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16.03.2016

12:09 Uhr

Facebook in Großbritannien

Eine Million für jeden Beschäftigten als Geschenk?

VonCarsten Herz

Die Mitarbeiter von Facebook in Großbritannien können sich laut einem Bericht auf einen millionenschweren Bonus freuen. Das Geschenk hat aber wohl weniger mit Großzügigkeit zu tun – sondern mit Steueroptimierung.

Ein Millionengeschenk als Steuertrick? dpa

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Ein Millionengeschenk als Steuertrick?

LondonMark Zuckerberg kann sehr großzügig sein. Zur Geburt seines Kindes hatte der Facebook-Chef Ende vergangenen Jahres angekündigt, 99 Prozent seiner Anteile im Wert von 45 Milliarden Dollar zu spenden. Doch das Millionengeschenk, das der 31-Jährige Amerikaner nun seinen Mitarbeitern in Großbritannien in Aussicht stellt, hat deutlich weniger mit Wohltätigkeit zu tun – als mit Steueroptimierung.

Wie die britische Zeitung „Sunday Times“ berichtete, will der Social-Media-Mogul über die kommenden Jahre insgesamt 280 Millionen Pfund an seine Angestellten verschenken – um so die Abgabenlast des US-Giganten im Königreich deutlich zu senken. Es ist ein Kniff, der für lange Gesichter im britischen Finanzamt sorgen dürfte, aber für Jubel in der Londoner Facebook-Zentrale: Jeder der 361 Mitarbeiter im Königreich bekommt demnach im Schnitt einen etwa 775.00 Pfund schweren Bonus, umgerechnet etwa eine Million Euro.

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Mit Anerkennung für besondere Leistungen hat der Bonus tatsächlich wenig zu tun. Stattdessen geht es Zuckerberg offenbar darum, dem Fiskus erneut eine lange Nase zu drehen. Denn als zusätzliche „Personalkosten“ verbucht, kann diese Schenkung die Steuerabgaben des US-Unternehmens massiv senken, wie es heißt. Laut britischen Medien muss Facebook nach seiner Schenkung nur noch vier Millionen Pfund an den Fiskus abführen. „Wir kennen diese Zahlen nicht und wissen auch nicht, wie diese Kalkulationen gemacht wurden“, erklärte eine deutsche Facebook-Sprecherin zu den Berichten.

Bereits 2014 hatte sich der IT-Konzern fantasievoll gezeigt und intern 50 Millionen Dollar verschenkt. Die Folge: Facebook musste lediglich 4326 Pfund Steuern zahlen. Das ist weniger, als der durchschnittliche britische Erwerbtätige abführen muss. Dabei laufen die Geschäfte von Facebook in Großbritannien glänzend.

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

Die großzügige Gabe könnte die Debatte im Königreich um die Steuerspartricks der US-Giganten neu entflammen. Erst Anfang März hatte Facebook versucht, den Streit mit dem Versprechen zu entschärfen, seine Strategien zur Steuervermeidung in Großbritannien einzuschränken. Das weltweit größte Internet-Netzwerk kündigte an, künftig die Einnahmen von britischen Werbekunden direkt im Land besteuern zu lassen. Bisher wurden sie über Irland abgerechnet, was deutlich weniger Abgaben für den Internetkonzern bedeutet.

Ähnliches hatte Google bereits im Januar angekündigt und damit auf den zunehmenden Druck der Politik und Finanzbehörde reagiert, fragwürdigen Steuerpraktiken ein Ende zu bereiten. Entsprechend verärgert reagieren Lobbygruppen auf den neuen Kniff. „Diese Praxis hinterlässt einen faden Geschmack im Mund“, kritisierte Stefan Stern, Direktor des High Pay Centre.

Wer glaubte, dass Zuckerberg von seinen Steuervermeidungspraktiken auf der Insel ganz Abschied nimmt, der weiß spätestens jetzt, dass er sich getäuscht hat. Offenbar verschenkt der Social-Media-Gigant sein Geld lieber an die eigenen Mitarbeiter, bevor er es dem Fiskus und damit der Öffentlichkeit in die Hände drückt.

Dennoch müssen sich die Facebook-Mitarbeiter in Großbritannien noch in pekuniärer Geduld üben. Denn Facebook will die Millionenschenkung nicht auf einen Schwung auszahlen, sondern in mehreren Tranchen bis 2018. Angenehmer Nebeneffekt für den US-Riesen: Die Kündigungsrate bei Facebook im Vereinigten Königreich dürfte sich in den nächsten zwei Jahren auf einem ziemlich überschaubaren Niveau bewegen.

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