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08.08.2016

16:17 Uhr

Facebook-Tochter

Instagram hat nun auch Lust aufs digitale Vergessen

VonNils Jacobsen
Quelle:Meedia.de

Instagram überrascht mit einer Story-Funktion, die das Fotonetzwerk praktisch 1:1 von Snapchat abgekupfert hat. Kann die Facebook-Tochter mit Foto- und Videoschnipseln dem Konkurrenten Snapchat Nutzer abspenstig machen?

Das Foto-Netzwerk hat sein Angebot um die Funktion „Stories“ erweitert, die an den Konkurrenten Snapchat erinnert. dpa

Instagram

Das Foto-Netzwerk hat sein Angebot um die Funktion „Stories“ erweitert, die an den Konkurrenten Snapchat erinnert.

Es war ein Frontalangriff aus dem Nichts: „In den folgenden Wochen stellen wir Instagram Stories vor, eine neue Funktion, mit der du alle Momente deines Tages teilen kannst, nicht nur diejenigen, die du in deinem Profil behalten möchtest“, kündigte die Facebook-Tochter vergangene Woche überraschend an.

Die Radikalität verblüfft: Instagram es hat wirklich getan – und sich Snapchats Erfolgsrezept schamlos bedient. Es macht Instagram-Gründer Kevin Systrom durchaus sympathisch, dass er den Ideenklau ohne Umwege eingesteht: „Snapchat verdient alle Anerkennung für das Story-Format“, erklärte Systrom vergangene Woche gegenüber TechCrunch. Bei Snapchat wird man auf das Lob indes wenig geben, ist der Story-Klon doch eine existenzielle Gefahr, da der neue Rivale ein Mehrfaches an Nutzern hat.

Das Phänomen des Kopierens gehört zum Silcon Valley wie der Dot im .com: Jeder tut es, die Frage ist nur, ob sich das jeweilige Unternehmen damit einen Gefallen tut und die Rechnung aufgeht. Es gibt schließlich unzählige gescheiterte Klon-Experimente: Google+ ist so eins, als der Internetriese plötzlich 2011 versuchte, wie Facebook zu sein, während sich Facebook selbst über die Jahre ohne jegliche Scham neue beliebte Feature zu eigen machte.

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Mal war es die Checkin-Funktion, als Foursquare populär war, mal war es der eigene Messenger, als WhatsApp ein zu mächtiger Kommunikationsrivale zu werden schien, mal wurde ein boomendes Foto-Netzwerk übernommen, als Zuckerberg realisierte, dass Nutzer lieber ein einziges Bild auf ihrem Smartphone posten als ganze Alben wie bei Facebook.

Tatsächlich gibt es in der Internetwirtschaft wohl keine erfolgreichere Übernahme als Instagram, das nach Facebooks Börsenabsturz 2012 tatsächlich für nur 715 Millionen Dollar gekauft wurde – und heute schätzungsweise das 70-Fache wert sein soll.

Die Instagram-Übernahme war Zuckerbergs Königstransfer, wie es im Fußballsprech heißen würde. Das Meisterstück kam später – nämlich in der Art und Weise, wie Zuckerberg Instagram unaufgeregt und scheinbar autonom weiterentwickelte. Es gehört zu Zuckerbergs größten Managementleistungen, Gründer Kevin Systrom bis heute beim Social Network gehalten zu haben.

Instagrams Evolution im Facebook-Universum erfolgte mit Glacéhandschuhen – nur beim Nutzerwachstum auf nunmehr 500 Millionen Mitglieder wurde durch die tiefe Integration der Fotos in das Facebook-Profil ebenso kräftig gebolzt wie seit rund einem Jahr bei der Monetarisierung.

Dann kam Snapchat und elektrisierte, wie Instagram von 2010 bis 2012 als neue Hype-App elektrisierte hatte – mit dem großen Unterschied, sich nicht kaufen zu lassen. Bis vergangene Woche sah Evan Spiegel damit wie der Goldjunge des Silicon Valley aus – Spiegel war die Inkarnation des jungen Mark Zuckerberg, nur in eloquent und mit Victoria’s Secret-Model.

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