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21.02.2014

06:49 Uhr

Facebook übernimmt Regie

Was der WhatsApp-Verkauf für die Nutzer bedeutet

Wird WhatsApp ein Teil von Facebook? Und was passiert mit den Daten? Die Übernahme der Instant-Messaging-App durch das Soziale Netzwerk wirft viele Fragen auf. Was Nutzer jetzt wissen müssen.

Nach Übernahme durch Facebook

Was wird nun aus WhatsApp?

Nach Übernahme durch Facebook: Was wird nun aus WhatsApp?

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Werden Facebook und WhatsApp zusammengelegt?
Nein: „WhatsApp wird autonom bleiben und unabhängig agieren“, schreibt WhatsApp-Gründer Jan Koum in einem Blogeintrag. Das ist durchaus glaubwürdig, Facebook gewährt auch der Tochterfirma Instagram viel Freiraum, sieht man davon ab, dass eine Managerin des Mutterkonzerns das Werbegeschäft auf die Beine stellen soll.

 

Was passiert mit meinen WhatsApp-Daten? Bekommt die jetzt Facebook?
Im Gegensatz zu Facebook sammelt WhatsApp keine Angaben zu Alter, Geschlecht oder Wohnort seiner Nutzer. Allerdings greift die Anwendung auf die Liste der eigenen Kontakte zu. Die Unternehmen versichern, dass es dabei bleibt. Datenschützer rechnen indes damit, dass die Datenbanken zusammengelegt werden könnten – schon aus finanziellen Gründen. Man müsse von einer „Kapitalisierung über die personenbezogenen Daten der Nutzer“ ausgehen, sagt der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar, der in Deutschland für Facebook zuständig ist.

Was an WhatsApp Kopfschmerzen bereitet

Laxer Umgang mit Datenschutz

WhatsApp überträgt die Kontakte im Adressbuch auf seine Server in den USA – in Zeiten mächtiger Geheimdienste kein angenehmer Gedanke. Hinzu kommt: Durch die Offenlegung der Handynummern erfahren andere Leute, dass man die App nutzt – zumindest, wenn sie diese auch installiert haben und im Adressbuch stehen.

Zweifel an der Verschlüsselung

Lange wurden die WhatsApp-Nachrichten unverschlüsselt übertragen. Auch an der inzwischen eingesetzten Verschlüsselungstechnologie hegen Experten Zweifel.

Sicherheitsbedenken

Schon mehrfach stand Whatsapp wegen des laxen Umgangs mit Sicherheitsfragen in der Kritik – das betrifft nicht nur die Verschlüsselung. So konnten eine Zeit lang Whatsapp-Nutzerkonten relativ leicht gekapert werden. Nach Einschätzung einer Sicherheitsfirma kann auch der Bezahlprozess ausspioniert werden.

Soziale Kontrolle

Für jeden App-Nutzer ist einsehbar, wann die Kontakte das letzte Mal den Dienst genutzt haben. Es kommt vor, dass darüber Mütter kontrollieren, ob ihre Babysitter zu Hause noch wach sind – denn die verdaddeln die Zeit oft genug mit WhatsApp. Die App ermöglicht also eine gewisse soziale Kontrolle.

Undurchsichtige Firma

Über die Firma WhatsApp ist wenig bekannt, die Macher meiden die Öffentlichkeit weitgehend. Das stärkt nicht gerade das Vertrauen. Auch der Anfang 2014 angekündigte Verkauf an Facebook stößt auf Skepsis – das Soziale Netzwerk gilt nicht wenigen als Datenkrake.

Wird WhatsApp künftig Werbung zeigen?
Der Dienst soll günstig und werbefrei bleiben, verspricht WhatsApp-Mitgründer Koum. „Er würde keine Partnerschaft zwischen unseren Unternehmen geben, wenn wir die Kernprinzipien verletzen müssten, die unsere Firma, unsere Vision und unser Produkt immer definieren werden.“ Da der Manager in den Facebook-Verwaltungsrat wechselt, wird es sich auch dafür einsetzen können. Klar ist indes, dass solche Zusagen nicht bis in alle Ewigkeit gelten.

 

Was ändert sich sonst für Nutzer?
Nichts – zumindest vorerst. Allerdings stellt sich die Frage, was Facebook mittelfristig tun wird, um den hohen Kaufpreis wieder einzuspielen. „Man muss schon extrem naiv sein, um zu glauben, dass WhatsApp langfristig das heutige Preismodell von 0,99 Dollar pro Jahr bestehen lassen wird“, sagt Ekkehard Stadie von der Strategieberatung Simon-Kucher & Partners. Eine Möglichkeit: „Warum sollte man nicht 1 Dollar pro Monat zahlen?“ Das ist allerdings Spekulation.

 

Welche Alternativen gibt es zu WhatsApp?
Wer jetzt Bedenken haben sollte, weiterhin WhatsApp zu nutzen, hat viele Alternativen. Line und Viber bieten beispielsweise neben dem Versand von Nachrichten, Fotos und Videos auch eine Telefonfunktion, beide funktionieren außerdem auf dem Computer. Die Netzbetreiber haben gemeinsam den Standard Joyn entwickelt, der ähnlich wie WhatsApp funktioniert, bislang aber nur wenige Anhänger hat. Die Besonderheit des schweizerischen Dienstes Threema: Die Daten werden auf dem gesamten Weg verschlüsselt. Das ist auch beim Blackberry Messenger (BBM) der Fall, den der Handyhersteller auch für Nutzer anderer Geräte geöffnet hat.

Kommentare (5)

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Dan

21.02.2014, 09:22 Uhr

Eine weitere sehr gute und sichere Alternative stellt der Blackberry Messenger "BBM" dar, der auch auf anderen gängigen Plattformen (iOS, Android) erhältlich ist.
Ich würde mich freuen, wenn Sie diesen nach eigenen Nachforschungen in die Liste der Alternativen aufnehmen würden.

Frosch

21.02.2014, 10:00 Uhr

Ich dachte immer es gibt Kartellbehörden.

BigBrother

21.02.2014, 10:45 Uhr

Bis gestern war ich Nutzer von WhatsApp . Nach der Übernahme durch FB habe ich WA unmittelbar deinstalliert (geht ruckzuck). Nach der Deinstallation informierte ich meine WA Kontakte per sms.
Wegen des unkontrollierten Umgangs mit Daten von Unternehmen mit Servern in Übersee wurde ich niemals Mitglied bei FB. Mit WA wäre ich das plötzlich und ungefragt geworden.
Die Daten bei FB sind für FB und für alle möglichen Stellen nutzbar, einsehbar (was wir wissen, Snowden und Gott sein Dank).
Welch ein Klassenunterschied: …. wir diskutieren in Europa darüber, wie lange Daten gespeichert werden dürfen (Vorratsdatenspeicherung).

Umfragen zeigen, das 60% bis 80% die Fusion nicht akzeptieren werden. Es zeigt sich eine Absetzbewegung von WA. Ich schätze, zigtausende Deinstallationen in kürzester Zeit. Ich hoffe, die Übernahme geht nach hinten los.

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