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25.05.2016

14:21 Uhr

FGC will Aixtron übernehmen

Aktionäre wettern gegen Übernahme

Die Aktionäre des Chipanlagenbauers Aixtron begehren bei der Hauptversammlung gegen die geplante Übernahme durch den Investmentfonds FGC auf. Der Vorwurf: Die Chinesen wollten „Know-How zu einem Spottpreis“ kaufen.

Chinesen haben Interesse an dem Chipanlagenbauer. PR

Aixtron

Chinesen haben Interesse an dem Chipanlagenbauer.

AachenDie Pläne zur Übernahme des defizitären Chipanlagenbauers Aixtron durch den chinesischen Investmentfonds FGC stoßen bei den Aktionären auf heftige Kritik. „Der will doch nur ihr Know-how kaufen und das zu einem Spottpreis“, sagte ein Kleinaktionär am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Aachen. Er rief die Anleger auf, „den Verkauf zu so einem Schleuderpreis abzulehnen.“ Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fragte: „Wer würde mit sechs Euro je Aktie noch Gewinn machen?“

FGC bietet bis zu 676 Millionen Euro für das Unternehmen mit seinen rund 750 Mitarbeitern. Die Kaufofferte liegt mit 6,00 Euro je Aktie gut 25 Prozent über dem Schlusskurs der vergangenen Woche, ist aber weit entfernt von den einstigen Höchstständen. „Aixtron braucht keinen neuen Großaktionär, ein funktionierendes Geschäftsmodell würde schon reichen“, sagte Hechtfischer.

Die größten Chiphersteller der Welt

Intel

Mit einem Umsatz von rund 50 Milliarden Dollar ist Intel der mit Abstand größte Chiphersteller der Welt. Seit fast einem Vierteljahrhundert führt Intel die Rangliste nun schon an. Der Konzern aus dem Silicon Valley lebt vor allem von seinen Prozessoren. Sie sind das Gehirn eines jeden Rechners. Die Halbleiter des Unternehmens stecken insbesondere in PCs, Notebooks und Servern. Im Geschäft mit Smartphones konnte Intel nie so recht Fuß fassen. Alles in allem erreicht Intel auf dem Halbleitermarkt einen Anteil von mehr als 15 Prozent.

Samsung Electronics

Die Chipsparte des koreanischen Elektronikkonzerns ist nach Intel weltweit die Nummer zwei und kommt den Experten von Gartner zufolge auf gut elf Prozent Markanteil. Die Asiaten sind vor allem stark in Speicherchips. Samsung beliefert unter anderem auch Apple. Halbleiter sind freilich nur ein Geschäft von vielen von Samsung Electronics. Die Koreaner liefern auch viele andere elektronische Bauteile sowie Waschmaschinen, Smartphones, Fernseher und sogar Kühlschränke und Staubsauger.

SK Hynix

Der zweite große südkoreanische Halbleiteranbieter heißt SK Hynix und liegt in der Weltrangliste auf Platz drei. Der Umsatz: Mehr als 16 Milliarden Dollar. SK Hynix produziert insbesondere Speicherchips und wurde in der Vergangenheit vom Staat gestützt, um eine Insolvenz abzuwenden. Als einer der ganz wenigen großen Chipkonzerne ist SK Hynix 2015 gewachsen.

Qualcomm

In der Öffentlichkeit ist Qualcomm zu gut wie unbekannt, doch in der Halbleiterbranche sind die Kalifornier die Nummer vier mit zuletzt rund 16 Milliarden Dollar Umsatz. Die Firma liefert vor allem Chips für Smartphones. So stark ist Qualcomm auf diesem Feld, dass der Konzern wiederholt mit den Kartellämtern Probleme hatte. Das Unternehmen betreibt keine eigenen Fabriken sondern lässt alle seine Chips in sogenannten Foundries fertigen. Zudem verdient Qualcomm an Lizenzgebühren, weil jeder Handyhersteller auf geistiges Eigentum der Amerikaner zurückgreifen muss. 2015 war jedoch kein gutes Jahr für Qualcomm, der Umsatz ist kräftig gefallen. Mit einem Kurseinbruch von einem Drittel lief es auch auf dem Parkett alles andere als rund.

Micron Technology

Der US-Konzern arbeitet eng mit Intel zusammen und steht auf Rang fünf der Umsatzrangliste der Halbleiterindustrie. Zuletzt lagen die Erlöse bei rund 14,5 Milliarden Dollar. Micron verkauft hauptsächlich Speicherchips. Gemeinsam mit Intel hofft Micron derzeit auf eine ganz neue Generation an Speicherchips. Die neuen Chips sollen 1000 Mal schneller sein als die derzeit gebräuchlichen NAND-Speicherchips. Gleichzeitig können die fortschrittlichen Halbleiter zehn Mal mehr Daten fassen als die herkömmlichen Arbeitsspeicher, die sogenannten DRAMs. Im Gegensatz zu den DRAM-Chips, und ähnlich wie bei NAND, gehen die Informationen bei der neuen Technik nicht verloren, wenn der Strom erlischt. NAND hat in den vergangenen Jahren in vielen Rechnern die Festplatten verdrängt und wird jetzt womöglich selbst durch die neue Technik abgelöst. Intel und Micron haben die neue Technik 3D Xpoint genannt.

