Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.04.2017

13:01 Uhr

Evan Spiegel sorgt für Ärger

Indiens Aufstand gegen Snapchat

VonMathias Peer

Snapchat-Gründer Evan Spiegel kämpft mit großen Problemen in Indien. Weil er sich abfällig über arme Länder geäußert haben soll, wird massiv zum Boykott der App aufgerufen. Die Folgen gehen weit über das Land hinaus.

Das von Evan Spiegel gegründete Unternehmen kam zuletzt nicht nur in Indien unter Druck: dpa

Snapchat

Das von Evan Spiegel gegründete Unternehmen kam zuletzt nicht nur in Indien unter Druck:

BangkokSnapchat gehört zu den wertvollsten Smartphone-Apps der Welt. Doch viele Inder haben für das Programm nur Verachtung übrig: „Die schlechteste App, die ich je benutzt habe“, kommentiert einer von ihnen auf Googles App-Plattform. Ein anderer schreibt: „Das ist eine dumme App für dumme Leute.“ Alle paar Minuten erscheint ein neuer Kommentar mit nur einem Stern – der schlechtesten Bewertung. Was die Nutzer stört, ist nicht die Software selbst, sondern ihr Erfinder: Evan Spiegel, der 26 Jahre alte Gründer des Technologie-Start-ups Snap, ist binnen weniger Tage zum Feindbild Tausender Inder aufgestiegen.

Grund für die Empörung sind angebliche abfällige Bemerkungen Spiegels über Indien, die er in einer Besprechung gemacht haben soll. Sie wurden durch die Klage des ehemaligen Snapchat-Managers Anthony Pompliano zum Thema, der 2015 bereits nach drei Wochen bei dem Start-up gefeuert wurde. Er wirft dem Unternehmen nun vor, ihn entlassen zu haben, weil er interne Missstände aufgedeckt habe.

Snapchat in Deutschland: Die Risiken und Nebenwirkungen des Schnipseldienstes

Snapchat in Deutschland

Premium Die Risiken und Nebenwirkungen des Schnipseldienstes

Mit Marianne Bullwinkel verpflichtet Snap eine erfahrene Medienmanagerin als Chefin für den deutschsprachigen Raum. Der Konzern setzt zum Angriff auf den Werbemarkt an. Wie stehen die Chancen? Eine Analyse.

Dazu gehört nach Angaben Pomplianos eine fragwürdige Einstellung des Top-Managements gegenüber armen Ländern. In seiner Klageschrift zitiert er Firmenchef Spiegel mit den Worten: „Diese App ist nur etwas für reiche Leute. Ich will nicht in armen Ländern wie Indien und Spanien expandieren.“

Spiegel weist die Darstellung zurück. „Das ist lächerlich“, heißt es bei der Pressestelle von Snap, das Anfang des Jahres bei einem Börsengang mit 28 Milliarden Dollar bewertet wurde. Selbstverständlich sei Snapchat – eine App zum Verschicken von Bildern, Videos und Textnachrichten – für jeden da und könne weltweit heruntergeladen werden. Das Dementi kam jedoch zu spät, um den öffentlichen Zorn in Indiens sozialen Medien zu stoppen.

Sechs Entwicklungen, die die kommenden Jahre beherrschen

Computing überall

Mobile Geräte bieten ständigen Online-Anschluss. Dadurch ist die kontinuierliche und damit aktuelle, weltweite Information der Nutzer, auch in der Produktion und im Handel, möglich.

Internet der Dinge (IoT)

Geräte tauschen untereinander und mit den Nutzern automatisch Infos aus. Etwa die Haushaltsgeräte mit dem Stromzähler, um die günstigsten Verbrauchszeiten herauszufinden.

3-D-Druck

Die neuen Drucker können fast jedes dreidimensionale Objekt herstellen. Typische Materialien sind Kunststoffe, Kunstharze, Keramiken und Metalle.

Big Data

Große Datenmengen, etwa aus dem IoT, von Social Media oder aus mobilen Geräten, werden automatisch analysiert und sind in Anwendungen eingebettet.

Intelligente Maschinen

Sie lernen selbstständig und handeln entsprechend dem Trends zur Industrie 4.0. Die smarten Maschinen gelten als Technologie, die vorhandene Geräte weitgehend ersetzt.

Systeme mit Umgebungsdaten

Sie erfassen, etwa via Sensoren, den Kontext der Nutzer und der Geräte und liefern ausgewählte Daten. Damit lassen sich zum Beispiel Sicherheitssysteme verstärken.

Quelle: Creditreform 1 2017

„Wenn Inder noch ein wenig Selbstachtung haben, dann deinstallieren sie jetzt Snapchat und verpassen diesem arroganten, kopflosen Huhn einen Tritt“, schrieb der einflussreiche Twitter-Nutzer Gaurav Pradhan an seine 80.000 Follower, zu denen auch Premierminister Narendra Modi gehört.

Die Aufforderung wurde hundertfach geteilt und erzielte Wirkung: Das Schlagwort #UninstallSnapchat war unter indischen Twitter-Nutzern in den vergangenen Tagen einer der meistgenutzten Begriffe. Den Ärger zu spüren bekam Snapchat auch über die Grenzen des Subkontinents hinaus: Denn die schlechten Noten der verärgerten indischen Nutzer im Play Store von Google und in Apples App Store ließen die Gesamtbewertung des Dienstes deutlich absinken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×