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28.04.2016

21:49 Uhr

Facebook-Gründer Zuckerberg

Für immer Chef

Mark Zuckerberg will nicht nur die Welt verbessern, sondern auch die Kontrolle bei Facebook behalten. Mit einer neuen Aktienstruktur zementiert er seinen Einfluss im Sozialen Netzwerk auf lange Zeit.

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Menlo Park„Mark Zuckerberg erklärt sich bei Vorlage der Facebook-Quartalszahlen für Gott“, titelte das Technologieblog „Gizmodo“, nachdem der 31-Jährige Gründer des weltgrößten Online-Netzwerks seine Pläne zur Weltverbesserung verkündete. Die für ihre freche Art bekannte Website übertrieb natürlich, aber mit einigen von Zuckerbergs Zielen könnte auch Gott überfordert sein.

Er wolle unter anderem helfen, bis Ende des Jahrhunderts alle Krankheiten zu heilen und die Umwelt vor dem Klimawandel zu schützen, erklärte Zuckerberg. Er und seine Frau Priscilla Chan kündigten bereits zur Geburt ihrer Tochter Max an, dass sie dafür im Laufe ihres Lebens 99 Prozent ihrer Facebook-Aktien spenden werden. Jetzt nimmt dieser Plan Gestalt an: Mark Zuckerberg will dafür sorgen, dass er Facebook weiter regieren kann, auch wenn sein Anteil an Facebook durch Wohltätigkeit in den kommenden Jahren unweigerlich sinken wird.

Die Lösung sind neue Aktien, die keine Stimmrechte haben. Zuckerberg hat jetzt schon überdurchschnittliches Gewicht bei strategischen Entscheidungen, weil seine Papiere der Klasse B jeweils zehn Stimmrechte haben, während gewöhnlichen Aktionären nur eine Stimme pro Anteilsschein zusteht. Google schützt den Einfluss seiner Gründer Larry Page und Sergej Brin auf ähnliche Weise.

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

Mit der neuen Aktienstruktur dürfte der Gründer auf Lebenszeit das Sagen bei Facebook haben. Jedenfalls solange wie er sich bei Facebook aktiv engagiert, diese Einschränkung ist in dem Vorschlag für die Hauptversammlung festgeschrieben. Die Aktionäre sollen am 20. Juni über die Neuordnung abstimmen - auch wenn Facebook sie freundlich darauf hinwies, dass ihre Meinung eigentlich egal ist: Selbst wenn sie dagegen sind, kann Zuckerberg den Plan mit seiner Stimmenmehrheit einfach durchsetzen.

Der Vorstoß bekräftigt, dass es Mark Zuckerberg nicht reicht, einfach nur ein schwerreicher Internet-Unternehmer zu sein. Er meint es offenbar ernst, wenn er gebetsmühlenartig wiederholt, dass er die ganze Welt vernetzen will und Millionen in die Entwicklung von Drohnen und Satelliten zur Internet-Versorgung steckt. Und es war kein Zufall, dass er sich mit gerade einmal 20 Jahren weigerte, Facebook für eine Milliarde Dollar an Yahoo zu verkaufen. Zuckerberg will die Kontrolle bei Facebook an niemanden abgeben.

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Mark Zuckerberg verkündet glänzende Zahlen und einen Aktiensplit. Zwei Drittel seiner Papiere sollen in seine Stiftung fließen. So kann er bei Facebook weiter regieren und gleichzeitig globale Probleme lösen.

Das macht den jugendlichen T-Shirt-Träger zu einem der mächtigsten Männer der Welt. Nicht nur weil das Werbegeschäft von Facebook keine Spur von Schwäche zeigt und Quartal für Quartal Milliarden abwirft. Rund 1,65 Milliarden Nutzer verbringen Zeit bei Facebook, eine Milliarde sogar täglich. Sie lesen Nachrichten, die von Facebooks Algorithmen vorsortiert wurden, sie tauschen ihre Fotos, Videos und private Nachrichten über das Netzwerk aus. Der finanzielle Erfolg erlaubt es Zuckerberg, selbstbewusst aufzutreten und auch politische Akzente zu setzen, etwa als er jungst bei Facebooks Entwicklerkonferenz F8 gegen Abschottungs-Tendenzen in der Welt wetterte.

Zuckerberg glaubt, dass er besser als die oft auf kurzfristige Zahlen fixierten Anleger weiß, was auf lange Sicht gut für Facebook ist. In den vergangenen Jahren ging er bereits große Wetten mit dem Kauf der Foto-Plattform Instagram für eine Milliarde Dollar oder des Kurzmitteilungsdienstes WhatsApp für am Ende über 22 Milliarden Dollar ein. Und von solchen „kühnen“ Schritten werde es mit ihm in Zukunft noch mehr geben, kündigte Zuckerberg an.

Am Ende sei die Aktienstruktur für die Anleger eine Frage des Vertrauens, sagte der auf gute Unternehmensführung spezialisierte Stanford-Professor Joseph Grundfest der „Financial Times“: „Ob ein Aktionär für oder gegen diese Idee ist, hängt fast nur von seinem Glauben an Mark Zuckerberg ab.“

Von

dpa

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