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25.09.2013

17:06 Uhr

Ex-Nokia-Chef

Finnen entrüstet über Auszahlung für Elop

Nokia-Chef Stephen Elop kam einst von Microsoft und wechselt nun wieder zurück zum Software-Konzern. Die Rückkehr wird ihm mit einer Zahlung in Millionenhöhe versüßt. Die Finnen sind sauer.

Knapp 19 Millionen Euro erhält Nokia-Chef Stephen Elop, wenn er wie geplant zu Microsoft zurückkehrt. dpa

Knapp 19 Millionen Euro erhält Nokia-Chef Stephen Elop, wenn er wie geplant zu Microsoft zurückkehrt.

EspooDer Millionen-Geldregen für den bisherigen Nokia-Chef Stephen Elop nach dem Verkauf der Handy-Sparte an Microsoft schlägt in Finnland hohe Wellen. Die Zeitung „Helsingin Sanomat“ berichtete, Nokia habe nach der öffentlichen Kritik versucht, Elop zum Verzicht zumindest auf einen Teil des insgesamt knapp 19 Millionen Euro schweren Vergütungspakets zu bewegen. Dieser lehne das aber unter Hinweis auf ein Scheidungsverfahren ab, schrieb die Zeitung am Mittwoch.

Nokia hatte die Zahlung für Elop vergangene Woche bekanntgegeben. Er soll demnach unter anderem das Gehalt für die restliche Laufzeit seines Vertrages sowie den Wert von Aktienpaketen ausbezahlt bekommen. Der Betrag wurde auf 18,8 Millionen Euro geschätzt, Microsoft soll 70 Prozent davon übernehmen. Elop kehrt im Zuge des Verkaufs von Nokias Handysparte zu seinem früheren Arbeitgeber Microsoft zurück. Er übernimmt dort die Führung der Geräte-Sparte.

Der Betrag sorgt seit Tagen für Aufregung in Finnland. Regierungschef Jyrki Katainen sprach am Wochenende von einer frappierenden Summe. Wirtschaftsminister Jan Vapaavuori soll angezweifelt haben, ob die hohe Zahlung verdient sei, berichtete die BBC. Und Gewerkschaftschef Lauri Lyly erklärte dazu, die Vergütung der Top-Manager sei völlig außer Kontrolle geraten.

Nokias Baustellen

Konzern im Wandel

Es ist eine Zeitenwende für Nokia: Der finnische Konzern hat sein Kerngeschäft mit Handys an Microsoft verkauft. In den letzten Jahren hatte er an Marktanteilen verloren und rote Zahlen geschrieben. Das neue Nokia ruht auf drei Säulen.

Billig-Handys

Nokia ist immer noch einer der wichtigsten Hersteller günstiger Handys – sie finden vor allem in den Schwellenländern immer noch Käufer. Allerdings machen Hersteller wie Huawei und ZTE dem finnischen Unternehmen das Leben schwer, zudem können sich auch in Indien, China oder auf den Philippinen immer mehr Menschen Smartphones leisten. Auch diese Sparte verkauft der finnische Konzern nun an Microsoft.

Netzwerktechnik

Die wichtigste Säule des Konzerns ist jetzt die Netzwerktechnik. Im Juli 2013 kaufte Nokia den Partner Siemens für 1,7 Milliarden Dollar aus dem Joint Venture heraus, um das Geschäft wieder allein zu betreiben. Angesichts des Smartphone-Booms wirkt der Aufbau von Netzen der Mobilfunk-Anbieter auf den ersten Blick als sicheres Geschäft, doch in der Branche herrscht ein harter Wettbewerb. NSN konkurriert mit Ericsson, Alcatel-Lucent und den chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Der Preiskampf wird weiter anhalten, zumindest muss sich Nokia nicht mehr mit einem Partner über die Strategie streiten.

Landkarten

Das zweite große Nokia-Standbein sind die Kartendienste unter dem Markennamen Here. Hier kauften die Finnen bereits 2007 für gut acht Milliarden Dollar den Karten-Spezialisten Navteq und investierten seitdem massiv in den Aufbau eines vollwertigen Online-Angebots sowie Navigationsdiensten. Allerdings ist das Geschäft teuer und die Konkurrenz groß – gerade Google gibt viel Geld aus. Nokia will seine Kartendienste auf andere Betriebssysteme bringen, die Daten werden bereits in vielen Auto-Navigationssystemen genutzt. Zu einem großen Teil werden die Nokia-Kartendienste in Berlin entwickelt.

Patente

Nokia hält ein umfangreiches Patentportfolio – das Geschäft mit Lizenzen soll künftig die dritte Säule des neu ausgerichteten Konzerns werden.

Zudem musste der amtierende Nokia-Chef Risto Siilasmaa seine erste Erklärung zurückziehen, dass Elop den gleichen Vertrag bekommen habe wie der Vorgänger Olli-Pekka Kallasvuo. „Helsingin Sanomat“ hatte mit einer Recherche in Pflichtmitteilungen nachgewiesen, dass dies nicht der Fall war, Siilasmaa räumte daraufhin einen Fehler ein.

Der einstige Weltmarktführer Nokia hatte Anfang des Monats den Verkauf des Handygeschäfts an Microsoft angekündigt. Microsoft zahlt dafür 3,79 Milliarden Euro und legt noch 1,65 Milliarden Euro für Patentlizenzen drauf. Für den 19. November ist eine außerordentliche Aktionärsversammlung einberufen, die das Geschäft absegnen soll. Die Zahlung für Elop war in den Unterlagen für das Treffen veröffentlicht worden.

Elop war im September 2010 Nokia-Chef geworden. Schon nach wenigen Monaten ging er auf Microsoft zu: Im Februar 2011 stiegen die Finnen bei ihren Smartphones auf das Betriebssystem Windows Phone um. Bei Microsoft wird Elop als möglicher Nachfolger für Konzernchef Steve Ballmer gehandelt, der sich bis zum kommenden August von der Konzernspitze zurückziehen will.

Nokia als Handy-Weltmarktführer gehörte über Jahre zum nationalen Selbstverständnis der Finnen dazu. Umso schmerzhafter wurde der Niedergang und jetzt auch der Verkauf des Handy-Geschäfts aufgenommen. Nokia liegt bei Verkäufen der lukrativen Smartphones weit hinter den Marktführern Samsung und Apple zurück.

Von

dpa

Kommentare (1)

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bombi

25.09.2013, 14:01 Uhr

Nachtigall ick hör dir trappsen ;-)

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