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04.06.2015

08:48 Uhr

Facebook-Managerin Sheryl Sandberg

„Option A gibt es nicht mehr“

VonAxel Postinett

Sheryl Sandberg, eine der mächtigsten Frauen des Silicon Valley, muss mit dem Unfalltod ihres Ehemanns fertigwerden. In einem zutiefst emotionalen Beitrag beschreibt sie ihren schweren Weg zurück in eine neue Normalität.

Eine der mächtigsten Frauen des Silicon Valleys redet sich den Schmerz von der Seele. ap

Sheryl Sandberg

Eine der mächtigsten Frauen des Silicon Valleys redet sich den Schmerz von der Seele.

San FranciscoAuch Top-Führungskräfte müssen mit dem Tod umgehen. Die einen leiden still und stürzen sich wortkarg und einsam umso mehr in die Arbeit. Andere geraten aus dem Tritt und finden vielleicht nie mehr zurück in ihr altes Leben und zerbrechen daran. Sheryl Sandberg, Top-Managerin bei Facebook, muss gerade selbst einen Schicksalsschlag verkraften. In einem zutiefst emotionalen Facebook-Beitrag beschreibt sie ihren schweren Weg zurück aus dem Nichts in eine neue Normalität.

Vor dreißig Tagen erlag der Ehemann von Sheryl Sandberg während eines Ferienaufenthalts in Mexiko den Folgen eines Unfalls. Der plötzliche Tod des 47-jährigen Ehemanns und Vaters Dave Goldberg, ein hochangesehener Veteran des Silicon Valleys, ließ nicht nur seine Familie zutiefst bestürzt zurück. Um Managern und Freunden die Chance zu geben, an seiner Beerdigung teilzunehmen, wurden sogar Veröffentlichungen von Quartalszahlen verschoben. Die Wall Street kommt später dran.

Dave Goldberg: Ehemann von Facebook-Managerin Sandberg gestorben

Dave Goldberg

Ehemann von Facebook-Managerin Sandberg gestorben

Mit nur 47 Jahren starb der Manager Dave Goldberg plötzlich im Urlaub. Er ist der Ehemann von Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg. Die Todesursache ist bisher nicht bekannt.

Am Ende der 30-tägigen jüdischen Trauerzeit meldete sich die Witwe, die Mutter der zwei gemeinsamen Kinder und operative Chefin von Facebook, auf dem sozialen Netz zu Wort und beschreibt in eindringlicher und schonungsloser Offenheit ihren ohnmächtigen Schmerz, ihren Versuch der inneren Leere zu entfliehen und dem Leben einen neuen Sinn zu geben. Ihr Mann hatte nach Angaben der Ermittlungsbehörden wahrscheinlich auf einem Fitnesslaufband den Halt verloren und war so unglücklich gestürzt, dass er sich schwer am Kopf verletzte. Als er gefunden wurde, kam jede Hilfe zu spät.

„Wenn Tragödien passieren“, schreibt sie in ihrem Eintrag, dann „gibt es eine Wahl. Du ergibst sich der endlosen Leere,  die dein Herz erfüllt, deine Lungen zusammenschraubt, es fast unmöglich macht zu denken oder zu atmen. Oder du versuchst, einen neuen Sinn zu finden.“

Sie habe viel Zeit in dieser endlosen Leere verbracht und sie werde es auch weiterhin manchmal tun. Aber wenn sie die Wahl hat, dann will sie das „Leben  und den (neuen) Sinn“ wählen.

Eine der mächtigsten Frauen des Silicon Valleys redet sich den Schmerz von der Seele. Sie habe sich nachts in den Schlaf geheult, gibt sie zu, während ihre Mutter im Bett neben ihr lag und versuchte ihr Beistand zu geben. Sie beschreibt den Schmerz, den es einer Mutter bringt, die Kinder leiden zu sehen. Hilflos sieht sie zu, wie ihre  Rolle als Mutter neu definiert wird, ohne dass sie es wollte.

Und sie beschreibt, wie ihr Freunde und Fremde geholfen haben, diese Zeit zu überstehen. Mit ihrem Facebook-Eintrag wolle sie etwas von dem zurückgeben, was ihr andere gegeben haben, nennt die 45-jährige als Beweggrund für die Offenheit.

Facebook, ihr Arbeitsplatz, spielt in dem gefühlsgeladenen Beitrag nur eine untergeordnete Rolle. Aber die Geschehnisse berührten natürlich unweigerlich irgendwann auch den Beruf. Als sie in ihr Büro zurückkehrte, da habe es gegolten den „weißen Elefanten“ zu bekämpfen. Das ist in den USA die gebräuchliche Umschreibung für das Unausgesprochene, das in der Luft liegt. Das, was niemand sieht, aber von dem jeder weiß, dass es da ist.

Sie spricht von der Angst in den Augen von Kollegen, die helfen wollten, aber fürchteten etwas Falsches zu sagen. Manche hätten sich wie paralysiert gefühlt, wenn sie den Raum betrat. Sie erklärt, dass es auch ihre Aufgabe war, den Elefanten anzusprechen, damit er aus dem Raum verschwindet. 

Kommentare (1)

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Herr Ulrich Welzel

04.06.2015, 12:13 Uhr

So wie Sheryl Sandberg geht es vielen Menschen, die nach einem Todesfall zurück ins Unternehmen und in ihr Team kommen. Wer sich mit Trauer am Arbeitsplatz beschäftigt, stößt sehr schnell auf die Sprachlosigkeit der Mitarbeiter und Führungskräfte.

Als am 24. März die Germanwings-Maschine abstürzte, und 150 Menschen verstarben, war es auch die Sprachlosigkeit, auf die Unternehmenslenker und Führungskräfte nicht vorbereitet waren.
Dabei ist Trauer am Arbeitsplatz ein Thema, dass mit der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ganz eng verbunden ist. Immer wieder erleben Unternehmer nach Trauerfällen lange Krankenstände der Betroffenen. Dauert die Krankschreibung länger als sechs Wochen im Jahr, wird der Mitarbeiter zum betrieblichen Eingliederungsgespräch eingeladen. Hier erleben Trauerende, dass die Personalabteilung, der Betriebsrat und der Betriebsmediziner thematisch sehr oft nicht vorbereitet sind, die Gesprächsführung alles andere als gut ist und kaum Lösungen angeboten werden.

Keine Zeit für Trauer!?
„Arbeit ist die beste Ablenkung gegen Trauer“ sagt der Produktionsleiter zum trauernden Team.
„Arbeiten Sie härter, das hilft!“ ist die Aussage des Vorstandes bei der persönlichen Kondolenz.
„Der Verlust darf eine "Funktionseinheit" nicht lähmen. Das wäre ein absoluter Todesstoß für die Einheit und auch für die betroffenen Trauernden“ ist die Auffassung einer Sicherheitsfachkraft.
All diese Aussagen sind in den ersten drei Tagen nach der GermanWings-Katastrophe geäußert worden. Es scheint, dass betroffenen Arbeitnehmern selten die notwendige Zeit für die Trauer eingeräumt wird. In dem Zusammenhang werden sogar Metaphern wie „Todesstoß“ verwandt.
Es scheint so, als wenn es in sehr vielen Unternehmen an Haltung und Wertschätzung im Bezug auf Trauer am Arbeitsplatz fehlt.

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