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20.06.2013

17:05 Uhr

Es winkt ein Mega-Geschäft

Übernahme heizt Hype um 3D-Drucker an

VonChristof Kerkmann

Das Zukunftsgeschäft mit dem 3D-Druck wird durch eine Übernahme völlig umgekrempelt: Marktführer Stratasys schluckt den Herausforderer MakerBot – und hofft nun auf große Geschäfte im wachsenden Massenmarkt.

3D-Drucker im Einsatz: Die Firma Makerbot will die Technologie für alle bezahlbar machen. dpa

3D-Drucker im Einsatz: Die Firma Makerbot will die Technologie für alle bezahlbar machen.

Düsseldorf400 Millionen Dollar für ein Startup, das kaum Geld verdient – das ist ein stolzer Preis. Doch wenn Stratasys, ein Hersteller von industriellen 3D-Druckern, so viel für den kleinen Konkurrenten Makerbot bezahlt, geht es nicht um aktuelle Absatzzahlen oder Gewinne. Das US-Unternehmen hofft darauf, dass der 3D-Druck zu einer Technologie für den Massenmarkt wird. Fast so wie normale Drucker, die heute in fast jeden Haushalt stehen.

Der 3D-Druck ist keine neue Technologie. „Industrielösungen sind seit über 20 Jahren in der Entwicklung und im Einsatz“, sagt Prof. Gerd Witt von der Universität Duisburg-Essen – allerdings unter den weniger schicken Begriffen Rapid Prototyping oder Rapid Manufacturing.

Bei den Autoherstellern etwa stehen schon lange schrankgroße Geräte, die aus digitalen Vorlagen Modelle entwerfen, ohne dass dafür extra eine Produktionsstraße angepasst werden müsste. Moderne Dentallabors produzieren so Zahnkronen, Akustiker passgenaue Formen für Hörgeräte. Wenn es um Einzelanfertigungen und Kleinserien geht, ist der 3D-Druck längst etabliert. Stratasys, 1989 gegründet, ist seit einer Fusion mit dem Konkurrenten Objet der Marktführer bei industriellen Anwendungen.

Die Werkzeuge der 3D-Drucker

3D-Drucker

Ein 3D-Drucker wandelt am Computer entworfene Konstruktionen in reale Objekte um. Dabei trägt er Schicht für Schicht ein Material auf – entweder indem er heißen Kunststoff durch eine Düse presst, mit einem Laser ein Metallpulver an den entsprechenden Stellen schmelzen lässt oder Kunstharz mit UV-Licht aushärtet. Weil das Material Schritt für Schritt hinzugefügt wird, ist von einem additiven Verfahren die Rede.

CNC-Fräse

Auch eine CNC-Fräse erstellt aus einer digitalen Konstruktionszeichnung ein Objekt. Mit einem Bohrkopf bearbeitet sie einen Block aus Holz, Kunststoff oder Metall, bis die gewünschte Form übrig bleibt. Experten bezeichnen das auch als subtraktives Verfahren.

3D-Scanner

Wer ein Objekt nicht selbst konstruieren will, kann sich mit einem 3D-Scanner behelfen. Dieser tastet mit einem Laser oder einer Kamera Gegenstände ab und wandelt sie in ein 3D-Bild um.

Lasercutter

Ein Lasercutter schneidet Muster in verschiedene Materialien – von Holz bis Metall. Um daraus dreidimensionale Objekte zu erstellen, müssen Bastler mehrere dieser Platten übereinander kleben.

Computer

Wie beim 2D-Druck ist der Computer die Steuerungszentrale: Nutzer können am Bildschirm mit CAD-Software Konstruktionen entwerfen. Auch wenn sie Objekte mit einem 3D-Scanner erfassen, geht es nicht ohne die maschinellen Berechnungen.

Der aktuelle Hype hat jedoch einen anderen Grund: „Seit ein, zwei Jahren gibt es Lösungen für den Privatbereich“, sagt Fertigungstechniker Witt. Wie einst bei den Computern wird die Technik immer besser und billiger. Kosteten die Geräte vor drei Jahren noch locker 20.000 Dollar, gibt es jetzt Geräte für um die 1000 Dollar, Bausätze sind sogar noch günstiger. Auch Makerbot will mit seinem Replicator die Tüftler und Nerds erreichen, die sich so ein Gerät in den Hobbykeller stellen wollen.

Eine Miniaturfabrik in jedem Haushalt – das beflügelt die Fantasie. Jeder Mensch könne selbst zum Produzenten werden, meint etwa der amerikanische Technikjournalist und Unternehmer Chris Anderson. Diese Technologie stelle die herkömmliche Wirtschaftsordnung „von unten“ infrage, schreibt in seinem Buch „Makers“: „Die Alleinherrschaft wird den Unternehmen, Regierungen und anderen Institutionen entrissen und an die normalen Leute übergeben.“ Es zeichne sich eine neue industrielle Revolution ab.

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