Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.02.2016

07:53 Uhr

Facebook-Gründer in Berlin

Die Zuckerberg-Festspiele

VonKai-Hinrich Renner

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat in Berlin den Axel Springer Award erhalten. Der sehr jugendlich wirkende Preisträger macht bei der Veranstaltung eine souveräne Figur – trotz ungewohntem Dress.

Facebook-Gründer in Berlin

Zuckerberg: Das ist Facebooks Mission

Facebook-Gründer in Berlin: Zuckerberg: Das ist Facebooks Mission

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinEs ist nicht weniger als ein Hochamt. Am 10. Dezember 2015 hat Axel Springers Vorstandschef Mathias Döpfner Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gefragt, ob er sich vorstellen könne, den neu geschaffenen Axel Springer Award entgegenzunehmen, mit dem herausragende Unternehmerpersönlichkeiten ausgezeichnet werden sollen. Zuckerberg konnte. Und nun ist er samt seiner Frau Priscilla in Berlin, um den Preis in Empfang zu nehmen.

Den großen Konferenzraum im 19. Stock des Axel-Springer-Hauses hat man zu Ehren des Gastes dem Dachgarten der Facebook-Zentrale im kalifornischen Menlo Park nachempfunden. Rollrasen wurde ausgelegt. 24 Birken, die Set-Designerin Pia Maria Mackert laut Presseheft „persönlich in Berlin-Pankow geschlagen“ hat, sind im Raum verteilt. Die meisten der etwa 100 geladenen Gäste hocken auf Sitzkissen, was einigen älteren Herrschaften nicht unbedingt leicht fällt.

Mark Zuckerberg in Berlin: Leben retten mit dem Facebook-Chef

Mark Zuckerberg in Berlin

Leben retten mit dem Facebook-Chef

Mark Zuckerberg ist auf Promo-Tour in Deutschland. In Berlin möchte er zeigen, dass Facebook mehr als nur ein soziales Netzwerk ist, auf dem Flüchtlinge beschimpft werden. Seine Mission: keine geringere als Leben retten.

Als Zuckerberg samt Gattin in den umgebauten Konferenzsaal kommt, brandet Beifall auf. An die Decke und die beiden Seitenwände des Raums werden Bilder aus dem All projiziert, die an Erhabenheit nichts zu wünschen übrig lassen. Sie zeigen den Astronauten Chris Hadfield, während er in der Raumstation ISS David Bowies Song „Space Oddity“ zum Besten gibt. Als das Licht angeht, sagt die Schauspielerin Eva Verena Müller, die durch den Abend führt, wie toll es sei, dass dieses Video unendlich oft bei Facebook geteilt wurde.

Es ist der Beginn eines großen Lobgesangs auf den Schöpfer dieses sozialen Netzwerkes, in den als nächster Gastgeber Döpfner einfällt. Er preist Zuckerbergs unternehmerisches Genie und vergisst nicht hervorzuheben, dass der 31-Jährige 99 Prozent seines Vermögens für wohltätige Zwecke spenden werde. Es folgt der Silicon-Valley-Entrepreneur Peter Thiel, der auch mal an Facebook beteiligt war und begeistert davon ist, dass Zuckerberg mit seinem Konzern den Menschen in den Mittelpunkt der Technologie gestellt habe.

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, der danach an der Reihe ist, kann sich vorstellen, dass künftige Generationen den Facebook-Gründer in eine Reihe mit Thomas Alva Edison und Carl Benz stellen werden. Er sagt aber auch, dass es Menschen gebe, die Facebooks Steuermoral ebenso kritisieren wie die Datensammelwut des Unternehmens. Manche seien auch der Meinung, das soziale Netzwerk sei keineswegs Quelle eines neuen Gemeinsinns. Vielmehr fördere es das Entstehen zahlreicher Parallelgesellschaften, da – Stichwort „Filter Bubble“ – viele Facebook-User nur mit solchen Leuten Kontakt pflegten, die dieselben Ansichten hätten wie sie. Es sind die einzigen nachdenklichen Worte an diesem Abend.

Microsoft-Gründer Bill Gates gratuliert Zuckerberg zum Axel Springer Award per Videoeinspielung, bevor Virtual-Reality-Brillen der Marke Samsung verteilt werden, die den Gästen einen Rundumblick vom Dach des Axel-Springer-Hauses gewähren. Samsung-CEO Young Hoom Eom ist auch zugegen. Zuckerberg kooperiert mit ihm beim Thema Virtual Reality, während Springer für Samsung die Nachrichten-App Upday entwickelt hat.

Dann begeben sich Döpfner und der Preisträger zu einem kurzen Dialog auf die Bühne. Warum er stets graue T-Shirts trage, will der Springer-CEO von Zuckerberg wissen, der an diesem Abend allerdings in einem anthrazitfarbenen Anzug erschienen ist, den er mit einem weißen Oberhemd kombiniert. „Ich habe auch bunte T-Shirts, die trage ich aber nur am Wochenende“, erwidert der Unternehmer.

Döpfner spricht ihn auf die Kritik an künstlicher Intelligenz von Tesla-Gründer Elon Musk an. Der Elektroautobauer befürchtet, intelligente Maschinen könnten sich eines Tages gegen die Menschen richten. Zuckerberg hält das für „Hysterie“. Man dürfe es nicht zulassen, dass „Fortschritt verhindert wird, der Leben rettet“. Zuckerberg sagt das mit jugendlicher Emphase. Für europäische Ohren klingt sein unbedingter Fortschrittsglaube beinah naiv.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×