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03.12.2012

11:17 Uhr

Entwickler im Interview

„Die SMS wird noch eine Weile überleben“

Neil Papworth verschickte 1992 die erste SMS – und auch heute textet er noch gerne. Sein liebstes Kommunikationsmittel ist aber ein anderes, wie er im Interview mit Handelsblatt Online verrät.

Neil Papworth war anfangs nicht klar, dass die SMS ein Kommunikationsmittel für die Massen ist.

Neil Papworth war anfangs nicht klar, dass die SMS ein Kommunikationsmittel für die Massen ist.

Mit einem „Merry Christmas“ fing alles an: Am 3. Dezember 1992 verschickte der Brite Neil Papworth die erste SMS der Welt. Den Text tippte der Entwickler an einem Computer ein, weil die damaligen, klobigen Handys nicht dafür ausgelegt waren. Heute sind die 160 Zeichen kurzen Nachrichten für Milliarden von Menschen nicht mehr wegzudenken. Im Interview mit Handelsblatt Online berichtet er über die Anfänge und sein liebstes Kommunikationsinstrument – das nicht die SMS ist.

Handelsblatt Online: Die erste SMS enthielt einen verfrühten Weihnachtsgruß. Was war da los?
Neil Papworth: Die SMS war schon im Mobilfunk-Standard GSM vorgesehen. 1992 gab es die ersten Handys, die diese Funktion unterstützten. Meine damalige Firma Sema Group hatte den Auftrag, für Vodafone das SMS-System zu entwickeln. Wir schickten die Testnachricht an einen Kollegen, der auf einer Weihnachtsfeier war.

Die größten Mobilfunker in Deutschland

Ein großer Markt

In Deutschland gibt es mehr als 113 Millionen Handyanschlüsse. Welche Marktanteile die Anbieter haben, hat das Statistikportal Statista auf Grundlage von Erhebungen der Marktforschungsinstitute Enigma, Ipsos, Ifak und Marplan ermittelt (Stand: Ende 2012).

T-Mobile

Jeder fünfte Handynutzer geht mit T-Mobile ins Netz (20,9 Prozent). Bei den Vertragskunden hält die Telekom-Tochter sogar einen Marktanteil von 24,3 Prozent.

Vodafone

Der britische Konzern kommt in Deutschland ebenfalls auf einen Marktanteil von 20,9 Prozent. Allerdings hat das Unternehmen weniger Vertragskunden als der Rivale aus Bonn (22,4 Prozent Marktanteil).

O2

Die Tochter des spanischen Telefónica-Konzerns – seit kurzem an der Börse notiert – ist in Deutschland die Nummer drei, sie hat einen Marktanteil von 13,5 Prozent.

E-Plus

Jeder zehnte Handynutzer (9,5 Prozent) ist Kunde bei E-Plus, einer Tochter des niederländischen KPN-Konzerns.

Aldi Talk

Der Discounter Aldi betreibt kein eigenes Netz, hat aber eine beachtliche Kundenbasis. 8,5 Prozent der Kunden telefonieren mit SIM-Karten des Einzelhändlers.

Base

Base ist die Billigmarke von E-Plus. 5,5 Prozent der Handynutzer telefonieren damit.

Sonstige

Jeweils weniger als 5 Prozent Marktanteil haben 1&1 (3,3 Prozent), Mobilcom-Debitel (2,8 Prozent), Tchibo (1,8 Prozent) und die Telekom-Marke Congstar (1,7 Prozent).

War Ihnen damals klar, dass es sich um eine Technologie für die Massen handelt?
Damals nicht. Vodafone sah SMS als einen Pager für Manager – damit die Sekretärinnen ihre Chefs erreichen konnten. Die Bedeutung ist mir erst zehn Jahre später klar geworden, als wirklich jeder SMS verschickte.

Warum ist die SMS so ein Erfolg geworden?
Erster Grund: Es ist so einfach. Du brauchst nur die Telefonnummer eines Freundes, um ihm eine Nachricht zu schreiben. Zweiter Grund: Jedes Handy hat die Funktion eingebaut. Dritter Grund: Du musst Dir keine Sorgen machen, dass Du jemanden störst, wenn Du ihm schreibst, anders bei Telefonanrufen.

Dienste wie Skype oder Whatsapp machen der SMS gehörig Konkurrenz. Hat sie eine Überlebenschance?

Bislang bietet die SMS außer Anrufen die einzige Möglichkeit, jemanden zuverlässig zu erreichen. Du weißt vielleicht, dass Dein Kumpel Mark Skype hat, also kannst Du mit ihm skypen, aber wie sieht es mit Dave aus? Wenn Du nicht sicher bist, schickst Du ihm eine SMS, weil Du weißt, dass das funktioniert. Die SMS wird sicher nicht ewig überleben, aber noch für eine ganze Weile.

Schreiben Sie selbst noch viele SMS?
Nicht mehr so oft wie früher. Wenn ich meine Kollegen online sehe, kontaktiere ich sie per Instant Messaging, das ist mit der Computer-Tastatur komfortabler. Aber ich nutze SMS, wenn die Leute unterwegs sind.

Von

chk

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