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29.01.2015

00:12 Uhr

Facebook-Zahlen

Zuckerbergs kühne Wetten

VonChristof Kerkmann

Die Werbemaschine Facebook läuft auf Hochtouren: Der Netzwerk-Konzern wächst rasant und übertrifft die Erwartungen der Anleger. Für die Zukunft geht Firmenchef Mark Zuckerberg jedoch einige teure Wetten ein.

Facebook-Gewinn steigt

Der Motor des Facebook-Imperiums: das Smartphone

Facebook-Gewinn steigt: Der Motor des Facebook-Imperiums: das Smartphone

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Düsseldorf/Menlo ParkWenn Mark Zuckerberg über die Zukunft von Facebook redet, befasst er sich nicht lange mit dem nächsten Quartal. Er redet lieber über seine Pläne für drei, fünf oder gar zehn Jahre. „Das nächste Jahrzehnt wollen wir nutzen, um die gesamte Welt zu vernetzen“, sagte der Gründer und Chef des sozialen Netzwerks am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen.

Der Messenger Whatsapp und die Datenbrille Oculus Rift stehen für diese Zukunft, aber auch das Projekt Internet.org, das unvernetzte Menschen in Schwellenländern zu Nutzern machen soll. Der Konzern habe 2014 große Einsätze auf die nächste Generation der Computer-Plattformen gemacht, erklärte Zuckerberg. Was der 30-Jährige nicht so deutlich sagte: Diese Visionen sind teuer. Im vierten Quartal nahm Facebook zwar deutlich mehr ein, gab allerdings auch deutlich mehr aus. Anleger werden auch künftig in Kauf nehmen müssen, dass Facebook Größe über Gewinn stellt.

Der Konzern übertraf mit seinen Zahlen schon in den Quartalen zuvor die Erwartungen. Der Umsatz stieg um üppige 49 Prozent auf 3,85 Milliarden Dollar, der Nettogewinn um 20 Prozent auf 700 Millionen Dollar. Im gesamten Geschäftsjahr machte Facebook 12,5 Milliarden Dollar Umsatz und übersprang damit erstmals die magische Zehn-Milliarden-Marke. Die Werbeverkaufsmaschine läuft wie geölt und auf Hochtouren.

Facebooks Weg zum Weltkonzern

Vorläufer Facemash

Als Student an der Harvard-Universität programmiert Mark Zuckerberg mit mehreren Kommilitonen 2003 die Plattform facemash.com. Dort präsentiert er zwei zufällig ausgewählte Fotos von Harvard-Studentinnen – die Nutzer sollen über die Buttons „hot“ oder „not“ die attraktivere auswählen. Weil Zuckerberg die Bilder illegal beschafft hat und das Projekt massive Protesten auslöst, wird es nach kurzer Zeit wieder eingestellt.

„Thefacebook" geht online

Mark Zuckerberg und seine Mitgründer eröffnen im Februar 2004 „Thefacebook“. Es handelt sich um die Online-Version der gedruckten Jahrbücher. Das Konzept wird bald auf andere Universitäten ausgeweitet und verbreitet sich schließlich weltweit. Zwei von Zuckerbergs Kommilitonen klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. Der Streit wird im Jahr 2011 mit einem Vergleich beigelegt, die Kläger Tyler und Cameron Winklevoss erhalten 65 Millionen US-Dollar.

Der Newsfeed rückt ins Zentrum

Zweieinhalb Jahre nach der Gründung stattet Zuckerberg die Social-Media-Plattform mit dem Newsfeed aus – also mit einer Chronik, die alle Neuigkeiten aus dem Freundeskreis eines Nutzer anzeigt. Zuerst geht ein Aufschrei durch die Facebook-Gemeinde, die Mitglieder fürchten um ihre Privatsphäre. Doch der Amerikaner hält an seiner Idee fest und schließlich entwickelt sich Newsfeed zum zentralen Element von Facebook. Das Design der Nachrichtenchronik wird seitdem ständig überarbeitet, seit 2012 findet man dort auch Werbung.

Daumen hoch für Facebook

Im Februar 2009 führt Facebook den „Gefällt mir“-Knopf ein. Damit können Nutzer zeigen, dass ihnen etwas gefällt und dafür sorgen, dass sie bestimmte Nachrichten in ihren Newsfeed gespeist bekommen. Inzwischen hat das Symbol eine popkulturelle Bedeutung erlangt.

