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21.05.2015

14:32 Uhr

Europa-Chef von Lenovo

„Wir wollen die Nummer eins in Europa werden“

VonJoachim Hofer

Lenovo wächst kräftig, niemand verkauft weltweit so viele PCs und Notebooks wie die Chinesen. In Europa allerdings hinkt der Konzern dem Rivalen HP hinterher. Ein ehemaliger HP-Manager soll nun die Aufholjagd anführen.

Das Unternehmen ist Weltmarktführer der PC-Branche. ap

Lenovo-Store in Peking

Das Unternehmen ist Weltmarktführer der PC-Branche.

MünchenViele Jahre lang arbeitete Yuanqing Yang auf ein Ziel hin: Der Chef von Lenovo wollte die Nummer eins der PC-Branche werden. Vor zwei Jahren hat es der Unternehmer aus Peking geschafft: Der heute 50-Jährige überrundete den Rivalen Hewlett-Packard. Lenovo wurde Weltmarktführer.

In Europa hinken die Chinesen dem Traditionsunternehmen aus dem Silicon Valley freilich noch immer hinterher. Mit Eric Cador allerdings hat Lenovo jetzt einen Manager angeheuert, der genau weiß, wie man zwischen Nordkap und Mittelmeer Computer verkauft. Fast drei Jahrzehnte lang hat er für HP gearbeitet und bis vor zwei Jahren deren PC- und Druckergeschäft in Europa geführt.

Seit 1. Mai ist Cador nun bei Lenovo an Bord, und will seinem ehemaligen Arbeitgeber bald auch in Europa die Krone der PC-Branche abluchsen. „Es ist gut, die Nummer zwei zu sein, aber Platz eins wäre natürlich besser“, sagte er am Donnerstag dem Handelsblatt. Europa ist wichtig für die Asiaten, mehr als ein Viertel vom Umsatz stammt aus der Region.

HP hat im ersten Quartal den Marktforschern von IDC zufolge in Europa 4,7 Millionen PCs und Laptops verkauft, Lenovo kam auf gut 4,1 Millionen. Allerdings ist Lenovo im Jahresvergleich um ein Fünftel gewachsen, während der Absatz von HP stagnierte. Doch das Geschäft ist schwierig: Es tobt ein heftiger Preiskampf in der Branche, weil der Markt schrumpft. Insgesamt gingen in den ersten drei Monaten des Jahres nur noch 20,2 Millionen Geräte über die Ladentheken in Europa, fast acht Prozent weniger als 2014.

30 Jahre Lenovo

1984: Gründung

Eine Gruppe von elf chinesischen Wissenschaftlern gründet die Firma unter dem Namen Legend. Die Chinesische Akademie der Wissenschaften hilft mit einem Darlehen und Räumen. Anfangs verkauft die Firma die Geräte anderer Hersteller, 1990 baute sie eine eigene Fertigung auf.

1994: Börsengang in Hongkong

Im Februar 1994 geht Lenovo in Honkong zu einem Preis von 1,33 Hongkong-Dollar pro Aktie an die Börse, Börsenkürzel: LNVGY.

2003: Namensänderung

1997 ist Legend der größte PC-Hersteller in China. Doch das Unternehmen will international expandieren. Da der Name Legend in einigen Märkten bereits besetzt ist, benennt es sich um in Lenovo. Darin steckt noch etwas vom alten Namen, es deutet aber auch auf das Neue.

2004: Kauf der PC-Sparte von IBM

Das Thinkpad ist der Favorit der Manager, dennoch will sich IBM von seiner PC-Sparte mit dem legendären Laptop trennen. Lenovo übernimmt das Geschäft für 1,75 Milliarden Dollar.

2011: Übernahme von Medion

Auch in Deutschland suchte sich Lenovo Verstärkung: Der Konzern übernahm den Elektronikhersteller Medion, der sich vor allem durch den Verkauf beim Discounter einen Namen gemacht hat. Kaufpreis: 630 Millionen Euro.

2014: Übernahme von Motorola

Lenovo stellt bereits unter eigenem Namen Smartphone und Tablets her, mit Motorola kauft der Konzern einen Hersteller hinzu, der auch im Westen einen bekannten Namen hat – wenn auch nicht mehr viel Marktanteil. Zusammen sind sie drittgrößter Smartphone-Hersteller der Welt.

2014: Kauf der Serversparte von IBM

Und wieder übernimmt Lenovo ein schwieriges Geschäft von IBM: Das chinesische Unternehmen kauft die Serversparte. Die Mainframes behält IBM aber.

Wann Lenovo den Rivalen HP in Europa überholen wird, ließ Cador offen. „Ob das in sechs, zwölf oder achtzehn Monaten sein wird, wir werden es sehen“, so der Manager. Es gebe aber keinen Zweifel, dass Lenovo auch in Europa an die Spitze wolle. „Wir wollen hier die Nummer eins werden.“

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