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07.01.2015

11:02 Uhr

Facebook-Tochter Whatsapp

30 Milliarden Nachrichten am Tag

Die Diskussionen um mangelnde Sicherheit haben dem Chat-Dienst WhatsApp nicht geschadet. Nach eigenen Angaben hat die Facebook-Tochter mittlerweile 700 Millionen Nutzer - und schreibt trotzdem keinen Gewinn.

Marktführer WhatsApp wird von immer mehr Smartphone-Besitzern verwendet. Reuters

Marktführer WhatsApp wird von immer mehr Smartphone-Besitzern verwendet.

DüsseldorfDie milliardenschwere Investition von Facebook-Chef Mark Zuckerberg in die Chat-App Whatsapp trägt erste Früchte. Im Februar hatte er den erfolgreichen Konkurrenten für fast 22 Milliarden Dollar übernommen. Erklärtes Ziel: Rasantes Wachstum.

Das scheint gelungen zu sein. Auf seiner Facebook-Seite nennt WhatsApp-Gründer Jan Koum weitere Erfolgszahlen. Mittlerweile werde der Dienst regelmäßig von 700 Millionen Menschen verwendet. Pro Tag würden 30 Milliarden Nachrichten verschickt. Damit ist WhatsApp weiterhin größer als der hauseigene Facebook Messenger, der nach eigenen Angaben auf 500 Millionen Nutzer kommt.

Im vergangenen Jahr war Whatsapp wegen Sicherheitsbedenken in die Kritik geraten. Konkurrenten mit einer Komplettverschlüsselung wie Threema erhielten großen Zulauf. Mittlerweile hat man beim Marktführer auf die Kritik reagiert. Zumindest in der Android-App sollen die Nachrichten künftig auch verschlüsselt werden, dafür arbeitet die App mit den bekannten Verschlüsselungs-Spezialisten von Open Whisper Systems zusammen. Dem weiteren Wachstum scheint damit wenig im Wege zu stehen.

Doch trotz des starken Nutzerzuspruchs schreibt WhatsApp weiterhin Verluste. Im ersten Halbjahr kam WhatsApp auf lediglich 15,3 Millionen Dollar (zwölf Millionen Euro) Umsatz. Unterm Strich steht ein Verlust von 232,3 Millionen Dollar, was aber zum größten Teil aus Aktienoptionen für die Mitarbeiter resultiert.

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

Die Kosten für den Geschäftsbetrieb waren im ersten Halbjahr mit 13,5 Millionen Dollar überschaubar. Allerdings verbuchte Whatsapp 206,5 Millionen Dollar für aktienbasierte Vergütungen und die Ausgabe von Anteilen. Offenbar nutzte das Start-up diese Möglichkeit, um Mitarbeiter anzulocken.

Whatsapp ist werbefrei, das Unternehmen verdient an einem Jahresbeitrag von 99 Cent, der nach dem ersten, kostenlosen Jahr fällig wird. Auf Werbung will man weiterhin verzichten. Es gibt darum wenig Anlass zur Hoffnung, das WhatsApp den gezahlten Kaufpreis schnell wieder einspielen könnte.

Das weiß man auch bei Facebook: Die Nutzerbasis taxierte der Konzern auf rund zwei Milliarden Dollar, die Marke auf 450 Millionen Dollar und die Technologie auf 290 Millionen Dollar. Mit 15,3 Milliarden Dollar wird ein Großteil des Kaufpreises als Goodwill verbucht – diese Position taucht in der Bilanz auf, wenn bei einer Übernahme mehr gezahlt wird, als das Vermögen der Tochter wert ist. Facebook rechtfertigt diese hohe Summe mit zukünftigem Wachstum.

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