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12.09.2012

05:35 Uhr

Facebook-Gründer

Mark Zuckerberg tröstet frustrierte Aktionäre

VonNils Rüdel

Der Börsengang sei „enttäuschend“ verlaufen, ansonsten werde alles gut: Beim ersten Interview nach dem IPO gab sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zerknirscht und bat die Anteilseigner um Geduld. Die Aktie reagierte.

Facebook-CEO Mark Zuckerberg  in San Francisco. dapd

Facebook-CEO Mark Zuckerberg in San Francisco.

New YorkImmerhin, Mark Zuckerberg kann noch darüber lachen. „Geh ruhig ans Eingemachte“, sagte der Facebook-Gründer grinsend und blickte ins lachende Publikum. Soeben hatte ihn Moderator Michael Arrington auf den vermurksten Börsengang angesprochen, als geschmeidige Einstiegsfrage: „Der Aktienkurs hat 50 Prozent verloren“, sagte Arrington, Gründer des Technologieblogs Techcrunch . „Hättest Du im Nachhinein irgendwas anders gemacht?“

Der Auftritt auf der Techcrunch-Konferenz Disrupt in San Francisco am Dienstag war Zuckerbergs erstes Interview nach dem IPO im Mai. Und natürlich wollte Arrington als erstes wissen, was der Chef des Sozialen Netzwerks darüber denkt.

Zuckerberg antwortete pflichtschuldig: „Die Entwicklung der Aktie ist ganz offensichtlich enttäuschend, und wir sorgen uns um unsere Aktionäre“, sagte der 28-Jährige, wie immer mit grauem T-Shirt, Jeans und Turschuhen. Aber die Mission von Facebook, die Welt enger miteinander zu vernetzen, sei eben ein langfristiges Projekt.

Fragen & Antworten zum Börsengang von Facebook

Was ändert sich für Facebook-Nutzer?

Zunächst überhaupt nichts. Allerdings steht Facebook bei der künftigen Veröffentlichung von Quartalszahlen unter dem Druck, Umsatz und Gewinn kontinuierlich zu steigern. Deswegen erwarten Fachleute, dass die Werbung auf Facebook weiter ausgebaut und auch bei der mobilen Nutzung eingeführt wird. Die Werbung von Facebook könnte auch aggressiver werden, um die Klickrate zu erhöhen, die für den Preis der Werbung maßgeblich ist.

Wann wird die Facebook-Aktie zum ersten Mal an der Börse gehandelt?

Ein genauer Termin steht bislang ebenso wenig fest wie der Ausgabepreis. Experten rechnen für Mai oder Juni mit dem Börsengang. Derzeit steht aber noch nicht einmal fest, ob Facebook an der Technologie-Börse Nasdaq oder an der traditionelleren New York Stock Exchange (NYSE) gelistet wird. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge soll es die Nasdaq werden.

Ist der Firmenwert von Facebook nicht viel zu hoch angesetzt?

Der Jahresgewinn von einer Milliarde Dollar im Jahr 2011 bei Facebook rechtfertigt eine Bewertung von 100 Milliarden Dollar eigentlich nicht. Zum Vergleich: Apple hat allein im jüngsten Quartal in jeder Woche eine Milliarde verdient und kommt dabei auf einen Börsenwert von 425 Milliarden Dollar. Google hat im gesamten Jahr 2011 rund zehn Milliarden erwirtschaftet und kommt „nur“ auf eine Bewertung von 188 Milliarden Dollar. Die Investoren orientieren sich aber vor allem an den Wachstumsaussichten. Und die werden für Facebook derzeit offenbar besser eingeschätzt als bei etablierten Unternehmen.

Wie kann man Facebook-Aktien kaufen?

Sobald die Details für den Börsengang - insbesondere Datum und Ausgabepreis - feststehen, können Interessenten zu ihrer Bank gehen und danach fragen. Die Bank wird dann die erforderlichen Unterlagen zur Zeichnung besorgen.

Was ist vor einer Kaufentscheidung zu beachten?

„Nur weil es hip ist, sollte niemand versuchen, Facebook-Aktien zu kaufen“, sagt Aktienmarktstratege Thilo Müller vom MB Fund Advisory. Entscheidungshilfen mit konkreten Daten sind der jetzt veröffentlichte Börsenprospekt und Einschätzungen in der Finanzfachpresse. In den Kaufpreis gehen voraussichtlich auch die Erwartungen zum weiteren Wachstum von Facebook ein. Erfüllen sich diese nicht, muss man als Anleger mit sinkenden Kursen rechnen. Dies war auch bei mehreren Börseneinführungen von Internet-Unternehmen im vergangenen Jahr der Fall, etwa beim Musik-Streaming-Dienst Pandora.

Verliert Mark Zuckerberg nun die Kontrolle über Facebook?

Nein, der Facebook-Gründer hat auch künftig das Sagen. Er hält Aktien der Klasse B, die mit jeweils zehn Stimmen verknüpft sind, während normale Anleger mit ihren Aktien der Klasse A nur einfaches Stimmrecht haben. Außerdem haben viele Anteilseigner ihre Stimmrechte an Zuckerberg übertragen, so dass er auf 57 Prozent aller Stimmrechte kommt.

Mit dem halbstündigen Interview immerhin tat Zuckerberg seinen Anteileignern schon mal einen kleinen Gefallen: Der Kurs stieg nachbörslich um mehr als drei Prozent auf rund 20 Dollar. In Erwartung des ersten öffentlichen Auftritts seit Monaten war das Papier bereits über den Tag leicht auf 19,43 Dollar geklettert. Das ist jedoch immer noch nur rund Hälfte jener 38 Dollar Ausgabepreis beim Börsengang.

Was die Anteilsscheine am Dienstag trieb, dürften unter anderem die Äußerungen Zuckerbergs zum Mobil-Geschäft gewesen sein. Versicherte er doch, dass hierauf das Augenmerk des Sozialen Netzwerks liege. Mehr als die Hälfte der rund 950 Millionen Facebook-Nutzer gehen mittlerweile auch über ihr Smartphone auf die Seite – doch das Unternehmen hat noch keinen geeigneten Weg gefunden, die Zugriffe richtig zu vermarkten. Entsprechend enttäuschend sind hier die Werbeeinnahmen, was als Hauptgrund für den Einbruch der Aktie gilt.

Facebook: Chancen endlich richtig nutzen

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„In den nächsten drei bis fünf Jahren wird die zentrale Frage sein, wie gut wir uns im mobilen Bereich schlagen“, sagte nun Zuckerberg am Dienstag. Davon hänge die Entwicklung des Unternehmens ab. Facebook hatte erst im August seine viel kritisierte iPhone-App erneuert und arbeitet gerade an einer neuen Android-App. Ein genaues Datum, wann sie fertig ist, nannte Zuckerberg nicht.

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Dem Bau eines eigenen Smartphones nach dem Vorbild von Google erteilte der Facebook-Chef aber  erneut eine klare Absage. „Es wäre die total falsche Strategie für uns“, sagte Zuckerberg. „Lasst uns mal annehmen, wir würden ein Telefon bauen, rein hypothetisch. Wir würden vielleicht 10 Millionen oder 20 Millionen Leute erreichen.“ Facebook wolle dagegen auf jedem Smartphone vertreten sein.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

12.09.2012, 06:44 Uhr

"Mark Zuckerberg tröstet frustrierte Aktionäre"

Also irgendwo ist er doch ein lieber Kerl. Ich haette gedacht, er hat keine Zeit dazu, weil er ja damit beschaeftigt ist, die ganze Geldflut zu bewaeltigen.

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