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04.01.2011

08:36 Uhr

Facebook

Der Wahnsinn kehrt zurück

VonRolf Benders, Christoph Kapalschinski, Hans-Peter Siebenhaar, Ulf Sommer, Klaus Stratmann

Mondpreise an der Wall Street: Goldman Sachs beteiligt sich an der Internetfirma Facebook des 26-jährigen Mark Zuckerberg. Damit bewertet die Investmentbank das Kontaktnetz mit 50 Milliarden Dollar - mehr als so mancher Großkonzern, der das zigfache umsetzt.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat sein Netzwerk zum weltweiten Marktführer gemacht. dpa

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat sein Netzwerk zum weltweiten Marktführer gemacht.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Der Chef des Internet-Kontaktportals Facebook, Mark Zuckerberg, wirbt bei jeder Gelegenheit für mehr Offenheit: "Die Menschen teilen ihre Informationen immer schneller und offener. Das ist die neue soziale Norm."

Nur wenn es um die Zahlen seiner Firma geht, gibt sich Zuckerberg verschlossen. Bis heute hat das Unternehmen keine belastbaren Zahlen über Umsatz, Gewinn oder Cash-Flow vorgelegt. Einen Börsengang, der für mehr Transparenz sorgen würde, lehnte Zuckerberg bisher kategorisch ab.

Die Intransparenz schadet ihm offenbar nicht: 500 Millionen Dollar zahlen die Investmentbank Goldman Sachs und der russische Investor Digital Sky Technologies für ein einziges Prozent an Facebook. Damit verdoppelt Zuckerberg sein rechnerisches Vermögen auf knapp 14 Milliarden Dollar. Das Portal, dessen Gründer und oberster Stratege gerade einmal 26 Jahre alt ist, ist auf dem Papier inzwischen 50 Milliarden Dollar wert - mehr als zum Beispiel die Deutsche Bank.

Doch es gibt einen riesigen Unterschied: Anders als bei börsennotierten Firmen unterliegen die internen Zahlen, die Facebook immerhin seinen Investoren vorlegt, nicht der strengen Aufsicht der Behörden. Die Öffentlichkeit ist auf Schätzungen angewiesen: Bis zu zwei Milliarden US-Dollar Umsatz soll Facebook 2010 gemacht haben, dabei knapp profitabel sein. Die Verschwiegenheit will Zuckerberg weiter durchhalten - und dabei hilft ihm ausgerechnet Goldman Sachs. Eine US-Börsenregel schreibt vor, dass Firmen mit mehr als 499 Investoren ihre Bilanzen offenlegen müssen. Goldman holt jetzt offenbar Investoren an Bord, die die Bank in einem Spezialfonds bündelt. So kann Zuckerberg die Schwelle von 500 Anteilseignern überschreiten, ohne Zahlen vorlegen zu müssen.

Die Investoren sind auch so scharf auf alles, was nach einem guten Geschäft im Internet aussieht. Derzeit werden schon wieder Mondpreise gezahlt. Der Kurznachrichtendienst Twitter und der Internetladen Groupon sind 2010 drastisch im Wert gestiegen. Twitter ist mit 3,7 Milliarden Dollar mehr als viermal so hoch bewertet wie vor einem Jahr; Groupon hat Berichten zufolge zuletzt ein Übernahmeangebot über sechs Milliarden Dollar von Google abgelehnt. Was da passiert, sind Wetten auf intransparente Firmen.

Kommentare (5)

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tbhomy

04.01.2011, 10:08 Uhr

Das ist genau der Wahnsinn, der blasen schafft, welche irgendwann zum Leid Vieler platzen. Es wird wenige Gewinner und reichlich Verlierer geben. Das ist das einzige Vermächtnis des Kapitalismus.
Aber egal, wir sind eh zu viele auf diesem Planeten...

Bürger

04.01.2011, 10:57 Uhr

Sehr schön, dass das Handelsblatt zumindest den Wahnsinn des gegenseitigen Hochgehype nicht mehr mit macht und eine Lanze für bodenkontakt und Realismus bricht! Für die Verwerfungen und Tragödien, die platzende blasen anrichten, die u.a. von betrügern wie Goldman Sachs angefeuert werden, wird dann hoffentlich auch mal jemand zur Rechenschaft gezogen.

nastyxx

04.01.2011, 13:20 Uhr

Völlig irre. Aber warum "zum Leid Vieler ...."? Niemand wird gezwungen seinen Menschenverstand auszuschalten und in derartige Systeme zu investieren. Das Problem ist z.Zt. nur, das immer noch sehr viel Geld herumliegt das investiert werden muss. Egal ob nicht gebrauchte büroimmobilien oder zweifelhafte Socialnetzwerke...ich brauche Facebook nicht.

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