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03.06.2014

06:40 Uhr

Entwicklerkonferenz WWDC

Apple nicht mehr allein zu Hause

VonAxel Postinett

Wer Innovationen sehen wollte, musste am Montag in San Francisco zu Samsung gehen. Apple-Chef Tim Cook zeigte solide Hausmannskost auf der Entwicklerkonferenz. Neue Hardware fehlte.

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Das zeigt Apple in San Francisco

Video: Das zeigt Apple in San Francisco

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San FranciscoKein neues iPhone, keine Spur von der iWatch, kein Apple-Fernseher. Alle waren aus aller Welt nach San Francisco gereist, aber dieses Mal umsonst – zumindest die Medienvertreter: Verwöhnt von Entwicklerkonferenzen der Vergangenheit, auf der Steve Jobs seinerzeit mit seinem berühmten „one more thing“ Erdbeben in der Konsumelektronikbranche ausgelöst hatte, warteten sie auch diesmal, allerdings vergeblich, im Moscone Center auf einen Knaller, die große Überraschung, die nie kam.

Innovationen gab es an diesem Abend trotzdem, allerding an anderer Stelle – im wenige hundert Meter entfernten Hilton Hotel. Dort zeigte Samsung seine eleganten gebogenen Fernseher und die Smartwatch Gear 2 mit dem eigenen Betriebssystem Tizen, kündigte ein Smartphone mit dem Betriebssystem für das dritte Quartal an.

Gegen die gigantische Veranstaltung von Apple mit tausenden Teilnehmern ist die zweite Tizen Developer Konferenz ein Nichts, ein Zwerg. Die Positionierung direkt gegen die WWDC unterstreicht jedoch den Willen der Koreaner, langfristig mit Apple in den Ring des Silicon Valley zu steigen. Tizen hat die Aufgabe, Android als Samsungs Betriebssystem abzulösen und ist damit der neue Feind für Apple.

Die Apple-Besucher bekamen am Montag solide Hausmannskost. Im Zentrum standen die, um die es auch eigentlich gehen sollte, die Software-Entwickler. 2014 war seit langem wieder alleine ihre Konferenz. Apple-Chef Tim Cook versorgte sie mit den nötigen Werkzeugen, um ein für Herbst erwartetes neues iPhone zum Erfolg zu führen.  Es galt, Basisarbeit zu erledigen.

Die Evolution des iPhone

iPhone - die erste Generation

Mit seinem leicht bedienbaren Touchscreen revolutionierte das iPhone die Handybranche. Dabei waren die technischen Daten der ersten Generation noch recht bescheiden: Der Prozessor leistete nur 667 Megahertz, der Arbeitsspeicher war nur 128 Megabyte groß. Den Datenfunk UMTS unterstützte die erste Generation nicht. Trotzdem wurde das Gerät ein riesiger Erfolg.

iPhone 3G

Das zweite Gerät der iPhone-Reihe, vorgestellt im Juni 2008, brachte einige wesentliche Änderungen. Zum einen überarbeitete Apple das Design gründlich. Zum anderen unterstützte das Gerät den Datenfunk UMTS sowie den Datenturbo HSDPA.

iPhone 3GS

Ein Jahr später stellte Apple das iPhone 3GS vor. Am Design änderte sich nichts, allerdings stattete der Hersteller das Gerät mit einem besseren Prozessor und einem größeren Speicher aus. Das suggeriert auch der Name: Das S steht für „Speed“. Zudem war eine Kamera mit 3 Megapixel Auflösung an Bord.

iPhone 4

Mit der vierten Generation, präsentiert im Juni 2010, wagte Apple wieder ein neues Design: Das Gehäuse war kantiger und aus Edelstahl. Zudem verbaute der Hersteller ein Display mit höherer Auflösung. Auch der Prozessor war leistungsfähiger als beim Vorgänger. Der Ansturm auf das Gerät war gewaltig.

iPhone 4S

Äußerlich unterschied sich das iPhone 4S kaum von seinem Vorgänger, das Design blieb weitgehend gleich. Schlagzeilen machte vor allem der persönliche sprachgesteuerte Assistent Siri, der zunächst nur auf dem 4S lief, später aber auch auf anderen iPhone-Modellen. Siri kann Fragen beantworten oder Kommandos ausführen. Die Kamera des iPhone 4S hatte eine Auflösung von 8 Megapixel.

iPhone 5

Das sechste und aktuelle Gerät der Reihe heißt iPhone 5. Es ist etwas länger, aber gleichzeitig dünner als das Vorgängermodell – dadurch ergibt sich ein neues Seitenverhältnis von 16:9. Die 8-Megapixel-Kamera kann Aufnahmen in HD anfertigen. Ein neuer Prozessor soll für mehr Tempo sorgen. In die Kritik geriet Apple, weil vor allem an der schwarzen Variante schnell Abnutzungserscheinungen zu sehen waren. Mit dem iPhone 5 führte Apple auch iOS 6 ein, die neue Version des Betriebssystems, die den vielkritisierten Kartendienst Maps enthält.

iPhone 5C und 5S

Das iPhone 5c und das iPhone 5s waren die Modelle sieben und acht. Das 5c ist die etwas günstigere Variante: Weitgehend ausgestattet wie das iPhone 5, hat es aber ein Gehäuse aus buntem Plastik. Das 5s hat unter anderem einen doppelt so schnellen Chip, eine bessere Kamera und einen Fingerabdrucksensor zur Entsperrung des Gerätes.

