstum der Nutzerbasis war deutlich schwächer als erwartet, und der Nettoverlust höher als befürchtet.

Für das dritte Quartal meldete Twitter noch 232 Millionen monatliche aktive Nutzer, im abgelaufenen vierten waren es gerade mal 241 Millionen, also neun Millionen mehr oder vier Prozent. Gegenüber dem Vorjahresquartal ist das zwar noch ein Plus von 30 Prozent, aber gegenüber dem dritten Quartal eben enttäuschend. Und da lag das Wachstum zudem auch noch bei 39 Prozent zum Vorjahr. Gelingt es nicht, diese Trends umzudrehen, kann das als ein Zeichen gewertet werden, dass Twitter womöglich zu einem Nischenanbieter verkommen könnte, statt ein Massenphänomen zu werden wie Facebook mit über 1,3 Milliarden Nutzern.

Wird die aktuelle Börsenbewertung Twitters von knapp 35 Milliarden Dollar schon als luftig betrachtet, würde es immer schwerer vorherzusagen, wann und ob Twitter in diese Bewertung hineinwächst. Seit Börsengang hat sich der Kurs bereits glatt verdoppelt. Nirgendwo ist die Analystengemeinde so uneinig: Die Kursvorhersagen schwanken zwischen knapp 30 und fast 70 Dollar im Laufe der kommenden zwölf Monate.

Warum Twitter?

Viele Nutzer - viel Meinung

Beschwerden über verspätete Züge, Lästereien über den „Tatort“, private Absprachen: Twitter ist ein öffentliches Medium, wird aber auch für private Kommunikation genutzt. Das irritiert viele Beobachter, die sich nicht mit Twitter beschäftigen, auch heute noch.

In der Kürze liegt die Würze

140 Anschläge – länger darf ein Tweet nicht sein. Darin liegt der Reiz: Nutzer wissen sofort, worum es geht. Wer mehr in die Tiefe gehen will, kann sich mit den verlinkten Texten und Videos beschäftigen.

Nur ein Tenor

Der Tenor in den kurzen Twitter-Nachträgen ist meist eindeutig. Entweder man ist für eine Aktie oder eben dagegen. Ganz anders bei Blog- oder Foreneinträgen. Dort schwankt die Stimmung schon mal in jedem Absatz. Für einen Algorithmus ist es eine große Herausforderung, solche längeren Textstücke eindeutig zuzuordnen.

Reaktion in Echtzeit

Auf Twitter wird nicht lang gefackelt. Ein Ereignis, eine Information, und das Zwitschern ist eröffnet. Wer die Stimmung im Netz abgreifen will, sollte auf die Echtzeit-Tweet nicht verzichten.

Die Zweifel an der Attraktivität für neue Nutzer überwogen positive Überraschungen beim Umsatz. Hier erwarteten Analysten nicht weniger als ein Plus von 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wo er bei 112 Millionen Dollar gelegen hatte. Mit 243 Millionen Dollar Quartalsumsatz wurden sie nicht enttäuscht. Allerdings kam das dann beim Verlust: Im Schnitt hatten sie dem Kurznachrichtendienst einen Nettoverlust von rund 250 Millionen Dollar im Quartal zugebilligt. Die ausgewiesenen 511 Millionen waren da eine böse Überraschung.

Der Anteil der mobilen Werbung am Werbeumsatz von 220 Millionen Dollar erreichte 75 Prozent, nach 55 Prozent im Vorjahr. Das war eine gute Nachricht, da schon heute die Masse der Zugriffe über Smartphones oder Tablets kommt. Der überwiegende Teil des Umsatzes wird allerdings in den USA generiert.

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