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13.09.2017

16:39 Uhr

Facebook-Managerin Sheryl Sandberg

Die Vertrauensmaklerin

VonJohannes Steger

Auf der Fachmesse Dmexco wirbt Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg für die Mission Ihres Unternehmens. Auch wenn viele Werber das Geschäftsgebaren kritisieren: An dem Netzgiganten kommt keiner mehr vorbei.

Die Geschäftsführerin von Facebook wirbt um das Vertrauen der Branche. dpa

Sheryl Sandberg

Die Geschäftsführerin von Facebook wirbt um das Vertrauen der Branche.

KölnSie hat diese Mischung aus Zielstrebigkeit und zugewandter Freundlichkeit, die Sheryl Sandberg zum freundlichen Gesicht des Facebook-Konzerns macht. Als sie die Bühne betritt, ist der Jubel fast euphorisch. Dann wird es still in der Kongresshalle auf der Kölner Fachmesse Dmexco – die Facebook-Geschäftsführerin ergreift das Wort. Die Halle ist an der Belastungsgrenze – mehr als 2.000 Menschen sind gekommen. Wer nicht frühzeitig da war, kommt nicht mehr rein. Sie ist Zuckerbergs Außenministerin. Und die Branche weiß: Was Facebook tut und sagt, hat Gewicht. Fast keiner kommt an dem Netzwerk und seinen Tochterunternehmen Instagram und WhatsApp mehr vorbei.

Jedes Jahr feiert sich die Werbe- und Marketingbranche in Köln ein bisschen selbst. Die Jahre kommen und gehen und so verändert sich auch die Branche: Klassische Werbeformen treten zurück, neue Technologien wie Augmented Reality oder künstliche Intelligenz kommen. Und auch die Werbeflächen verändern sich – das digitale Werbebudget weltweit wird mehrheitlich von zwei Konzernen bestimmt: Google und Facebook. Die größte Suchmaschine und das größte soziale Netzwerk der Welt sind unausweichlich für fast jede Branche geworden. Wer dort nicht auftaucht, existiert nicht.

Welche Facebook-Dienste die Deutschen nutzen

Mehr als „Gefällt mir”

Facebook ist nicht nur eine Internetseite oder eine App. Das soziale Netzwerk wurde in den vergangenen Jahren kräftig erweitert. Die bekanntesten Teile sind der Facebook Messenger, Instagram und Whatsapp. Das Statistik-Portal Statista hat die Deutschen gefragt, welche Dienste und Produkte sie mindestens gelegentlich nutzen.

Facebook allgemein

72 Prozent nutzen das Social Media Portal. Dabei ist der Unterschied zwischen Männern (73 Prozent) und Frauen (71 Prozent) gering.

Facebook Messenger

Den Facebook-Nachrichtendienst nutzen 43 Prozent der Befragten – Männer wie Frauen.

Instagram

Den Online-Dienst Instagram zum Teilen von Fotos und Videos nutzen 26 Prozent der Männer und 22 Prozent der Frauen.

Whatsapp

Den Instant-Messaging-Dienst, der seit dem Jahr 2014 zu Facebook gehört, wird 70 Prozent der Befragten genutzt. Mit 71 Prozent männlichen und 70 Prozent weiblichen Nutzern sind die Unterschiede bei den Geschlechtern gering.

Das wissen die beiden Quasi-Monopolisten und leisten sich ein Geschäftsgebaren, das bei Branchenvertretern mitunter zu Kritik führt. Die Rede ist von mangelnder Transparenz bei Reichweitenmessung und Zielgruppenbestimmung, aber auch von Markensicherheit in einer Zeit, in der immer die Gefahr bestehen könnte, dass die Werbeanzeige in der Nähe von Hass und Fake auftaucht. Sheryl Sandberg, die in dieser Woche gleich mehrere Auftritte in Deutschland absolviert, weiß um die ambivalente Einstellung der Branche gegenüber ihrem Unternehmen, die sich irgendwo zwischen Ärger und Abhängigkeit bewegt. Doch wahr ist auch: Genauso wie Unternehmen das Netzwerk brauchen, braucht es auch die Werbekunden. Schließlich macht Facebook fast den gesamten Umsatz mit Werbung.

Zu Beginn ihrer Rede sucht Sandberg Augenhöhe: Es sei eine herausfordernde Zeit für Menschen und Unternehmen überall auf der Welt. Man lebe in einer Zeit, in der sich die Kommunikationstechnologie so schnell verändere wie noch nie. Das schaffe Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten. Es gäbe nicht die perfekte Antwort darauf. Sie bleibe Technologin und Optimistin – denn sie glaube daran, dass Technologie die Welt besser mache. Ein Zeichen an die Branche: Ja, wir verstehen euch. Wir sind hier, um diese Herausforderungen gemeinsam anzugehen.

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Wieder einmal hat Facebook glänzende Quartalszahlen vorgelegt. Doch in Europa gerät das soziale Netzwerk immer stärker unter Druck. Politiker machen zunehmend mobil gegen die Marktmacht von Mark Zuckerbergs Imperium.

Die Frage sei, wie man Wachstum entdecke. Wichtig sei eine Mission – alles müsse dieser folgen. Und dann wiederholt die Facebook-Managerin jenes Mantra, das auch Zuckerberg gerne aufsagt, wenn er über sein Netzwerk spricht: Facebooks Mission sei gewesen, Menschen miteinander zu verbinden und ihnen eine Stimme zu geben. Das sei nicht mehr genug: Nun ginge es darum, Menschen die Kraft zu geben, Gemeinschaft zu bauen und näher zusammen zu bringen. Sie zeichnet von Facebook das Bild einer Wohltätigkeitsorganisation, die es fast zufällig geschafft hat, jedes Quartal mehrere Milliarden Dollar an Gewinnen einzustreichen.

Sandberg erwähnt den Mittelstand: Selbst Jahrhunderte alte Winzer nutzten Facebook und generierten Gewinne dadurch. Das mache sie stolz, so Sandberg. Mittelstand und eine stolze Sandberg, spätestens jetzt liegt ihr das Publikum zu Füßen. Sie nennt weitere Erfolgsgeschichten aus Deutschland. Facebook, so nahbar.

Sandberg nimmt die Gemeinschaft wieder auf – Unternehmen würden diese schaffen. Überall: An Straßenecken, in Cafés und Geschäften. Und zeigt alte Bilder von Kölner Straßenszenen. Nun täten sie dies auch über ihre Webseiten und Apps. Facebook wolle es ihnen einfacher machen, diese Gemeinschaften zu bauen. Die Basis für jede Gemeinschaft sei Vertrauen – und genau das wisse Facebook.

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