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15.10.2013

06:50 Uhr

Farblose iPhone-Verkäufe

Apple staucht Produktion des 5C

VonAxel Postinett

Apple-Fans üben sich in Schwarz-Weiß-Denken: Die Sparvariante des iPhone, das Modell 5C, entwickelt sich zum Verkaufsflop. Der Absatz der bunten Geräte läuft schleppend – und Apple reagiert offenbar direkt.

Von wegen schön bunt: Apples iPhone 5C verkauft sich nicht so gut wie erhofft. AFP

Von wegen schön bunt: Apples iPhone 5C verkauft sich nicht so gut wie erhofft.

San FranciscoHat sich Tim Cook doch verkalkuliert? Das teure Billig-iPhone 5C im bunten Kunststoff-Look scheint sich nicht ansatzweise so gut zu verkaufen wie erhofft. Apple-Fans greifen offenbar direkt zum Top-Modell oder lassen es eben ganz sein. Oder warten sie vielleicht schon auf das iPhone6?

Die Webseite mashable.com berichtet unter Berufung auf die chinesische Webseite Ctechcn von einer Produktionskürzung beim bunten iPhone von 300.000 auf 150.000 Stück pro Tag. Als Quellen werden asiatische Zuliefererkreise genannt. Das passt zu Meldungen des Weblogs AllThingsD, nach denen sich das Topmodell iPhone 5S mehr als doppelt so gut verkauft wie der kleine Bruder. Basis sind Zahlen des Konsumforschers Consumer Intelligence Research Partners. Zum teuren Modell greifen demnach 64 Prozent der Kunden, 27 wollen die farbige Option und immerhin noch neun Prozent begnügen sich mit einem iPhone 4S.

Vorsichtiger geworden sind bereits Apple-Analysten wie Ming-Chi Kuo von KGI. Für das Septemberquartal lauten seine Verkaufsschätzungen jetzt 11,4 Millionen statt 17 Millionen iPhone5C. Eine Kürzung der Prognose für das Weihnachtsquartal um zehn Prozent auf 10,4 Millionen Geräte ist seiner Meinung nach ebenfalls notwendig.

Die Evolution des iPhone

iPhone - die erste Generation

Mit seinem leicht bedienbaren Touchscreen revolutionierte das iPhone die Handybranche. Dabei waren die technischen Daten der ersten Generation noch recht bescheiden: Der Prozessor leistete nur 667 Megahertz, der Arbeitsspeicher war nur 128 Megabyte groß. Den Datenfunk UMTS unterstützte die erste Generation nicht. Trotzdem wurde das Gerät ein riesiger Erfolg.

iPhone 3G

Das zweite Gerät der iPhone-Reihe, vorgestellt im Juni 2008, brachte einige wesentliche Änderungen. Zum einen überarbeitete Apple das Design gründlich. Zum anderen unterstützte das Gerät den Datenfunk UMTS sowie den Datenturbo HSDPA.

iPhone 3GS

Ein Jahr später stellte Apple das iPhone 3GS vor. Am Design änderte sich nichts, allerdings stattete der Hersteller das Gerät mit einem besseren Prozessor und einem größeren Speicher aus. Das suggeriert auch der Name: Das S steht für „Speed“. Zudem war eine Kamera mit 3 Megapixel Auflösung an Bord.

iPhone 4

Mit der vierten Generation, präsentiert im Juni 2010, wagte Apple wieder ein neues Design: Das Gehäuse war kantiger und aus Edelstahl. Zudem verbaute der Hersteller ein Display mit höherer Auflösung. Auch der Prozessor war leistungsfähiger als beim Vorgänger. Der Ansturm auf das Gerät war gewaltig.

iPhone 4S

Äußerlich unterschied sich das iPhone 4S kaum von seinem Vorgänger, das Design blieb weitgehend gleich. Schlagzeilen machte vor allem der persönliche sprachgesteuerte Assistent Siri, der zunächst nur auf dem 4S lief, später aber auch auf anderen iPhone-Modellen. Siri kann Fragen beantworten oder Kommandos ausführen. Die Kamera des iPhone 4S hatte eine Auflösung von 8 Megapixel.

iPhone 5

Das sechste und aktuelle Gerät der Reihe heißt iPhone 5. Es ist etwas länger, aber gleichzeitig dünner als das Vorgängermodell – dadurch ergibt sich ein neues Seitenverhältnis von 16:9. Die 8-Megapixel-Kamera kann Aufnahmen in HD anfertigen. Ein neuer Prozessor soll für mehr Tempo sorgen. In die Kritik geriet Apple, weil vor allem an der schwarzen Variante schnell Abnutzungserscheinungen zu sehen waren. Mit dem iPhone 5 führte Apple auch iOS 6 ein, die neue Version des Betriebssystems, die den vielkritisierten Kartendienst Maps enthält.

iPhone 5C und 5S

Das iPhone 5c und das iPhone 5s waren die Modelle sieben und acht. Das 5c ist die etwas günstigere Variante: Weitgehend ausgestattet wie das iPhone 5, hat es aber ein Gehäuse aus buntem Plastik. Das 5s hat unter anderem einen doppelt so schnellen Chip, eine bessere Kamera und einen Fingerabdrucksensor zur Entsperrung des Gerätes.

