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18.05.2017

07:39 Uhr

Entwicklerkonferenz I/O

Google verkündet die KI-Revolution

VonBritta Weddeling

Auf der Entwicklerkonferenz I/O hat der Google-Chef mehr als nur neue Software präsentiert. Sundar Pichai verkündete nicht weniger als einen Strategiewechsel – künstliche Intelligenz soll künftig alle Produkte dominieren.

Künstliche Intelligenz

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Mountain ViewWie immer waren die Ränge im Shoreline Amphitheatre in Mountain View, direkt um die Ecke vom Hauptquartier des Suchmaschinenbetreibers Google, gut gefüllt. 7000 Gäste aus aller Welt warteten gespannt auf die Neuigkeiten, die Google-Chef Sundar Pichai in seiner Keynote anlässlich der großen Entwicklerkonferenz I/O zu verkünden hatte.

Tatsächlich wartete der Manager mit nicht weniger als einem Strategiewechsel auf. Künftig würde nicht mehr wie bislang die Weiterentwicklung von Innovationen für Mobilgeräte im Zentrum stehen, sagte Pichai, sondern die Maschinenintelligenz. „Wir werden alle unsere Produkte überarbeiten. Alles verändert sich dank künstlicher Intelligenz.”

Lexikon der Künstlichen Intelligenz

Schwer definierbarer Begriff

Die wissenschaftliche Disziplin Künstliche Intelligenz (KI) begründete der Forscher John McCarthy. Er lud 1955 zu einer Konferenz an der Darthmouth-Universität in New Hampshire ein, um über Maschinen zu diskutieren, die „Ziele in der Welt erreichen können“. Die Definition ist allerdings bis heute umstritten – schon weil Intelligenz an sich schwer abgrenzbar ist.

Starke KI

Unser Bild von Künstlicher Intelligenz wird geprägt von Filmen wie „Terminator“ oder „Her“, in denen Elektronenhirne ein Bewusstsein haben und selbständig agieren – Experten sprechen von starker KI. Die Technik ist bislang weit von solchen Visionen entfernt, verbreitet aber Angst und Schrecken. Was, wenn die Maschinen schlauer werden als die Menschen und sich über sie erheben?

Schwache KI

In der Realität zu finden ist derzeit lediglich schwache KI. Dabei handelt es sich um Systeme, die einzelne Fähigkeiten des Menschen abbilden, etwa die Spracherkennung oder Herstellung von inhaltlichen Zusammenhängen. Sie wären jedoch nicht in der Lage, die Ergebnisse zu verstehen oder inhaltlich zu diskutieren.

Maschinelles Lernen

Die derzeit erfolgreichste Spezialdisziplin der KI ist das maschinelle Lernen. Dabei leitet der Computer aus Daten weitgehend selbständig Muster und Erkenntnisse ab. Zum Einsatz kommt die Technologie etwa bei der Sprach- und Objekterkennung – und damit an vielen Stellen, von digitalen Assistenten auf dem Smartphone bis zum autonomen Fahrzeug.

Neuronale Netze

Beim maschinellen Lernen verwenden Forscher und Entwickler häufig künstliche neuronale Netze, die das Gehirn als Vorbild nehmen. Die Methode ist davon inspiriert, dass es im Denkorgan viele Verbindungen und Schichten gibt, die Informationen verarbeiten. Der Computer simuliert diese Struktur. Mit dem menschlichen Denken hat das nur entfernt zu tun: Es handelt sich um komplexe statistische Modelle.

Deep Learning

Als Deep Learning bezeichnen Experten eine Methode des maschinellen Lernens. Dabei kommen neuronale Netze mit vielen Schichten zum Einsatz – so entsteht die namensgebende Tiefe. Die Technologie ist vielversprechend und kommt bereits auf breiter Basis zum Einsatz. Damit sie funktioniert, sind jedoch große Datenmengen nötig, sie dienen als Trainingsmaterial fürs künstliche Gehirn.

Der Hersteller will zeigen, dass sich die jahrelangen Investitionen in die Weiterentwicklung von Algorithmen und neuronalen Netzen, die in den 90er-Jahren mit Google Brain gestartet waren, endlich auszahlen. Google integriert künstliche Intelligenz in alle Produkte, vor allem in die Kommunikationsplattform Google Assistant.

Die Technologie wird künftig auch in deutscher Sprache verfügbar sein und auch für Nutzer von Apples Betriebssystem iOS. Die interaktive, kommunikative Technologie soll noch unmittelbarer als bisher mit dem Nutzer interagieren. „Ein Gespräch mit dem Google Assistant soll so sein, als würde sich der Nutzer mit Google unterhalten”, sagt Pichai.

Ein wichtigstes Werkzeug dafür wird Google Lens. Neuronale Netze, spezialisiert auf Bildauswertung, erkennen in einem Foto automatisch Gegenstände, zum Beispiel eine Blume, und liefern Zusatzinformationen aus Googles riesiger Datenbank.

Hält der Nutzer die Kamera seines Smartphones etwa über einen Wifi-Code, loggt sich das Telefon automatisch ins Netz ein, steht er vor einem Restaurant, sendet das Programm Informationen über die Speisekarte auf den Bildschirm. Auch automatische Übersetzungen von Schriftzügen auf Fotos, etwa aus dem Japanischen, sind künftig möglich.

Die Fähigkeiten von Googles Betriebssystem Android, das inzwischen auf zwei Milliarden Smartphones und Tablet-PCs läuft, soll durch künstliche Intelligenz ebenfalls entscheidend verbessert werden. Algorithmen im neuen Betriebssystem Android O, das im Sommer veröffentlicht wird, erkennen neben einzelnen Wörtern künftig auch ganze Ausdrücke, rufen automatisch Adressen auf und zeigen dem Nutzer die Route im Kartenservice Maps. „Wir werden immer besser darin, zu verstehen, was in den Bildern zu sehen ist”, sagt Pichai. „Unsere Algorithmen sind darin besser als Menschen.”

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Kommentare (5)

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Herr Piet Vrolijk

18.05.2017, 08:36 Uhr

Es klingt irgendwie noch wie Sience Fiction, trotzdem ist das Ganze doch schon die Realität.

Die Akzeptanz wird sich entscheiden an die Frage ob die Menschen ihr Leben tatsächlich in alle Bereiche an die riesige Computernetz anschliessen will.

Und ob die Leute sich politisch für die Datenschutz stark machen werden oder sich weiterhin auf alle Ebenen ausspionieren lassen.

G. Nampf

18.05.2017, 09:50 Uhr

Google plant die endgültige Versklavung der Bürger.

Herr Lothar Bitschnau

18.05.2017, 09:50 Uhr

... und sie öffnen die "Büchse der Pandora"

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