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04.12.2013

19:30 Uhr

EU genehmigt Milliarden-Deal

Microsoft darf Nokias Handy-Sparte kaufen

Die EU-Kommission hat keine Einwände: Die obersten Kartellwächter Europas erlauben Nokia, seine Handysparte an Microsoft zu verkaufen. Gerade im Smartphone-Geschäft könnten die Amerikaner profitieren.

Nokias Lumia-Smartphones laufen schon heute mit dem Betriebssystem von Microsoft. Der Marktanteil der Geräte aus Finnland ist zuletzt stetig nach oben geklettert. Reuters

Nokias Lumia-Smartphones laufen schon heute mit dem Betriebssystem von Microsoft. Der Marktanteil der Geräte aus Finnland ist zuletzt stetig nach oben geklettert.

BrüsselNokia hat grünes Licht aus Brüssel für den Verkauf seiner Handysparte an den Softwareriesen Microsoft bekommen. Die obersten Kartellwächter in der EU genehmigten am Mittwoch das Vorhaben ohne Auflagen. Das teilte die EU-Kommission mit.

Damit sind die beiden Konzerne ihrem 5,44 Milliarden Euro schweren Deal einen wichtigen Schritt näher gekommen. Nokia zufolge müssen nun noch Behörden in elf Ländern zustimmen, darunter China. Das finnische Unternehmen geht davon aus, das Geschäft im ersten Quartal 2014 perfekt machen zu können.

Bereits Anfang September hatte Nokia bekanntgegeben, die traditionsreiche Handysparte für 3,79 Milliarden Euro an Microsoft abzugeben. Die Amerikaner wollen weitere 1,65 Milliarden Euro für Patente zahlen. Im November stimmten die Nokia-Aktionäre dem Deal zu.

Nokias Baustellen

Konzern im Wandel

Es ist eine Zeitenwende für Nokia: Der finnische Konzern hat sein Kerngeschäft mit Handys an Microsoft verkauft. In den letzten Jahren hatte er an Marktanteilen verloren und rote Zahlen geschrieben. Das neue Nokia ruht auf drei Säulen.

Billig-Handys

Nokia ist immer noch einer der wichtigsten Hersteller günstiger Handys – sie finden vor allem in den Schwellenländern immer noch Käufer. Allerdings machen Hersteller wie Huawei und ZTE dem finnischen Unternehmen das Leben schwer, zudem können sich auch in Indien, China oder auf den Philippinen immer mehr Menschen Smartphones leisten. Auch diese Sparte verkauft der finnische Konzern nun an Microsoft.

Netzwerktechnik

Die wichtigste Säule des Konzerns ist jetzt die Netzwerktechnik. Im Juli 2013 kaufte Nokia den Partner Siemens für 1,7 Milliarden Dollar aus dem Joint Venture heraus, um das Geschäft wieder allein zu betreiben. Angesichts des Smartphone-Booms wirkt der Aufbau von Netzen der Mobilfunk-Anbieter auf den ersten Blick als sicheres Geschäft, doch in der Branche herrscht ein harter Wettbewerb. NSN konkurriert mit Ericsson, Alcatel-Lucent und den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Der Preiskampf wird weiter anhalten, zumindest muss sich Nokia nicht mehr mit einem Partner über die Strategie streiten.

Landkarten

Das zweite große Nokia-Standbein sind die Kartendienste unter dem Markennamen Here. Hier kauften die Finnen bereits 2007 für gut acht Milliarden Dollar den Karten-Spezialisten Navteq und investierten seitdem massiv in den Aufbau eines vollwertigen Online-Angebots sowie Navigationsdiensten. Allerdings ist das Geschäft teuer und die Konkurrenz groß – gerade Google gibt viel Geld aus. Nokia will seine Kartendienste auf andere Betriebssysteme bringen, die Daten werden bereits in vielen Auto-Navigationssystemen genutzt. Zu einem großen Teil werden die Nokia-Kartendienste in Berlin entwickelt.

Patente

Nokia hält ein umfangreiches Patentportfolio – das Geschäft mit Lizenzen soll künftig die dritte Säule des neu ausgerichteten Konzerns werden.

Europas Wettbewerbshüter haben keine Bedenken. Die Tätigkeiten beider Unternehmen überschnitten sich nur geringfügig, und es gebe ausreichend Konkurrenz, schrieb die EU-Kommission. Zudem sei es unwahrscheinlich, dass Wettbewerber vom Markt ausgeschlossen würden, wenn Microsoft seine mobilen Betriebssysteme und Anwendungen mit den von Nokia angebotenen Mobilgeräten kombiniere.

Der Verkauf bedeutet eine Zeitenwende für die Finnen. Ohne die Handysparte verliert Nokia nach Zahlen aus dem Jahr 2012 rund die Hälfte der Umsätze. Der Konzern will sein Hauptgeschäft künftig mit digitalen Kartendiensten und dem Netzwerkausrüster NSN machen.

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