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10.01.2008

13:02 Uhr

Fernsehwerbung

Privatsender blicken neidisch nach Frankreich

VonHolger Alich und H.-P. Siebenhaar

ExklusivIn Frankreich wird es künftig keine Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen mehr geben - so plant es Präsident Sarkozy. Deutsche Privatsender kämpfen nun für eine ähnliche Regelung. ARD und ZDF diskutieren intern über einen Reklameverzicht. Wie entsprechende Einnahmeausfälle ersetzt werden könnten, kann aber niemand sagen.

Will Werbung aus den öffentliche-rechtlichen Sendern verbannen: Frankreichs Präsident Sarkozy. Foto: ap Quelle: ap

Will Werbung aus den öffentliche-rechtlichen Sendern verbannen: Frankreichs Präsident Sarkozy. Foto: ap

PARIS/DÜSSELDORF. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy sorgt mit seinem geplanten Werbeverbot im öffentlich-rechtlichen Fernsehen auch in Deutschland für eine Kontroverse. Die Privatsender wünschen sich einen Rückzug von ARD und ZDF aus dem Werbemarkt. „Wir blicken mit Respekt und Neid nach Frankreich. Bei uns wird Jahrzehnte lang diskutiert, und nichts ist passiert,“ sagte Jürgen Doetz, Präsident des Privatsenderverbandes VPRT, dem Handelsblatt. Der frühere Vorstand der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 ist dennoch optimistisch, dass auch in Deutschland mittelfristig ein werbefreies öffentlich-rechtliches Fernsehen kommt. „Bei ARD und ZDF wächst die Bereitschaft, auf Werbung im Programm zu verzichten“, sagt Doetz. „Das ist der Einstieg zum Ausstieg.“

Tatsächlich gibt es bei ARD und ZDF eine Diskussion, ob sich durch einen Werbeverzicht die Position des öffentlich-rechtlichen Fernsehens nicht verbessern würde. Denn dadurch könnte der wachsenden Kritik an der Gebührenfinanzierung Wind aus den Segeln genommen werden. „Wir haben nur das Problem: Wie können wir den Einnahmeausfall kompensieren. Zusätzliche Gebühren machen die Politiker nicht mit“, heißt es in ARD–Kreisen. Die Privaten würden einen Werbeverzicht der Öffentlich-Rechtlichen begrüßen. „Eine klare Trennung würde die Akzeptanz von ARD und ZDF unterstützen“, sagte gestern Claude Schmit, Chef des Kanals Super RTL.

Das ZDF will aber auch in Zukunft nicht auf Reklame verzichten. „Die Werbung trägt zu unserer Unabhängigkeit bei“, sagte ein ZDF-Sprecher. Derzeit erzielen ARD und ZDF sechs Prozent ihrer Einnahmen aus Werbung. Die restlichen 94 Prozent stammen aus Gebühren. Beispielsweise erwartet das ZDF in diesem Jahr Werbeeinnahmen von 120 Mill. Euro bei einem Gesamtetat von 1,93 Mrd. Euro.

Ein Werbeverbot für ARD und ZDF würde im Markt nicht nur auf Zustimmung treffen. „Die werbetreibende Wirtschaft sieht die Werbeplätze in den öffentlich-rechtlichen Programmen als unverzichtbar an und hat in der Vergangenheit sogar darauf gedrängt, die Werbemöglichkeiten zu erweitern“, sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff gestern dem Handelsblatt.

Auch Mediaagenturen wenden sich gegen das französische Modell. „Für bestimmte Zielgruppen ist das öffentlich-rechtliche Fernsehen bestens geeignet. Deshalb hätte ein Werbeverbot seine Schattenseiten“, sagte Michael Enzenauer, Deutschlandchef der Mediaagentur Optimedia. Durch die Überalterung der Gesellschaft wachse sogar die Bedeutung von ARD und ZDF für die Werbewirtschaft noch. Derzeit liegt das Durchschnittsalter bei ARD und ZDF bei 61 und 60 Jahren. Zum Vergleich: Bei RTL sind es 48, bei Pro Sieben sogar nur 38 Jahre.

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