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28.04.2016

06:00 Uhr

Facebook steigert Gewinn

Zuckerberg beherrscht das Spiel der Macht

VonBritta Weddeling
Quelle:Handelsblatt Live

Mark Zuckerberg verkündet glänzende Zahlen und einen Aktiensplit. Zwei Drittel seiner Papiere sollen in seine Stiftung fließen. So kann er bei Facebook weiter regieren und gleichzeitig globale Probleme lösen.

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San FranciscoMark Zuckerberg mag Drachen, Gedärmflug und wenn Krieger ihre Schwerter kreuzen. Der Facebook-Gründer hat sich anlässlich der aktuellen Quartalsergebnisse seiner Firma als „großer Fan” der Blockbuster-Serie „Game of Thrones” von HBO geoutet, dem ästhetisch ans Mittelalter angelehnten Intrigen-Spiel um Macht und Liebe.

Offen bleibt, mit wem er sich mehr identifiziert: dem Kämpfer auf der Mauer, der ebenfalls nur ein Outfit zu besitzen scheint, der weißhaarigen Drachendame, die ein Volk nach dem nächsten erobert – oder ein bisschen mit beiden. Sicher ist: Zuckerberg schreitet von Sieg zu Sieg und demonstriert dabei, dass er das Spiel mit der Macht beherrscht. So auch am Mittwoch.

Bei der Präsentation der Quartalsergebnisse setzte Zuckerberg ein starkes Signal dafür, dass er noch lange operativ tätig sein will. Der 31-Jährige kündigte einen Aktiensplit im Verhältnis von 3:1 an. Dabei sollen auf jede bisherige Aktie zwei neue stimmrechtslose Aktien (Class C) ausgegeben werden.

Große Angst vor Kontrollverlust

So könnte der Facebook-Chef, der seit dem Börsengang vor allem Class B-Anteile à 10 Stimmen hält, zwei Drittel seiner Aktien, die C-Scheine, schon einmal in die geplante „Chang Zuckerberg Initiative” investieren, ohne Einfluss in der Firma abgeben zu müssen. Der Aktiensplit sichert ihm so weiterhin seine Macht bei Facebook.

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

Zuckerberg hatte im Dezember angekündigt, langfristig 99 Prozent der eigenen Aktien in die von ihm gegründete stiftungsähnliche Firma zu verlagern. In einem Blogeintrag kündigte er an, mit seiner starken Rolle als Gründer könne er bei Facebook langfristige Entscheidungen treffen, etwa kostspielige Investitionen in die Zukunft tätigen. Gleichzeitig wolle er aber auch mit seiner Stiftung wie angekündigt an der Lösung globaler Herausforderungen wie dem Klimaschutz oder dem Heilen von Krankheiten mitarbeiten.

Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin hatten vor zwei Jahren ebenfalls zu einem Aktiensplit gegriffen, um finanzielle Mittel loszuschlagen. Hintergrund solcher Maßnahmen ist die große Angst aller Gründer und Programmierer in Silicon Valley, die andere Seite – die Nicht-Techniker, Investoren und Geschäftsmänner – könnte zu viel Einfluss gewinnen. Mahnend steht ihnen das Beispiel von Steve Jobs vor Augen, dem Apple-Gründer, den Ex-Pepsi-Mann John Sculley 1985 aus der eigenen Firma warf. Mit Apple ging es danach jahrelang bergab.

Reichweite weiter gestiegen

Und warum sollte Zuckerberg auch aufhören? Bislang jedenfalls ist die Macht eindeutig mit ihm. Vergangenes Quartal hat Facebook den Gewinn fast verdreifacht und 1,51 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) oder 52 Cents pro Aktie verdient. Der Umsatz stieg um 52 Prozent auf 5,38 Milliarden Dollar, dank gestiegener Erlöse mit Videos und den starken Mobilanzeigen. Ihr Anteil am Werbeerlös beträgt inzwischen 82 Prozent. Werbung macht mit 97 Prozent fast das gesamte Geschäft von Facebook aus.

Besonders eindrucksvoll sind die Resultate in einer Zeit, in der die Konkurrenz nur miese Zahlen einfuhr. Überall Umsatzrückgänge und Gewinneinbrüche, sei es bei Google, Twitter oder Apple. Die Facebook-Aktie hingegen sprang nachbörslich zwischenzeitlich um neun Prozent nach oben. Zuckerberg hatte die Erwartungen der Wall Street übertroffen.

Auch die Reichweite konnte das soziale Netzwerk weiter ausbauen. Es besitzt inzwischen 1,65 Milliarden Mitglieder, ein Anstieg um 60 Millionen in den vergangenen drei Monaten. Die größten Zuwächse verzeichnet Facebook außerhalb von USA oder Europa, zwei Drittel der Facebook-Fans wohnen außerhalb der USA, in Asien, Afrika oder Südamerika.

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