Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.02.2016

15:46 Uhr

European Games Group

Das Geschäft mit dem Gaming

VonAxel Höpner

Das Geschäft mit Gratis-Spielen für Gelegenheits-Daddler boomt weiter. Auch der Münchener Unternehmer Johannes Sevket Gözalan mischt da mit. Er will seine European Games Group zu einem Branchenriesen machen.

Gözalan vermarktet Online-Games, die nebenher auf dem Rechner oder dem Handy gespielt werden können. PR

„Hero Zero“

Gözalan vermarktet Online-Games, die nebenher auf dem Rechner oder dem Handy gespielt werden können.

MünchenFür ein kleines Computerspiel nebenher während der Arbeit hat Johannes Sevket Gözalan wohl weder die Zeit, noch die Muse. Der Münchener ist leidenschaftlicher Unternehmer. Im blauen Anzug mit rosa Hemd sitzt der 55-jährige Deutsch-Türke in einem Münchener Luxushotel und erläutert mit intensiven Gesten und leuchtenden Augen sein Geschäftsmodell. „Ich bin kein Gamer“, sagt er, „doch ich wollte schon immer Games machen.“

Das Potenzial von Online-Spielen hatte Gözalan schon früh gesehen. Als Chef des Spielemagazin-Herausgebers Computec gründete er einst die größte Online-Internetseite für World-of-Warcraft-Spieler. „Mir war immer klar, dass Spiele einer der großen Treiber im Internet sein wird.“ Heute vermarktet er Online-Games, die nebenher auf dem Rechner oder dem Handy gespielt werden können.

Dabei setzt er auf eine in der Branche ungewöhnliche Arbeitsteilung: Spiele-Entwickler können mit fertig und auf eigene Kosten entwickelten Spieler zu einer European Games Group kommen. Die vermarktet das Spiel dann weltweit. Die Einnahmen werden geteilt. „Du brauchst als Entwickler heute keinen mehr, der dich enteignet“, sagt Gözalan. Er selbst muss im Gegenzug nicht das oft große und kostspielige Risiko der Spiele-Entwicklung tragen.

Geschäftsmodelle der Spielebranche

Verkauf

Ein Entwickler arbeitet Monate oder Jahre an einem Spiel. Wenn es fertig ist, wird es zu einem festen Preis auf den Markt gebracht. Nach wie vor setzen viele Anbieter auf den klassischen Verkauf, ob Einzelkämpfer, die eine iPhone-App programmieren, oder große Studios mit Produktionen im Hollywood-Stil. Ob die Nutzer ins Geschäft gehen oder sich den Titel herunterladen, spielt dabei keine Rolle.

Abo-Modelle

Jede Stunde oder jeder Monat kostet – nach diesem Prinzip rechnen die Anbieter von Abo-Spielen ab. Wenn sie einen treuen Stamm von Spielern an sich binden können, schaffen sie einen stetigen Umsatzstrom. Dafür müssen sie allerdings auch ständig etwas Neues bieten, sonst sind die zahlenden Kunden weg. „World of Warcraft“ ist der Prototyp dieses Geschäftsmodells.

Free To Play

Das Spiel an sich ist gratis, aber die Extras kosten. Die Anbieter von Free-to-play-Spielen verdienen ihr Geld mit virtuellen Zauberstäben, Raumschiffen oder Rüstungen. Obwohl nur ein Bruchteil der Nutzer zahlt, kann das lukrativ sein. Da die Einstiegshürde niedrig ist, gewinnen die Anbieter viele Gelegenheitsspieler. Vorreiter sind Unternehmen wie Zynga und Bigpoint, doch auch viele Branchen-Dinos setzen inzwischen auf dieses Modell.

Werbung

Bandenwerbung im Fußballstadion, Aufkleber auf Rennwagen, gesponsorte Figuren: Computerspiele sind eine Plattform für Reklame. Der Anteil am Gesamtumsatz der Branche ist allerdings noch klein.

Crowdfunding

Wer keinen großen Geldgeber findet, fragt einfach viele Kleininvestoren. Beim Crowdfunding – der Schwarmfinanzierung – versorgen sich Unternehmen über Plattformen wie Kickstarter mit Kapital; Nutzer können kleine Beträge zur Verfügung stellen und bekommen im Gegenzug das fertige Produkt oder Extras.

Bislang geht die Rechnung auf. Mit Spielen wie „Hero Zero“ oder dem aus Frankreich kommenden Kochspiel „Tasty Tale“ will die Gruppe den Nettoumsatz im laufenden Jahr auf 14 Millionen Euro erneut verdoppeln, wenn die aktuelle Finanzierungsrunde klappt. Mittelfristig sollen die Erlöse dann auf 45 Millionen Euro steigen. Auf längere Sicht hält Gözalan auch mehr als 100 Millionen Euro bei operativen Umsatzrenditen von mehr als 25 Prozent für möglich, wenn die Gruppe bei den Hits das richtige Händchen hat.

Gözalans Vision ist es, dass die European Games Group das größte Entwicklernetzwerk der Welt wird. Derzeit wirbt der Mehrheitseigentümer bei Investoren für eine neue Finanzierungsrunde. Mit dem Erlös soll vor allem die weltweite Marketingkraft verstärkt werden. „Natürlich kann ich mir auch irgendwann einen Börsengang vorstellen“, sagt Gözalan.

Die Computerspielebranche ist zwar keine einfache, aber eine attraktive. Laut den Marktforschern von der GfK gibt es mehr als 33 Millionen Computerspieler in Deutschland. Der Markt für Computer- und Videospiele ist ohne die Hardware knapp zwei Milliarden Euro groß.

Die European Games Group ist auf sogenannte Browser-Games spezialisiert, die sich ohne spezielle Konsole spielen lassen. Bei Kindern beliebt ist derzeit zum Beispiel Minion Rush vom Konkurrenten Gameloft, nach eigenen Angaben weltgrößter Entwickler und Herausgeber von Spielen für mobile Geräte. In früheren Jahren war Farmville von Zynga sehr erfolgreich. Weltweit erfolgreichstes Browsergame war zuletzt Candy Crush Saga mit allein 11,7 Millionen täglichen Nutzern auf Facebook. Entwickelt hat das Spiel King, der achtgrößte Spiele-Herausgeber weltweit mit einem Umsatz von zuletzt 1,5 Milliarden Euro. An der Spitze steht Sony mit knapp zehn Milliarden Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×