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19.07.2016

10:28 Uhr

Ericsson-Chef Hans Vestberg

Ein Konzernchef im Kreuzfeuer

VonHelmut Steuer

Schwache Zahlen und Korruptionsvorwürfe: Der Telekomausrüster Ericsson steckt tief in der Krise. Doch Konzernchef Vestberg verdient prächtig und reist mit dem teuren Privatjet. Wann verlieren die Aktionäre die Geduld?

Der Ericsson-Chef steht im Zentrum der Kritik. Reuters

Hans Vestberg

Der Ericsson-Chef steht im Zentrum der Kritik.

StockholmEs sind turbulente Zeiten für das einstige Kleinod der schwedischen Wirtschaft: Der Telekommunikationsriese Ericsson kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus: Managementfehler, erstarkte Konkurrenz, Korruptionsvorwürfe in Europa und Asien und nun auch noch der Vorwurf, der Mobilfunknetz-Riese habe seine Bilanzen mit erwarteten zukünftigen Einnahmen aufgebessert: Die Aktionäre des schwedischen Telekommunikationsausrüsters Ericsson müssen derzeit einiges ertragen. Allein seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 23 Prozent ihres Wertes verloren. Und noch gibt es kaum Aussichten auf Besserung.

Für das zweite Quartal wies Ericsson am Dienstag einen Gewinnrückgang von 26 Prozent auf 1,6 Milliarden Kronen (168 Millionen Euro) aus. Der Umsatz fiel um elf Prozent auf 54,1 Milliarden Kronen (5,7 Milliarden Euro). Auch ohne Währungseffekte sowie Verkäufe und Übernahmen hätte das Minus noch sieben Prozent betragen. Mit den Zahlen schnitt Ericsson schwächer ab als von Analysten im Schnitt erwartet. Ericsson-Aktien stiegen am Dienstag gleichwohl um drei Prozent auf 66,30 Kronen.

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Managementfehler, erstarkte Konkurrenz und nun Korruptionsvorwürfe: Die Aktionäre des schwedischen Telekommunikationsausrüsters Ericsson müssen derzeit einiges ertragen. Und noch gibt es kaum Aussichten auf Besserung.

Die Probleme von Ericsson sind vielfältig: Lange Zeit dominierte der Konzern als einer der weltweit führenden Hersteller von Mobilfunknetzen die gesamte Branche. Doch vor allem der chinesische Konkurrent Huawei hat kräftig aufgeholt, nicht zuletzt, weil er den Kunden oftmals bessere Konditionen als Ericsson, Nokia und andere bieten kann. Ericsson verlor in den vergangenen fünf Jahren rund ein Drittel seines Börsenwerts. Binnen eines Jahres ist der Kurs der Ericsson-Aktie um mehr als 35 Prozent gesunken.

Das Problem der Schweden ist der weiterhin gebremste Investitionswillen der großen Telekom-Konzerne. Vodafone oder China Mobile haben trotz dramatisch wachsenden Datenverkehrs die Investitionen in den Ausbau ihrer Mobilfunknetze in diesem Jahr gekürzt. Das macht Ausrüstern wie Ericsson schwer zu schaffen. Und Besserung ist noch nicht in Sicht. Denn die Schwellenländer, in denen der Modernisierungsbedarf der Netze besonders hoch ist, kämpfen mit Rezession.

Die wertvollsten Aktiengesellschaften der Welt

Platz 10

Wells Fargo

Börsenwert: 252 Milliarden Dollar

Alle Daten: Stand 2. Februar 2016

Platz 9

General Electric

Börsenwert: 286 Milliarden Dollar

Platz 8

Amazon

Börsenwert: 269 Milliarden Dollar

Platz 7

Johnson & Johnson

Börsenwert: 286 Milliarden Dollar

Platz 26

ThyssenKrupp

Gewichtung: 0,98 Prozent

Platz 5

Berkshire Hathaway

Börsenwert: 314 Milliarden Dollar

Platz 4

Facebook

Börsenwert: 326 Milliarden Dollar

Platz 3

Microsoft

Börsenwert: 428 Milliarden Dollar

Platz 2

Apple

Börsenwert: 530 Milliarden Dollar

Platz 1

Am 2. Februar 2016 löst der Suchmaschinenbetreiber Alphabet/Google den Smartphone-Hersteller Apple als wertvollste Firma der Welt ab.

Börsenwert: etwa 542 Milliarden Dollar.

Alle Daten: Stand 2. Februar 2016

Als wäre das nicht schon genug, kommen jetzt auch noch diverse Skandale hinzu, in die das schwedische Unternehmen verwickelt ist. Zum einen untersuchen die amerikanische Finanzaufsicht SEC sowie das US-Finanzministerium schwerwiegende Korruptionsvorwürfe gegen Ericssons chinesische Tochter. Details sind nicht bekanntgegeben worden. Doch sollten sich die Vorwürfe gegen die Schweden erhärten, drohen empfindliche Strafen.

Ericsson ist an der Nasdaq in New York notiert, deshalb gelten für das Unternehmen auch die strengen amerikanischen Regeln. Auch in Griechenland interessiert sich die Staatsanwaltschaft für ein Rüstungsgeschäft, bei dem Ericsson 1999 ein Radarsystem an die griechische Luftwaffe verkauft hatte. Bei dem Deal soll es zu Schmiergeldzahlungen gekommen sein.

Kommentare (9)

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19.07.2016, 11:42 Uhr

Herr Robert Hintermann

19.07.2016, 12:38 Uhr

Als Vorwürfe werden aufgeführt: Managementfehler, erstarkte Konkurrenz, Bilanz-Polierung, Korruption in China und Griechenland. Wenn das alles ist, müsste weltweit gleich ein ganzes Kartenhaus an Firmen zusammenbrechen. Darunter deutsche Rüstungskonzerne. Es wäre ein falsches Zeichen, wenn Vestberg jetzt gehen müsste. Er wäre nur ein Sündenbock. Hauptgrund für die Verluste in Ericsson sind interne und externe Machtkämpfe und zu wenig Innovationen.

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19.07.2016, 12:43 Uhr

Weil es das gute Recht des HB als Betreiber der Internetseite ist, darüber zu bestimmen und entscheiden, was und ob man kommentieren darf.

Genauso, wie es mein gutes Recht als Vermieter ist, zu sagen in meinen Wohnungen werden keine Hunde gehalten. Punkt.

Wenn du Hunde halten willst, musst du dir halt eine andere Bleibe suchen. Respektive eine andere Zeitung. Fertig.

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