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03.09.2013

10:09 Uhr

Ex-Nokia-Chef Elop

Der „trojanische Manager“

VonAxel Postinett

Mit dem Kauf von Nokias Handy-Sparte durch Microsoft kehrt Nokia-Chef Stephen Elop zu seinen Wurzeln bei dem Software-Riesen zurück. Das dürfte Gerüchte schüren, nach denen er im Unternehmen nur eingeschleust war.

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Die Legende von Troja ist so alt wie bekannt: Um die Stadt zu erobern, schleusten die Griechen ein hölzernes Pferd hinter die Stadtmauern. Im Rumpf des Geschenks versteckten sich Soldaten und schlugen nachts zu. Auf diese Weise gewannen die Griechen den Trojanischen Krieg. Ganz so dramatisch geht es bei Microsoft und Nokia nicht zu. Doch manchen galt Nokia-Chef Stephen Elop von Anfang an als „trojanischer Manager“, vorgeschoben vom Softwareriesen aus Redmond, um Nokia am Ende zu übernehmen.

Elop schaffte es nun, nur den Teil an Microsoft zu übergeben, der für den Softwarekonzern wirklich zählt: die Hardwareproduktion. Wie die Unternehmen am Dienstag früh mitteilten, übernimmt Microsoft das Smartphone-Geschäft von Nokia. Der Preis liegt bei insgesamt 5,44 Milliarden Euro. Elop macht Platz für einen Übergangs-Chef bei Nokia und kehrt zurück zu seinen Wurzeln bei Microsoft.

Das dürfte die Gerüchte um den eingeschleusten Manager wieder schüren. Zum ersten Mal sah sich Elop im Jahr 2011 dem Vorwurf ausgesetzt, ein „trojanischer Manager“ zu sein. Erst im September 2010 war Elop damals von Microsoft zu Nokia gewechselt, bereits im Februar 2011 verkündete er eine milliardenschwere Kooperation mit dem US-Softwareriesen, die die Abkehr vom Nokia-eigenen Betriebssystem Symbian zur Folge hatte. Fortan liefen die Nokia-Smartphones mit dem Betriebssystem von Microsoft.

Der globale Smartphone-Markt

Gesamtmarkt

Der Smartphone-Markt wuchs 2013 rasant: Die Hersteller setzten laut dem Marktforscher Gartner 968 Millionen Geräte ab, ein Plus von 42,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt verkauften die Unternehmen 1,8 Milliarden Mobiltelefone, also erstmals mehr Smartphones als einfache Handys.

Samsung

Nach Stückzahlen ist inzwischen Samsung die unangefochtene Nummer eins unter den Smartphone-Herstellern. Die Südkoreaner verkauften im vergangenen Jahr nach Schätzungen der Marktforschungsfirma Gartner 300 Millionen Computer-Handys. Damit kam fast jedes dritte weltweit verkaufte Smartphone von Samsung, wobei der Marktanteil leicht sank. Insgesamt setzte der Konzern 444 Millionen Handys ab.

Apple

Apple war 2013 mit knapp 151 Millionen verkauften iPhones die Nummer zwei im Smartphone-Markt, der Marktanteil rutschte jedoch auf 15,6 Prozent ab.

LG

Fast gleichauf mit Huawei war LG Electronics. Der südkoreanische Hersteller verkaufte rund 46 Millionen Smartphones und verdoppelte fast damit den Absatz, der Markanteil liegt nun bei 4,8 Prozent. Einschließlich einfacher Mobiltelefone verkaufte LG 69 Millionen Geräte (3,8 Prozent Marktanteil).

Lenovo

Lenovo ist bislang vom chinesischen Heimatmarkt abhängig. Der Konzern verkaufte 2013 knapp 44 Millionen Smartphones (4,5 Prozent Marktanteil). Mit der Übernahme von Motorola dürfte der Konzern aber den Absatz künftig deutlich steigern.

ZTE

ZTE verkaufte im zweiten Quartal 10,1 Millionen Smartphones, ein deutliches Plus von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Marktanteil liegt bei 4,2 Prozent. Insgesamt setzte der chinesische Hersteller 15,3 Millionen Handys ab.

Nokia

Nokia war 2013 mit 250 Millionen Geräten und 13,9 Prozent Marktanteil immer noch der zweitgrößte Handyhersteller, verlor aber weiter an Boden. Im lukrativen Smartphone-Markt läuft das Unternehmen unter „ferner liefen“. Die Gerätesparte übernimmt Microsoft.

Sonstige

Viele Unternehmen mit klangvollen Namen haben derzeit weniger als 4 Prozent Marktanteil, darunter Sony, HTC und Blackberry.

Für Elop könnte die Übernahme von Nokia durch Microsoft nun zusätzlich ein weiterer Karrieresprung sein. Seit der Ankündigung des Rückzugs von Steve Ballmer als Chef wird intensiv nach einem Nachfolger gesucht. Elop ist bereits seit längerem im Gespräch. Er werde voraussichtlich nach dem Abschluss der Übernahme im ersten Quartal 2014 zu Microsoft wechseln, teilte Nokia am Dienstag mit. Zur seiner künftigen Rolle bei Microsoft äußerten sich die beiden Unternehmen nicht. „Stephen wird vom externen Kandidaten zum internen“, sagte Ballmer im Gespräch mit der „Seattle Times“. Man werde weiterhin nach geeigneten Bewerbern Ausschau halten.

Wird Elop tatsächlich der neue CEO, erinnert die Transaktion an 1997, als Steve Jobs zu Apple zurückkam. Damals kaufte Apple seine Firma Next, um ihn wieder an Bord zu holen und machte ihn später zum CEO. Elop brächte als Morgengabe die wichtigste Zukunftssparte Microsofts mit.

Dank des Kaufes wird Microsoft in Zukunft nicht nur eigene Tablets der Marke Surface vertreiben, sondern auch eigene Smartphones. In Finnland bleibt nur noch ein Torso des einstigen nationalen Vorzeigeunternehmens mit knapp der Hälfte des ursprünglichen Umsatzes zurück.

Kommentare (1)

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Domenq

03.09.2013, 11:23 Uhr

Die Gerüchte gab es direkt nach seinem Wechsel zu Nokia; dass sie sich nun bestätigen, ist sicher nur Zufall.

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