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14.01.2005

09:27 Uhr

Erfolg der nationalen Morgensendung "Morning Live" ist umstritten

Radio NRJ will in Deutschland über Zukäufe wachsen

Die börsennotierte französische Radioholding NRJ will in Deutschland über weitere Akquisitionen und Kooperationen wachsen. Damit kämpft sie gegen jüngste Reichweitenverluste auf dem deutschen Markt: "In den nächsten Wochen werden wir einen Deal bekannt geben", kündigte Mathieu Sibille, Vizechef der NRJ-Gruppe an.

HB DÜSSELDORF.Einzelheiten nannte er jedoch nicht. Künftig sollen zudem auch auf den Webseiten der deutschen NRJ-Sender Musikdownloads angeboten werden.

Die NRJ-Gruppe betreibt unter der Marke Energy bereits fünf Radiosender in Deutschland. Einige davon haben in jüngster Zeit überproportional viele Hörer verloren. Bei Energy 97.1 Hamburg etwa sank die Reichweite im vergangenen Jahr um 18,9 Prozent, in München um 14 Prozent.

Die Gesellschaften in Stuttgart und Nürnberg sowie die nationale Vermarktungsfirma AVN sind laut Sibille defizitär. Auch insgesamt hat das Geschäft in Deutschland 2004 Verluste eingefahren.

Sibille ist erst vor einigen Monaten als Leiter des internationalen Geschäfts angetreten, um hier Abhilfe zu schaffen. "Im Unterschied zu anderen nordischen Ländern, in denen NRJ präsent ist, gibt es in Deutschland kein Kosten-, sondern ein Vermarktungsproblem", sagt Sibille. Der deutsche Radiomarkt ist auf Grund seiner föderalen Struktur, gesetzlicher Beteiligungsgrenzen und der starken Position der öffentlich-rechtlichen Sender sehr zersplittert. Für große nationale Werbekunden galt er bisher als wenig attraktiv.

Mit der Morgensendung "Morning Live", die NRJ in dieser Woche auf allen fünf deutschen Sendern gestartet hat, will die Radioholding das Vermarktungsproblem lösen. Unter dem Dach eines einheitlichen Konzepts mit gemeinsamen Spiele-, Umfrage- und Rätselelementen wird ein regional angepasstes Musikprogramm mit eigenen Moderatoren gesendet.

Branchenkenner zweifeln jedoch am Erfolg des Formats: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass NRJ dadurch neue Hörer gewinnt", sagt Beate Appel, Prokuristin bei der Radio-Beteiligungsgesellschaft Eurocast. Und auf der Vermarktungsseite sei die Idee nicht neu - schließlich versuchten auch andere private Radiovermarkter wie die Hamburger Radio Marketing Service schon seit langem, die Werbezeiten ihrer Sender in unterschiedlichen Kombinationen zu verkaufen.

"Radio in Deutschland lebt von der emotionalen Übereinstimmung mit den Hörern; der Erfolg eines nationalen Konzepts ist sehr unsicher", sagt ein anderer Branchenkenner. Trotzdem könne NRJ in diesem Jahr sein Ziel, in Deutschland schwarze Zahlen zu schreiben, allein auf Grund des Marktwachstums erreichen. Laut Nielsen Media Research ist der Radio-Werbemarkt in Deutschland in den ersten elf Monaten 2004 brutto um 10,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen.

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