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23.01.2014

04:05 Uhr

Expansion in Europa

Online-Videothek Netflix wächst ungebremst

VonAxel Postinett

Der Gewinn explodiert, neue Kunden kommen in Millionen: Netflix hat den US-Fernsehmarkt praktisch im Alleingang umgekrempelt. Jetzt ist Europa dran. Die Zeit ist reif für Deutschland.

Auf dem Sprung nach Europa: Die Online-Videothek Netflix plant eine Ausweitung des Angebots. ap

Auf dem Sprung nach Europa: Die Online-Videothek Netflix plant eine Ausweitung des Angebots.

San FranciscoAn der Wall Street gab es kein Halten mehr. Um fast 18 Prozent schoss die mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 280 ohnehin schon teure Aktie auf über 390 Dollar nach oben. Auslöser waren ein unerwartet starker Zuwachs bei Neukunden für den Online-Videodienst Netflix und eine glatte Versechsfachung des Nettogewinns auf 48 Millionen Dollar.

Neben 2,3 Millionen neuen Kunden in den USA kamen noch international 1,7 Millionen hinzu. Damit zählt der heute weltgrößte Online-Videodient aus der kalifornischen Kleinstadt und Millionärsenklave Los Gatos insgesamt 44 Millionen zahlende Kunden. Für acht Dollar im Monat bekommen sie eine große Anzahl von Spielfilmen und TV-Shows, wobei Eigenproduktionen wie „House of Cards“ bereits begehrte TV-Preise gewonnen haben. Die Dokumentation „The Square“ über die ägyptische Revolution bekam vorige Woche die erste Oscar-Nominierung für eine Netflix-Produktion.

Günstige Preise, breite Auswahl und beliebte Eigenproduktionen sind eine gefährliche Mischung für traditionelle Kabel-TV-Unternehmen. Sie leben davon, ihren Kunden so viele teure Zusatzpakete zu verkaufen wie möglich. Die typische Kabel-TV-Rechnung eines US-Privathaushaltes liegt schnell bei 100 Dollar und mehr pro Monat, besonders für Freunde von Sport-Großereignissen wie Football oder Baseball. Netflix ist dementsprechend zuversichtlich und geht für das laufende Quartal von einem erneuten Kundenwachstum in den USA von 2,25 Millionen aus.

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Weltweit schauen 40 Millionen Menschen TV auf Netflix, einer als Online-Videoverleiher gestarteten Webseite aus den USA. Erstmals hat die Firma den Konkurrenten HBO überholt und scheint nicht zu stoppen.

Eine akute Gefahr könnte von dem Fall der sogenannten Netzneutralität in den USA nach einem Urteil zugunsten des Internet-Riesen Verizon ausgehen. Danach könnten in Zukunft Mobilfunk- und Internet-Provider wie Verizon oder der Kabelnetzbetreiber Comcast für schnelle Datenübertragung der Netflix-Videos gesonderte Gebühren verlangen. Zum Beispiel so viel, wie sonst das Abonnement eines Kabel-TV-Pakets bei ihnen gekostet hätte.

Netflix-Chef Reed Hastings sieht das als theoretische Gefahr, aber glaubt nicht, dass es Wirklichkeit werden wird. Netflix würde garantiert zu einer der „teuersten“ Webseiten, die ein Surfer aufrufen könnte. An einem normalen Wochentag kommt nach 20 Uhr rund ein Drittel des Internet-Aufkommens amerikanischer Haushalte durch Netflix zustande. Doch solche Art von Konkurrenz-Ausschaltung durch die Hintertür werde schnell den Gesetzgeber auf den Plan rufen, hofft Netflix.

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