Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.03.2006

08:10 Uhr

Erste Verhandlungen

Lucent und Alcatel planen ihre Fusion

Der größte US-amerikanische Telekomausrüster Lucent Technologies und sein französischer Konkurrent Alcatel verhandeln über eine "Fusion unter Gleichen". Ähnliche Gespräche waren bereits einmal gescheitert. Die Voraussetzungen sehen auch jetzt nicht gut aus.

Der Markt der Telekommunikation wächst zusammen. Foto: dpa

Der Markt der Telekommunikation wächst zusammen. Foto: dpa

HB MURRAY HILL. "Wir können bestätigen, dass wir Diskussionen über eine mögliche Fusion Gleicher führen", betonten die beiden Gesellschaften in einer gemeinsamen Erklärung am Freitagmorgen. Der Zusammenschluss solle zu "Marktpreisen" erfolgen. Es gebe keine Garantien, dass eine Vereinbarung erreicht oder dass eine Transaktion vollzogen werde, hieß es weiter. Lucent und Alcatel wollten bis zu einer Lösung keine weiteren Auskünfte geben.

Die Unternehmen bestätigten mit ihrer Erklärung entsprechende Berichte des "Wall Street Journal" Wie die Zeitung berichtet, könnte ein Zusammenschluss beider Unternehmen voraussichtlich "substanzielle" Kostenersparnisse bringen. Zudem könnte eine Fusion eine neue Konsolidierungsrunde im hart umkämpften Markt für Telekommunikationsausrüstungen einläuten. Marktbeobachter hatten in den vergangenen Jahren wiederholt auf die Möglichkeit einer Fusion zwischen Alcatel und Lucent hingewiesen, nachdem vor fünf Jahren bereits ein erster Fusionsversuch gescheitert war.

Die beiden Unternehmen hatten auf Anregung von Lucent einen Zusammenschluss mit einem Volumen 23,5 Mrd Dollar ins Auge gefasst. Trotz weit fortgeschrittener Verhandlungen hatte das Lucent-Management die Gespräche abgebrochen, da diese sich mehr zu einer Übernahme von Lucent als zu einer Fusion unter Gleichen entwickelt hätten. Alcatel-CEO Serge Tchuruk hatte aber auch nach dem Scheitern der Verhandlungen wiederholt gesagt, dass eine Expansion in den USA für sein Unternehmen nach wie vor "absolut essentiell" sei.

Die Details der neuerlichen Fusionsverhaldungen sind laut "Wall Street Journal" unklar. Die Zeitung verweist in diesem Zusammenhang auch auf die geplante Fusion unter Gleichen, die angesichts einer unterschiedlichen Bewertung beider Unternehmen nicht einfach sei. Während Lucent einen Marktwert von 12,6 Mrd. Dollar aufweist, kommt Alcatel derzeit auf eine Marktkapitalisierung von 20,2 Mrd. Dollar.

Angesichts der fortschreitenden Konsolidierung bei den Telekommunikationsanbietern und des raschen technologischen Fortschritts ist der Wettbewerbsdruck in den vergangenen Jahren auch in der Ausrüsterbranche deutlich gestiegen. Zahlreiche größere Übernahmen dokumentieren den steigenden Konsolidierungsdruck in der Branche: Im Oktober des vergangenen Jahres kündigte Telefon AB LM Ericsson die Übernahme der Marconi Corp. Im Februar schloss Cisco Systems die Übernahme des Internet-TV-Spezialisten Scientific-Atlanta ab. US-Wettbewerber Motorola will für die Übernahme von kleineren Unternehmen rund 1 Mrd. Dollar Dollar ausgeben.

Laut "Wall Street Journal" würde ein Zusammenschluss zwischen Alcatel und Lucent angesichts der kulturellen und logistischen Unterschiede zu den komplizierteren Transaktionen der Branche gehören. Eine Fusion wäre dabei auch ein Test für die Zusammenarbeit der US-Administration mit der französischen Regierung. Die Zeitung verweist in diesem Zusammenhang auf die zunehmend protektionistischen Tendenzen in der US-Wirtschaftspolitik. In Frankreich sieht die Lage ähnlich aus, wie gerade der Fall der Versorger Gaz de France und Suez zeigt. Letzteres Unternehmen war ins Visier des italienischen Konkurrenten Enel geraten, woraufhin die französische Regierung die Fusion mit der staatlich kontrollierten Gaz de France einleitete.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×