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17.05.2016

06:46 Uhr

Ethno-Marken

Wie Mobilfunk-Anbieter um Migranten werben

Etwa 16,4 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund lebten 2014 in Deutschland - und viele telefonieren oft mit Familie und Freunden in der alten Heimat. Für die Mobilfunkanbieter bietet das einen attraktiven Markt.

Deutschlands Mobilfunker setzen im Kampf gegen sinkende Erlöse zunehmend auch auf Migranten als Kunden. dpa

Ethno-Marken der Mobilfunker

Deutschlands Mobilfunker setzen im Kampf gegen sinkende Erlöse zunehmend auch auf Migranten als Kunden.

FrankfurtDeutschlands Mobilfunker setzen im Kampf gegen sinkende Erlöse zunehmend auch auf Migranten als Kunden. Die im Branchenjargon Ethno-Marken genannten Anbieter wie Ay Yildiz, Turkcell oder Ortel werben mit speziellen Tarifen jeweils um eine bestimmte Zielgruppe. Nach Angaben eines Sprechers von Telefonica Deutschland ist das ein durchaus lukratives Geschäft: Zwar sei das Budget der Kunden oft begrenzt, mobile Kommunikation habe bei vielen Menschen mit Migrationshintergrund aber einen hohen Stellenwert. Daher gäben sie im Schnitt verhältnismäßig viel Geld dafür aus.

Mobilfunk in Deutschland: Wenig Orientierung im Tarifchaos

Mobilfunk in Deutschland

Wenig Orientierung im Tarifchaos

Der Zusammenschluss von O2 und E-Plus hat den deutschen Mobilfunkmarkt durcheinandergewirbelt. Das Wegbrechen eines Anbieters hat den Preiskampf nicht erlahmen lassen – aber das Tarifangebot wird immer unübersichtlicher.

Der Markt ist groß und wächst. Genaue Kunden- und Umsatzzahlen der sogenannten Ethno-Tarife veröffentlichen die Anbieter nicht. Das Statistische Bundesamt gibt bereits für 2014 - also vor dem großen Flüchtlingszustrom - die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland mit rund 16,4 Millionen an. Telefonica Deutschland, nach Kunden der größte Mobilfunker im Land, schätzt, dass rund ein Drittel davon Sim-Karten der Ethno-Marken nutzt.

Vor allem Prepaid-Angebote, also im Voraus bezahlte Sim-Karten, sind beliebt. Bei dem dort üblichen monatlichen Umsatz je Kunde zwischen 5 und 6 Euro schätzen Branchenkenner den Markt auf bis zu einer halben Milliarde Euro. Angesichts der gut 18 Milliarden Euro Umsatz der Netzbetreiber mit Mobilfunkdiensten im vergangenen Jahr kein übergroßer Batzen - aber doch zu groß, um ihn links liegen zu lassen, zumal die Nutzung wächst: 2014 gingen laut Bundesnetzagentur 3,7 Milliarden Sprachminuten aus deutschen Mobilfunknetzen ins Ausland - ein Plus von zwei Dritteln gegenüber 2010.

Die größten Mobilfunker der Welt

Platz 12

Deutsche Telekom

Umsatz: 42,8 Milliarden Euro*
Mobilfunkanschlüsse: 146,9 Millionen*

*Quelle: Statista, GSMA Intelligence; Umsätze wurden von Britischem Pfund in Euro umgerechnet (Kurs 1,3899 Euro), Stand: Zweites Quartal 2014

Platz 10

Telenor Group (Norwegen)

Umsatz: 12,1 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 175,6 Millionen

Platz 9

China Telecom (China)
Umsatz: 22,2 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 180,2 Millionen

Platz 8

Orange Group (Frankreich)

Umsatz: 22,4 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 184,6 Millionen

Platz 7

VimpelCom Group (Niederlande)

Umsatz: 15,8 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 218,2 Millionen

Platz 6

Telefónica Group (Spanien)

Umsatz: 42,0 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 249,4 Millionen

Platz 5

América Móvil Group (Mexiko)

Umsatz: 35,5 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 266,9 Millionen

Platz 4

Bharti Airtel Group (Indien)

Umsatz: 11,0 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 287,2 Millionen

Platz 3

China Unicorn

Umsatz: 29,9 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 295,0 Millionen

Platz 2

Vodafone Group (Großbritannien)

Umsatz: 58,5 Milliarden Euro
Mobilfunkanschlüsse: 435,9 Millionen

Platz 1

China Mobile

Umsatz: 92,3 Milliarden Euro
Mobilfunkverbindungen: 790,6 Millionen

Telefonica Deutschland (O2) hat gleich mehrere der speziellen Marken im Programm und bedient durch die milliardenschwere Übernahme von E-Plus manche Zielgruppe sogar mehrfach. So zählen die auf die türkische Community ausgerichteten Ay Yildiz und Türk Telekom dazu, aber auch die auf Osteuropa spezialisierte Ortel. Die Deutsche Telekom hat den Anbieter Turkcell Europe im Programm. Marktführer bei türkischstämmigen Mobiltelefonierern ist Ay Yildiz mit von Branchenkennern geschätzten mehr als einer Million Kunden. Vodafone hat keine eigenen Ethno-Marken, kooperiert aber mit Serviceprovidern, unter anderem mit dem britischen Unternehmen Lycamobile.

Das Geschäft mit den im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommenen Flüchtlingen spielt im Gegensatz dazu derzeit noch keine Rolle. Flüchtlinge sind zwar in besonderer Weise auf das Mobiltelefon angewiesen, brauchen aber zunächst keine Laufzeit-Verträge. O2-Chef Thorsten Dirks sagte mit Blick auf die Geschäftszahlen des vergangenen Jahres, dass der starke Flüchtlingszuzug sich bisher nicht in der Bilanz niederschlägt.

Von

dpa

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