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27.01.2016

11:31 Uhr

Ericsson steigert Gewinn

Erholung in China stützt schwaches Kerngeschäft

Hohe Patenteinnahmen, Mobilfunknetz-Ausbau in China und eine Einmalzahlung von Apple: Der schwedische Telekomausrüster Ericsson steigert seinen Gewinn kräftig. Trotzdem sind Experten unzufrieden.

Zuletzt geriet der Mobilfunknetz-Ausbau im Reich der Mitte ins Stocken. Doch nun hat er offenbar wieder Fahrt aufgenommen. Reuters

Netzausbau in China

Zuletzt geriet der Mobilfunknetz-Ausbau im Reich der Mitte ins Stocken. Doch nun hat er offenbar wieder Fahrt aufgenommen.

StockholmDer schwedische Telekomausrüster Ericsson hat dank einer Erholung des China-Geschäfts den Gewinn kräftig gesteigert. Operativ verdiente das Unternehmen zum Jahresende 2015 mit umgerechnet knapp 1,2 Milliarden Euro etwa drei Viertel mehr als im Vorjahr, wie Ericsson am Mittwoch mitteilten. Auch florierende Patenteinnahmen und eine Einmalzahlung von Apple hätten zu dem Anstieg im vierten Quartal beigetragen. Zudem habe der Ausbau des schnellen Mobilfunknetzes in China wieder Fahrt aufgenommen.

Der Umsatz wuchs um acht Prozent auf umgerechnet 7,9 Milliarden Euro. Von Reuters befragte Experten hatten jedoch mit mehr gerechnet. „Die Wachstumsbereiche legen nicht schnell genug zu, um den Rückgang im Kerngeschäft auszugleichen“, sagte Bengt Nordstrom, Chef der gleichnamigen Telekomberatungsfirma. An der Börse wurden die Zahlen entsprechend negativ aufgenommen: Die Aktie notierte im frühen Handel 1,6 Prozent schwächer.

Die Kabelnetz-Branche

Platz für viele Daten

Der zunehmende Datenhunger der Verbraucher rückt eine Branche ins Rampenlicht, die lange Zeit im Dornröschenschlaf lag. TV-Kabelnetze galten schlicht als langweilig. Doch seit die Betreiber ihre Kabel technisch aufgerüstet haben, konkurrieren sie mit den klassischen Telekommunikationsanbietern um Internetkunden.

Erbe der Bundespost

In den achtziger Jahren begann die Bundespost mit dem Aufbau des Kabelnetzes, um eine neue Infrastruktur für Fernsehübertragungen in Deutschland zu etablieren. Der Ausbau war damals hochgradig umstritten, da der TV-Empfang über Satellit, der zur gleichen Zeit populär wurde, kostenfrei war – für den Kabelanschluss wurde hingegen eine Monatsgebühr fällig.

Aufgeteilt in Regionen

Aus dem Telefon- und Kabelgeschäft der Bundespost wurde ein Jahrzehnt später die Deutsche Telekom, und nach der Liberalisierung des Marktes sollte der Bonner Koloss sein Kabelnetz so schnell wie möglich verkaufen. Die Telekom wusste das lange zu verhindern, so dass der Verkauf Anfang des Jahrtausends erst auf Druck der Kartellwächter über die Bühne ging. Das deutschlandweite Kabelnetz wurde regional aufgeteilt.

Erste Modernisierung

Die Teile des Netzes kauften Finanzinvestoren. Sie brauchten jedoch einen langen Atem. Angelegt, um bestenfalls 30 TV-Kanäle wie auf einer Einbahnstraße von der Einspeisestation in die Wohnzimmer zu bringen, musste das Netz erst aufwendig für Telefongespräche und das Internet aufgerüstet – im Technikjargon: rückkanalfähig gemacht – werden. Technische Schwierigkeiten sorgten für einen holprigen Start: 2006 zählte Kabel Deutschland gerade einmal 60.000 Breitbandkunden – heute sind es mehr als zwei Millionen. Der Ausbau verschlang über die Jahre Milliarden, und noch heute investieren Kabelunternehmen etwa ein Viertel des Umsatzes.

Technologie-Sprung

Grundlage für den Kundenansturm auf das Kabel ist ein Technologie-Sprung: Ähnlich wie Telefonfirmen, die dank des DSL-Standards ihre alten Kupferleitungen zu Internetanschlüssen ausbauen konnten, erging es auch den Kabelnetzbetreibern. Dort heißt der Heilsbringer spröde DOCSIS 3.0 – dank dieser Technik lassen sich Kabelnetze mit überschaubarem Aufwand in superschnelle Internet-Datenautobahnen verwandeln. So verkauft Unitymedia derzeit Anschlüsse mit 200 Megabit/s Höchstgeschwindigkeit bei Downloads. Ohne großen Aufwand könnten auch Datenraten von 400 Megabit/s angeboten werden. Kabel Deutschland hat in einem Feldversuch schon knapp 5 Gigabit/s durch sein Netz gejagt. Auch die Deutsche Telekom rüstet ihre Kabel auf. Mit der „Vectoring“-Technologie sollen die Kupferkabel bis zu 100 Mbit/s verpacken. Gerade arbeiten die Netzinfrastrukturzulieferer an „Super-Vectoring“, was bis zu 250 Mbit/s ermöglichen soll.

Kabel Deutschland und Unitymedia vorn

Die Branche wird derzeit von Kabel Deutschland aus München und von Unitymedia aus Köln dominiert. Die Münchner sind in 13 Bundesländern vertreten, Unitymedia ist nach dem Zusammenschluss mit KabelBW in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen aktiv. Dazu kommt der kleinere Anbieter Tele Columbus, der kürzlich erst die Anbieter Primacom und Pepcom gekauft hat.

Kartellwächter prüfen genau

Die Wettbewerbshüter haben ein wachsames Auge auf den Kabelmarkt. So verhinderte die Behörde die Übernahme von Tele Columbus durch Kabel Deutschland. Den Kauf von KabelBW durch den US-Kabelriesen Liberty Global mittels seiner Tochter Unitymedia genehmigte das Kartellamt nur mit Auflagen – und nach einigem Zögern. Die Wettbewerber fordern zunehmend lautstark, dass die Kabelanbieter Wettbewerbern Zugang zu ihrem Netz ermöglichen sollen, wie es auch die Telekom muss.

Von

rtr

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