Texas Instruments

Vielen Menschen ist der US-Konzern vor allem wegen der Taschenrechner ein Begriff. Dabei lebt Texas Instruments vor allem von Chips und gilt als einer der verlässlichsten und über Jahrzehnte hinweg profitabelsten Anbieter. Der Umsatz lag zuletzt bei gut elf Milliarden Dollar, damit rangiert die Firma auf Platz sechs der Weltrangliste.

Toshiba Semiconductor

Der größte japanische Chiphersteller kam zuletzt auf Erlöse von 8,5 Milliarden Dollar, das reicht für Platz sieben in der Weltrangliste. Der Marktanteil beträgt fast drei Prozent.

Broadcom

Der US-Konzern ist der große Wettbewerber von Qualcomm im Geschäft mit Handychips und liegt auf Platz acht der größten Halbleiterhersteller. Allerdings wird es Broadcom nicht mehr lange geben. Arvago schluckt den Konkurrenten gerade und gibt dafür die Rekordsumme von 37 Milliarden Dollar aus. So viel wurde in der Industrie noch nie bei einer Übernahme auf den Tisch gelegt.

ST Microelectronics

Bislang der größte europäische Halbleiterhersteller, doch diese Position wird der Konzern nicht mehr lange behalten. Der Grund: NXP aus Eindhoven hat Ende 2015 den amerikanischen Rivalen Freescale übernommen und ist wird damit vom Umsatz her an ST Microelectronics vorbei ziehen. Das französisch-italienische Unternehmen ST Microelectronics erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von fast sieben Milliarden Euro, das ergab den Marktforschern von Gartner zufolge Platz neun. Die Firma mit Hauptsitz in Genf beliefert zahlreiche Industrien, tut sich aber seit Jahren wirtschaftlich schwer. Eine Bürde ist die Historie, weil es viele Standorte in den beiden Ursprungsländern Frankreich und Italien gibt.

Infineon

Der wichtigste deutsche Chipproduzent und der einzige Hersteller hierzulande in den Top-ten der Branche. Die Münchener sind 2015 um rund ein Drittel gewachsen, vor allem aufgrund der Übernahme des US-Rivalen International Rectifier. Auch an der Börse lief es vergangenes Jahr prächtig, mit einem Kursplus von gut 50 Prozent gehörte die ehemalige Siemens-Sparte zu den größten Gewinnern im Dax. Infineon wird seinen Platz unter den zehn größten Herstellern vermutlich bald verlieren, weil der holländische Wettbewerber NXP den amerikanischen Rivalen Freescale jüngst geschluckt hat.

Autor: Joachim Hofer

Firmenchef Martin Goetzeler verteidigte hingegen die Übernahmepläne als einzige Chance für Aixtron. FGC werde den Zugang zum chinesischen Markt erleichtern und dadurch enorme Chancen ermöglichen. „Ich sehe das auch als Möglichkeit, Arbeitsplätze in Deutschland und den europäischen Forschungsstandorten zu sichern.“ Er betonte zudem, es sei „schwarz auf weiß vereinbart, dass kein Know-how abfließen wird.“

Aufsichtsratschef und Firmengründer Kim Schindelhauer warb ebenfalls bei den Anlegern, das geplante Angebot anzunehmen: „Wir haben gerungen, das Unternehmen wieder profitabel zu machen.“ Doch seit 2011 habe Aixtron keinen Gewinn mehr verbucht und keine Dividende mehr gezahlt. Daher sei „weiter machen wie bisher keine Lösung.“ Zudem sei die Kasse mit 180 Millionen Euro viel zu klein auch vor dem Hintergrund der jährlich nötigen Forschungskosten von 50 bis 60 Millionen Euro.

Goetzeler hatte am Montag mitgeteilt, mit dem Investor Fujian Grand Chip Investment (FGC) einen Käufer gefunden zu haben. Offiziell soll das Angebot im Juli vorgelegt werden. Die Übernahme kommt aber nur dann zustande, wenn die Chinesen mit der Offerte auf mindestens 60 Prozent an Aixtron kommen.

Aixtron vor Übernahme: Chinesen bieten 676 Millionen Euro für Chip-Anlagenbauer

Aixtron vor Übernahme

Chinesen bieten 676 Millionen Euro für Chip-Anlagenbauer

Der angeschlagene Chip-Anlagenbauer Aixtron soll von Investoren aus China übernommen werden. Fujian Grand Chip Investment hat ein Angebot vorgelegt. Aixtron hofft nun auf neue Investitionen.

Das 1983 aus der RWTH Aachen hervorgegangene Unternehmen produziert überwiegend Chipanlagen zur Herstellung von Leuchtdioden (LED), die in der Unterhaltungselektronik, Automobilindustrie und bei industrieller Beleuchtung zum Einsatz kommen. Chipanlagenbauer wie Aixtron oder Veeco warten seit längerem auf einen neuen Investitionszyklus. Nach einigen Boomjahren mit Umsätzen von bis zu 780 Millionen Euro schreibt Aixtron daher seit 2012 tiefrote Zahlen. 2015 verbuchten die Aachener trotz Einsparungen bei einem Umsatz von 198 Millionen Euro einen Nettoverlust von 29,1 Millionen Euro.

Der Vorstand steuerte mit Stellenstreichungen gegen. Hoffnungen auf eine Trendwende hatten sich im Dezember zerschlagen, als der chinesische Leuchtdiodenhersteller San'an Optoelectronics seinen Großauftrag über 50 Anlagen auf drei Maschinen zusammenstrich.

Von

rtr

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