Angekündigt wurde eine Generalüberholung der Betriebssysteme für Computer und Smartphones und eine Entwicklungsumgebung mit neuer Programmiersprache. Das treibt den Umsatz zwar nicht einen Dollar in die Höhe. Das könnten erst neue Hardware-Produkte, die im Herbst vorgestellt werden. Aber die Neuerungen demonstrieren klar, wohin die Reise geht. Apple verschreibt sich zu einhundert Prozent dem Premium-Segment, in Hardware und Software. Nichts von dem was zu sehen war, erweitert die Zielgruppe. Aber die bestehende wird bestens bedient.

Das ist nicht der Stoff, aus dem Schlagzeilen gemacht sind. Auch wenn Neuerungen auf der Softwareseite beeindruckend sind, zumindest bei iOS 8. Sie graben tiefe Sorgenfalten in die Stirn der  Google-Chefs in Mountain View. Es wird 4000 neue Schnittstellen geben, um auf das Betriebssystem von Tablet und Smartphone zuzugreifen. Was dem Käufer der Produkte erst einmal völlig egal sein kann, ist in seiner Wirkung nicht zu unterschätzen. Damit greift Cook massiv die bekannte Flexibilität von Googles Android-Software an. Apple erlaubt jetzt Bildschirm-Tastaturen von Drittanbietern, wie die beliebte Swift-Tastatur von Android. Jedes Wort wird mit einem kontinuierlichen Fingerwisch über die Tasten „geschrieben“. Das geht rasend schnell und ist ein echtes Argument für Android. Als erster hat Microsoft das für seine Smartphones angekündigt, nun zieht auch noch Apple nach und Samsung zeigte fertige Software im Hilton Hotel für Tizen.

Kommentare (9)

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03.06.2014, 08:01 Uhr

Sehr geehrter Autor,
ich sehe die Präsentation von Apple aus einer komplett anderen Sicht. Die Präsentation gestern war ein Frontalangriff auf Sony, Nintendo, Microsoft , Intel und Nest. Durch die neue Grafik API Metal hat Apple nun alles um Mittelfristig klassische Konsolen anzugreifen und Intel Prozessoren in den Macs durch eigene ARM Prozessoren zu ersetzen. Von Office bis hochwertige Spiele können nun auf den ARM Prozessoren realisiert werden. Es sinnvoll das aktuell nur die Software angekündigt wird, so können die Entwickler schon Apps vorbereiten, damit bei einem Marktstart der Macs mit ARM-Prozessor schon ein voller App-Store auf die Käufer wartet.
Neben der Vereinheitlichung des App-Stores wird es den Spieleentwicklern wie Crytec, EA usw. auch ermöglicht höherwertige Spiele im App-Store anzubieten was die Apple Umsätze im Bereich App-Store noch weiter steigern wird.
Auch beim Thema Health und Home Automation ist der Ansatz von Apple viele verschiedene Anbieter zu unterstützen aus meiner Sicht der bessere, jeder kann das einsetzen was er möchte während man bei Samsung und Google usw. auf genau ein Device und seine zugehörige App eingeschränkt ist.
Noch ein paar Worte zum Kauf von Beats, ich gehe davon aus dass der Hauptgrund für den Kauf die Lautsprechertechnologie ist, die es super Klang selbst auf kleinsten Lautsprechern wie dem entsprechenden HTC ermöglicht. Apple hat nun alles um eine kleine Spielkonsole auf den Markt zu bringen ;).
Man kann davon ausgehen dass im Herbst das angekündigte Feuerwerk von Apple wirklich stattfinden wird. Vor allem ein neues Apple TV kann zusammen mit Metal der Microsoft Xbox, der Nintendo Wii und der Sony Playstation Marktanteile abnehmen.
Apple ist sich mit der Präsentation gestern treu geblieben, stelle keine Hardware vor die nicht sofort zu kaufen und noch nicht vollständig in das Apple Eco-System integriert ist.

Account gelöscht!

03.06.2014, 08:42 Uhr

Die Software-Adaptionen in Ehren.
Den milliardenschweren Kauf einer bassdröhnenden Kopfhörerfirma kann man sich nur leisten, wenn man Kunden hat, die wg. ihres Apple-Ticks 30% zu viel für ein dem Marktführer Samsung unterlegenes Telephon bezahlen.
Den seit Jahren angekündigten Apple-Fernseher braucht kein Mensch und wenn er doch kommt, dann hat ihn bestimmt Samsung hergestellt.
Trotz der Tendenz, dass Apple-Produkte Auslaufmodelle sind, ist die Aktie um mind. 50% überbewertet.
Damit befindet sie sich allerdings in guter Gesellschaft mit den vielen Tulpenzwiebel-Blendern, die grandios überbewertet sind.

Account gelöscht!

03.06.2014, 08:55 Uhr

Immortal12: ich kann Ihnen nur vollkommen zustimmen. Ich bin sehr gespannt auf den Herbst. statesman: ich selber gehörte damals bei Release des ersten iPhones zu denjenigen, die sagten: "braucht kein Mensch". Mit solchen Aussagen wäre ich in Bezug auf Apple sehr vorsichtig.

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