Profitabel dank Sandberg

Im März 2008 gibt Facebook bekannt, Sheryl Sandberg als Chefin fürs Tagesgeschäft (COO) von Facebook einzustellen. Der Auftrag der Harvard-Absolventin und ehemaligen Google-Managerin ist klar: Sie soll Facebook profitabel machen, was ihr zwei Jahre später auch gelingt. 2012 wird sie vom Time-Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Umzug im Großformat

Mehr als 2000 Mitarbeiter beschäftigt Facebook im Juli 2011 – und allmählich werden die überwiegend angemieteten Gebäude in Palo Alto zu eng. Das Online-Unternehmen wird auf der Suche nach einer neuen Zentrale wieder im Silicon Valley fündig: Auf dem ehemaligen Campus des Computerherstellers Sun Microsystems stehen Mark Zuckerberg und seinen Mitarbeitern neun Gebäude auf knapp 24 Hektar zur Verfügung. Weil Facebook kurz zuvor 1,5 Milliarden Dollar von seinen Investoren eingesammelt hat, kann es sich den Umzug problemlos leisten.

Instagram und Whatsapp

Die bis dato größte Investition tätigt Mark Zuckerberg im April 2012: Für eine Milliarde US-Dollar schluckt Facebook das Start-Up Instagram. Das Unternehmen hatte eine gleichnamige App entwickelt, mit der man Fotos bearbeiten und teilen kann. Mit der Übernahme weicht Zuckerberg erstmals von seiner bisherigen Philosophie ab, die nur ein soziales Netzwerk für alle Nutzer vorsah. 2014 bewältigt Facebook eine weitaus größere Übernahme: Die Instant-Messaging-App Whatsapp kostet insgesamt 19 Milliarden Dollar.

Erst hui, dann pfui, dann hui

16 Milliarden US-Dollar an nur einem Tag – so viel Geld spült der bis dato größte Börsengang eines Internet-Unternehmens am 18. Mai 2012 in die Kasse von Facebook. Obwohl Experten einen deutlichen Anstieg des Kurses vorausgesagt hatten, bricht der Wert der Aktie dramatisch ein. Bis August 2012 halbiert sich der Ausgabepreis von 38 Dollar. Erst ein Jahr später wird dieser Wert wieder erreicht – danach steigt die Aktie in ungeahnte Höhen.

Jeder siebte bei Facebook

Im September 2012 verkündet Mark Zuckerberg stolz, dass Facebook die Marke von einer Milliarde Mitglieder geknackt hat. Rein rechnerisch ist somit jeder siebte Mensch der Welt bei dem sozialen Netzwerk angemeldet. Dabei haben die rund 1,3 Milliarden Einwohner Chinas bisher noch nicht einmal offiziellen Zugriff auf Facebook. Die Mitgliederzahlen steigen weiter, wenn auch langsamer als früher.

Geschäftsmodell überzeugt Anleger

Facebook reagiert auf die zunächst schlechte Entwicklung der Aktie: Das Unternehmen setzt alle Hebel in Bewegung, damit die Werbung in dem sozialen Netzwerk einträglicher wird, sowohl auf dem Desktop als auch auf mobilen Geräten – mit Erfolg. So gelingt es auch, die skeptischen Anleger zu überzeugen. Die Facebook-Aktie steigt im Oktober 2015 auf mehr als 100 Dollar.

Vor allem die Anzeigen auf mobilen Geräten sind gefragt, sie spielen mittlerweile mehr als zwei Drittel (69 Prozent) des Umsatzes ein. Beim Börsengang im Mai 2012 lag dieser Wert nahe null – ein bemerkenswerter strategischer Schwenk.

Allerdings ist die Aktie des Unternehmens mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 70 bereits äußerst hoch bewertet. Das Papier ist daher so etwas wie ein Wettschein: Wer es hält, setzt darauf, dass das soziale Netzwerk auch weiter so schnell wachsen kann. Die aktuellen Zahlen lassen die Anleger zumindest hoffen, der Kurs legte nachbörslich leicht zu.

Das Management kann sich nicht einfach darauf verlassen, dass mehr Leute zu Facebook kommen. Denn im Kerngeschäft mit dem sozialen Netzwerk wird es für den Marktführer immer schwieriger, weiter zu wachsen. Das ist dem Gesetz der großen Zahl geschuldet: Inzwischen sind 1,39 Milliarden Internet-Nutzer angemeldet. In der westlichen Welt, wo das Unternehmen den Großteil der Einnahmen verdient, lässt sich kaum noch Kundschaft hinzugewinnen.

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