In den USA drehen große Handelsketten auch schon an der Preisschraube und bieten ein 5C mit Neuvertrag teilweise für 50 Dollar oder weiniger an, statt für den Standardpreis von 99 Dollar. In einer weiteren Verkaufsförderung bekommen Neuvertragskunden bei Best Buy das Farb-iPhone kostenlos, wenn sie irgendein funktionierendes Smartphone im Gegenzug eintauschen.

Seit Markteinführung haben Analysten Zweifel an der Preisstrategie geäußert. Das Kunststoff-Gerät wird lediglich um 100 Dollar günstiger als das Flaggschiff abgegeben, womit Apple CEO Tim Cook versucht die Gewinnmargen zu stabilisieren. Wenn nun die Produktion gekürzt und im Handel die Preise gesenkt werden müssen, spricht das dafür, dass diese Rechnung nicht aufgehen könnte.

Unterdessen schießen bereits die Spekulationen über den Nachfolger, das iPhone6 ins Kraut. Apple-Analyst Peter Misek von Jefferies will von Zulieferern erfahren haben, dass es ein mit 4,8 Zoll deutlich größeres Display mit höherer Auflösung bekommen soll. Heutige iPhones haben einen Bildschirm mit 4-Zoll Diagonale. Misek nennt als Zeithorizont September 2014. Auch er will von signifikanten Produktionskürzungen beim 5C gehört haben.

Apple nimmt zu den Berichten wie gewohnt keine Stellung. Gerüchteweise wird am 22. Oktober erst einmal ein neues iPad-Modell vorgestellt werden. Die nächsten Quartalsergebnisse sind für den 28. Oktober angesetzt.

Kommentare (2)

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Otternase

15.10.2013, 10:53 Uhr

Schön, dass die Redaktion weiss, was sich Apple vom 5c 'erhofft' hat. ;-)

"Das teure Billig-iPhone 5C im bunten Kunststoff-Look scheint sich nicht ansatzweise so gut zu verkaufen wie erhofft."

Erstens entsprächen 150.000 Stück am Tag etwa 40 Mio Stück im Jahr, so viel, wie vorher vom iPhone 5 allein verkauft wurden.

Zweitens ist es normal, dass von den Geräten zunächst für den Verkaufsbeginn produziert,und das Lager aufgefüllt wird, um danach dauerhafte Nachfrage zu bedienen.

Drittens schätzen Analysten bei Apple sehr gerne extrem hohe Produktionszahlen, um diese bei Bedarf wegen irgendwelcher anderer Schätzungen herunter zu reduzieren - und den Kurs zu drücken.

Viertens sind beide Zahlen, die 300.000 und die 150.000 Stück GESCHÄTZT, mithin ist keine von beiden seitens Apple weder veröffentlicht, noch bestätigt, und daher Kaffeesatzleserei, die bestenfalls über die Phantasiefähigkeit des Analysten eine Aussage trifft.

Fünftens sagte Cook mehrfach, dass es schwierig ist aus einzelnen Teilannahmen und -informationen als Aussenstehender auch nur näherungsweise Rückschlüsse auf die laufende Produktion zu ziehen. Apple lässt von verschiedenen Firmen produzieren, die Reduzierung bei einem Hersteller allein hat daher Null Aussagekraft.

Und sechstens ist es eine gute Nachricht, dass iPhone 5s und 5c in einem gesunden Verhältnis von 2:1 verkauft werden, hat es Apple damit doch geschafft, sein Top Produkt zu kannibalisieren.

Ei n letztes Wort: wirklich aussagekräftig wäre nur das Verhältnis der Verkaufszahlen des iPhone 4s nach Beginn des Verkaufs letztes Jahr mit dem Verkauf des 5c nach Beginn des Verkaufs dieses Jahr. Werden mehr 5c verkauft, dürfte Apples Strategie aufgegangen sein, dass durch die Änderung des Designs neue Kaufanreize geschaffen sein.

Von all dem schreibt der Redakteur *nichts*. Wäre vielleicht zu viel verlangt.

Otternase

15.10.2013, 10:57 Uhr

Oops. Korrektur: Apple hat es geschafft sein Top Produkt NICHT zu kannibalisieren. :-]

Würde sich das 5c besser verkaufen, gäbe es seitens der Analysten Zeter und Mordio, weil Apple sein Top Produkt 'schädigen' würde, und es würde Herabstufungen hageln. ;-€

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