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22.02.2016

20:02 Uhr

Facebook und Netzbetreiber

Es ist kompliziert mit Zuckerberg

VonChristof Kerkmann

Facebook-Chef Mark Zuckerberg nutzt seinen Auftritt auf dem Mobile World Congress, um die Netzbetreiber zu umgarnen und für gemeinsame Projekte zu werben. Doch das geschieht nicht ohne Hintergedanken.

Der Facebook-Chef findet es „verrückt“, dass im Jahr 2016 immer noch vier Milliarden Menschen offline seien. AP

Mark Zuckerberg

Der Facebook-Chef findet es „verrückt“, dass im Jahr 2016 immer noch vier Milliarden Menschen offline seien.

BarcelonaSollten Facebook und die Mobilfunkbranche ihren Beziehungsstatus beschreiben, das Ergebnis hieße wohl: „Es ist kompliziert.“ Mit Apps wie Whatsapp und Messenger, die kostenlose Nachrichten und Anrufe ermöglichen, erschwert der Internetkonzern den Netzbetreibern das Leben. Und er will die Menschen in Schwellenländern mit seinem umstrittenen Free-Basics-Programm selbst ins Internet bringen. Allerdings leisten sich viele Nutzer auch einen Datentarif, um mit dem Smartphone bei Facebook Statusmeldungen und Fotos zu posten.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg bemüht sich nun wieder einmal um Beziehungspflege. Bei seinem dritten Auftritt auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona wirbt der Unternehmer für gemeinsame Initiativen. Eine soll den Netzbetreibern sogar einen zählbaren Nutzen bringen: Im Telecom Infra Project will Facebook leistungsfähige Netzwerkausrüstung entwickeln und die Baupläne allen zur Verfügung stellen.

„Wenn jeder in der Branche die gleichen Dinge verwendet, treibt das die Preise nach unten“, wirbt Zuckerberg auf der großen Bühne. Und wenn jeder mitmache, werde die Ausrüstung immer besser. Zu den ersten Partnern des Projektes zählen die Deutsche Telekom und der südkoreanische Riese SK Telecom.

Die Idee hat einen Hintergedanken: Wenn es so läuft, wie Facebook hofft, können die Netzbetreiber besser die vielen Videos transportieren, die die Facebook-Nutzer jeden Tag hoch- und runterladen. Und eines Tages auch die Daten für Virtual Reality, die Zuckerberg als „die soziale Plattform der Zukunft“ ansieht.

Zuckerberg hat weitere Stimmungsaufheller dabei. Den Telekommunikationskonzernen wolle Facebook keinesfalls Konkurrenz machen, beteuert er mehrfach. „Wir sind ein Internetdienst. Wenn die Leute ins Internet gehen, funktioniert unser Geschäftsmodell.“ Spannungen gebe es in jeder Beziehung, aber diese hier – also zwischen Facebook und Netzbetreibern – sei symbiotisch: Schließlich profitierten Telekom & Co. davon, wenn die Nutzer viele Daten hoch- und runterladen und dafür Datentarife buchen.

Free Basics

Worum handelt es sich?

Facebook bietet in mehr als 35 Schwellenländern einen beschränkten, aber kostenlosen Zugang zu einigen Internetdiensten an. Der Konzern will so möglichst vielen Menschen Zugang verschaffen.

Wie macht Facebook das?

Der Konzern kooperiert mit lokalen Netzbetreibern. Die Idee: Wenn die Nutzer die Dienste nützlich finden, entscheiden sie sich vielleicht auch für einen kostenpflichtigen Vertrag.

Warum ist das nötig?

Facebook argumentiert: Die Anschlüsse sind in den meisten Ländern vorhanden, doch für viele Menschen sind die Tarife zu teuer und der Nutzen zu unklar. Free Basics soll das ändern.

Warum ist das Projekt umstritten?

Weil Facebook das Projekt kontrolliert, sehen Kritiker darin einen Verstoß gegen die Netzneutralität – dieses Prinzip fordert einen diskriminierungsfreien Zugang zu allen Websites.

Wie reagiert Facebook auf die Kritik?

Als Antwort hat Facebook das Projekt bereits von Internet.org in Free Basics umbenannt, um den Charakter des Zugangs deutlicher zu machen. Zudem kann inzwischen jede Firma selbst eine App für das Programm entwickeln.

Wie erfolgreich ist das Projekt?

Das Resultat ist gemischt. Facebook bietet die Free Basics in mehr als 35 Ländern an. Allerdings hat die indische Telekommunikationsbehörde den Dienst Ende 2015 verboten.

Was tut Facebook noch?

Der Konzern investiert auch in die Entwicklung von Drohnen, um entlegene Landstriche mit dem Internet zu verbinden. Zudem lässt er einen Satelliten ins All schießen.

Dass Facebook Menschen mit seinem Projekt Free Basics selbst einen Internetzugang anbietet, habe einen einfachen Grund: Es sei „verrückt“, dass im Jahr 2016 immer noch vier Milliarden Menschen offline seien. Das will der 31-Jährige ändern.

Das Programm ist allerdings umstritten, nicht nur bei den Netzbetreibern. Kürzlich untersagte die Regulierungsbehörde in Indien die App, weil sie nur einen Gratis-Zugang zu ausgewählten Online-Diensten gewährte – das sei eine Diskriminierung anderer Angebote. Kritiker sehen darin einen Verstoß gegen das Prinzip der Netzneutralität.

Auf die Probleme angesprochen, reagiert der Facebook-Chef etwas schmallippig: Die wichtigste Lehre daraus sei, dass alle Länder unterschiedlich seien. Und er lässt wissen: „Facebook ist kein Unternehmen, das aufgibt, wenn es an eine Straßensperre kommt.“

Es ist vermutlich diese Einstellung, die manchen Konzernchefs Sorgen macht. Facebook lässt sich nicht so leicht beirren. Um entlegene Gebiete in Afrika zu vernetzen, schickt das Unternehmen noch in diesem Jahr seinen ersten Satelliten in den Himmel. Derzeit arbeitet es außerdem an seiner zweiten Testdrohne, die das Internet ebenfalls zur Erde „beamen“ soll.

Kleine Einblicke ins Privatleben gewährt Zuckerberg ebenfalls. Tochter Max, drei Monate alt, liebt Wasser, lässt er wissen. Und über ihre Medienerziehung macht er sich noch keine Gedanken. Nur eins ist klar: Auf Facebook darf sie frühestens mit 13, so wie es die Nutzungsregeln vorsehen. „Ich wäre ein schlechtes Vorbild, wenn ich Verstöße dagegen tolerieren würde.

Es ist nicht sein einziger Auftritt auf seiner Europareise. Am Sonntag trat er als Überraschungsgast auf der großen Pressekonferenz von Samsung auf, um Virtual Reality (VR) als die Technologie der Zukunft anzupreisen – die Facebook-Tochter Oculus VR kooperiert mit dem koreanischen Konzern. In den nächsten Tagen reist der Unternehmer nach Berlin, wo er für den „fairen Umgang mit Kreativen und ihren Verlegern“ einen Preis der Axel Springer AG erhalten und später Mitglieder beim „Townhall Meeting“ treffen wird. Vielleicht spricht er auch in diplomatischer Mission mit einigen deutschen Politikern. Auch die pflegen ja einen unklaren Beziehungsstatus zum Konzern.

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