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21.01.2010

11:59 Uhr

EU-Entscheidung

Oracle darf Sun Microsystems übernehmen

Der US-Softwarekonzern Oracle darf den Server- Spezialisten Sun Microsystems übernehmen. Die Europäische Kommission genehmigte den Zusammenschluss in Brüssel ohne Auflagen.

Oracle darf Sun übernehmen. ap

Oracle darf Sun übernehmen.

koe/rut/HB BRÜSSEL/FRANKFURT. Es drohe keine Einschränkung des Wettbewerbs im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR). Oracle will mit dem Kauf sein Datenbank-Geschäft stärken. Die EU-Kommission ist die oberste Wettbewerbsaufsicht in Europa und hatte Bedenken geäußert hinsichtlich der quelloffenen Datenbanken-Software MySQL.

Entscheidend für die Genehmigung war den Informationen zufolge das Versprechen Oracles, die zu Sun gehörende Datenbank MySQL zu erhalten und auszubauen. Entsprechende Zusicherungen hatte Oracle Mitte Dezember abgegeben, was die EU-Kommission positiv kommentiert hatte.

MySQL ist eine Open-Source-Software. Unabhängige Programmierer können auf den Quellcode, das Herzstück des Programms, zugreifen und die Software weiterentwickeln. Dafür müssen sie diese Weiterentwicklungen wiederum der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Für den Einsatz der Software fallen keine Lizenzkosten an, allerdings muss für Wartung und Service bezahlt werden.

Gegner der Übernahme haben Zweifel, ob Oracle die Zusagen einhält. Die Europaparlamentarierin Zuzana Roithova beschwerte sich Anfang Januar bei der EU-Kommission. Die Datenbank MySQL stehe im Wettbewerb mit von Oracle entwickelten Produkten, schrieb die polnische Abgeordnete an die Kommission. Insofern entstehe durch die Übernahme ein Interessenskonflikt. Die Kommission habe bei Oracle auch nicht auf wettbewerbsrechtlich einwandfreie und damit einklagbare Nachbesserungen bestanden.

Vielmehr sei es bei vagen Versprechungen geblieben. Dieser Einwand ist auch aus Anwaltskreisen in Brüssel zu hören. Noch nie habe die Kommission allein auf der Grundlage einfacher, rechtlich nicht abgesicherter Versprechungen eine derart bedeutende Übernahme genehmigt, monieren Kartellanwälte.

Oracle-Gründer und -Chef Larry Ellison hatte die Entscheidung für eine verlängerte Prüfung mit deutlicher Kritik an der Behörde kommentiert, was in solchen Fällen sehr ungewöhnlich ist. Oracle verliere dadurch monatlich 100 Mio. Dollar, klagte er.

Oracle will den Server- und Softwarehersteller Sun für sieben Mrd. Dollar übernehmen. Der Deal sorgt seit Monaten für Streit. So zeigte sich die US-Wettbewerbsaufsicht, die die Transaktion zügig durchgewinkt hatte, irritiert, dass die EU-Kollegen eine intensive Prüfung einleiteten. Das wiederum hatte in Brüssel für Verstimmung gesorgt.

Trotz des EU-Votums kämpft MySQL-Gründer Michael Widenius weiter gegen die Übernahme und hat auf seiner Website schon 30 000 Unterschriften gegen den Deal gesammelt. Er setzt jetzt auf den Widerstand der russischen und chinesischen Kartellbehörden.

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