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08.02.2016

16:17 Uhr

Facebook-Gründer scheitert an Telefonaufsicht

Zuckerberg verliert seinen Kampf in Indien

VonFrederic Spohr

Mark Zuckerberg wollte Millionen Indern einen eingeschränkten Internetzugang ermöglichen. Jetzt hat die indische Telefonaufsicht seinen Plan durchkreuzt. Eine Entscheidung mit globaler Tragweite, hoffen seine Kritiker.

Der Milliardär scheitert in Indien an der Telefonbehörde. dpa

Mark Zuckerberg

Der Milliardär scheitert in Indien an der Telefonbehörde.

BangkokDie Facebook-Gegner feiern: „Wir haben den Krieg gewonnen“, twittert einer von ihnen. Ein anderer schreibt. „Es ist ein kleiner Schlag für Facebook, aber ein großer Sieg für Indien.“ Und der bekannte indische Start-up-Investor Mahesh Murthy zeigt sich besonders schadenfreudig: „400 Millionen Rupien hat Zuckerberg ausgegeben. Und hat es die Telefonaufsichtsbehörde beeinflusst?“ Er verweist nur auf die Uhrzeit, als die Behörde ihre Entscheidung öffentlich machte: „15.30 Uhr“.

Um 15.30 Uhr indischer Zeit beerdigten die Beamten der Telefonaufsichtsbehörde die Facebook-App Free Basics in ihrer jetzigen Form in Indien: Gratis-Internetangebote seien unzulässig, wenn sie nur einen eingeschränkten Internetzugang gewähren würden, teilten sie mit.

Facebook mit Milliardengewinn: Unterwegs zur Startseite des Internets

Facebook mit Milliardengewinn

Unterwegs zur Startseite des Internets

Facebook fährt wie erwartet Rekordzahlen ein. Das Netzwerk profitiert wie kaum eine andere Firma von der mobilen Revolution – und baut den Vorsprung weiter aus. Dazu gehören auch Pläne mit Zukäufen.

Es ist ein schwerer Schlag für Mark Zuckerberg, der mit seiner App Hunderten Millionen Indern genau das angeboten hat. Seine Kritiker triumphieren. Sie vermuten, dass Zuckerberg mit der App ohnehin nur den freien Wettbewerb ausschalten und Millionen Menschen in sein soziales Netzwerk locken will. Jetzt wollen sie, dass Regulierer in anderen Ländern nachziehen.

Mit Free Basics können Nutzer zwar kostenlos ins Internet, aber dort nur auf von Facebook ausgewählten Seiten surfen. Rund hundert Websites waren in Indien ansteuerbar, darunter beispielsweise die BBC oder Wikipedia. Auch auf Facebook konnten sie natürlich zugreifen. Die Angebote des Suchmaschinenbetreibers Google konnten Free-Basics-Nutzer dagegen nicht nutzen.

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

Wie Facebook nun reagieren wird, ließ das Unternehmen zunächst offen. „Unser Ziel ist es, mit Free Basics mehr mehr Menschen mit einer offenen, nicht exklusiven und freien Plattform online zu bringen“, teilte der Konzern mit. „Wir sind zwar von der Entscheidung enttäuscht, aber wir werden uns weiter anstrengen, Barrieren einzureißen und Menschen den Weg zum Internet und seinen Möglichkeiten zu ebnen.“ Netzaktivisten haben auch eine Idee, wie das geschehen könnte: Wenn Zuckerberg wirklich allen Menschen das Internet zur Verfügung stellen will, dann sollte er den Armen beispielsweise ein begrenztes Datenvolumen zur Verfügung stellen. Dieses könnten sie dann ganz nach ihren Bedürfnissen verbrauchen.

Doch Zuckerberg lehnte das bisher stets ab.

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