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17.01.2017

10:04 Uhr

Fake-Jäger Andre Wolf

„Deswegen reicht Facebooks Initiative nicht aus“

VonTina Halberschmidt

Greift Facebooks Initiative gegen Fake News zu kurz? Ja, findet „Fake-Jäger“ Andre Wolf. Im Interview plädiert er für mehr Medienkompetenz an Schulen und erklärt, warum Falschmeldungen immer auch mit Angst zu tun haben.

Fake News, die sich in sozialen Netzwerken verbreiten, stiften Verwirrung. AP

Was ist wahr und und was ist falsch?

Fake News, die sich in sozialen Netzwerken verbreiten, stiften Verwirrung.

Mit dem österreichischen Verein mimikama und der Initiative „ZDDK (Zuerst denken – dann klicken)“ kämpft Andre Wolf seit Jahren gegen Falschmeldungen bei Facebook. Im Interview erzählt der Fake-Jäger und Buchautor, wie sich der Charakter der gefälschten Nachrichten im Laufe der Jahre geändert hat, und warum Facebooks neue Initiative gegen Fake News nur ein erster Zwischenschritt sein kann.

Herr Wolf, was sind die Falschmeldungen, die sich bei Facebook am hartnäckigsten halten?
Das ist schwer zu sagen. Die Fake News verändern sich immer wieder. Vor fünf, sechs Jahren haben wir vor allem eher harmlose Scherze beobachtet, die sich bei Facebook als angeblich wahre News verbreiteten. So Geschichten wie die legendäre Spinne aus der Yucca-Palme. 2013/2014 kam dann die große Welle der weißen Transporter, die angeblich durch deutsche Städte fahren und Kinder und Katzen entführen. Im Frühjahr 2014 kamen dann Meldungen zur Organmafia. Die Geschichte kommt ursprünglich übrigens aus einem ARD-Tatort, der 2011 lief. Drei Jahre später wurde sie dann zu einem Internet-Hoax.

Eins haben alle diese Fake-Geschichten gemein…
Dass sie etwas zum Inhalt haben, wovor die Menschen Angst haben.

Facebook und die Fake-News: Gegen die Märchenerzähler

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Gegen die Märchenerzähler

Facebook sagt den Falschmeldungen auf seiner Plattform den Kampf an und will mit Journalisten diese als solche kennzeichnen. Doch viele Experten sehen den Vorstoß kritisch und fordern weitergehende Maßnahmen.

Zuerst also die Spinne in der Palme, dann Organ- und Kinderklau…
Und seit 2015 dann Flüchtlinge und der Islam als neues Angstbild. Dabei werden Geschichten nicht immer komplett frei erfunden. Oft sehen wir Meldungen, die vielleicht einen wahren Kern haben, die dann aber vollkommen überspitzt dargestellt werden. Zudem werden Einzelmeldungen als pauschal hingestellt und damit eine breite Masse an Menschen unzulässig diffamiert.

Was meinen Sie – wer ist der Absender solcher pauschalen und zugespitzten „Meldungen“?
Das lässt sich schwer sagen, aber diese Art der „Nachrichten“ werden oft bewusst befeuert – und Facebook tut nichts dagegen, wenn anonyme Fanpages sich Inhalte suchen und als gegeben veröffentlichen, die ausschließlich ihren eigenen Meinungen entsprechen und einen Teil der Wahrheit bewusst unterdrücken.

Was muss Facebook tun?
Die aktuelle Kampagne gegen Fake News kann jedenfalls nur eine schnelle Interimslösung sein. Das Markieren von Falschmeldungen ist nicht mehr als ein erster Schritt. Mittel- und langfristig muss es darum gehen, die Nutzer zu befähigen, falsche von echten Nachrichten zu unterscheiden. Wünschenswert ist deswegen, dass Facebook in die Schulbildung investiert.

Wie erkennt man Fake News?

Tipp 1: Absender checken

Der erste Blick sollte immer dem Absender einer Nachricht gelten: Wer steckt hinter einem Posting? Handelt es sich um einen anonymen Autor oder eine seriöse (Nachrichten-) Seite? Was wird sonst auf der Seite gepostet: Wird regelmäßig gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen oder Religionen gehetzt? Hilfreich ist oft auch, das Impressum einer Fanpage anzuklicken. Wenn es keines gibt oder nur die Adresse eines Postfaches angegeben wurde, ist dem meistens nicht zu trauen, schreibt der Verein Mimikama.

Tipp 2: Inhaltlicher Check

Auch der inhaltliche Gegencheck bringt oft interessante Ergebnisse: Bei Google News kann schnell geprüft werden, ob ein Sachverhalt von mehreren Seiten aufgegriffen oder lediglich von einer Stelle vermeldet wurde.

Tipp 3: Bilder-Check

Ebenfalls bei Google können Nutzer checken, ob ein Bild wirklich zu einer bestimmten Geschichte gehört oder aus dem Kontext gerissen wurde: Mit Googles Bilder-Rückwärtssuche kann jeder leicht herausfinden, ob ein Foto eine reale Situation zeigt.

Tipp 4: mimikama-Suchmaschine nutzen

Der österreichische Vereine mimikama checkt seit Jahren Falschmeldungen, die sich im Netz verbreiten - und hat inzwischen eine eigene Suchmaschine. Unter http://hoaxsearch.com/ kann man mit normalen Suchbegriffen nach Falschmeldungen fahnden - natürlich unter der Voraussetzung, dass ein bestimmtes Thema bereits bei mimikama behandelt wurde.

Schon Schülern sollte also vor allem Medienkompetenz vermittelt werden?
Unbedingt. Wenn man den Menschen beibringt, wie man echte von falschen Nachrichten unterscheidet und sie dazu bringt, öfter mal auf den Link zu klicken, der mit einer Facebook-Nachricht veröffentlicht wird, ist das Problem der Fake News plötzlich gar nicht mehr so groß.

In Österreich ist schon ein erstes Projekt an Schulen gestartet.
Ja – mit dem Ziel, die Lehrer und Lehrerinnen zu sensibilisieren und Schülern zu vermitteln, wie man sich kritisch mit digitalen Inhalten sowie deren Ursprung auseinander setzt. Dazu werden im ersten Schritt Kurzfilme zum Thema Fake News entwickelt. Außerdem wird erklärt, wie Schüler Nachrichten und Bilder auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen können. Mit unserem Verein Mimikama gestalten wir dafür extra Unterrichtsmaterialien zum Schwerpunkt Medienbildung.

Wann wird ein solches Projekt auch in Deutschland gestartet?
Wir sind in Gesprächen mit der Bundeszentrale für politische Bildung und hoffen, noch in diesem Jahr auch in Deutschland aktiv werden zu können.

Herr Wolf, vielen Dank für das Interview.

Kommentare (1)

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Frau Lana Ebsel

17.01.2017, 16:49 Uhr

Die Grünen zeigen geschlossen keine Bedenken gegen diese Internet(Meinungs)-Zensur, weil hiermit alle unliebsamen Andersdenkenden mundtot gemacht werden. Auf einmal ist das von ihnen gerne missbrauchte Grundgesetz vergessen.

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